Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 182686
Datum der Veröffentlichung : 5/24/2016 1:52:45 PM
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Die Islamkunde 174, der Islam und ethische Rechte 19


Freitagsansprache von 15.04.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Das „Menschenrecht“ ist einer der weiteren Gesetze die Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) in seinem „Risala al-Hughugh“ aufgeführt hat. Dieser Themenbereich ist generell, ein sehr wichtiger Bestandteil in sozialen und politischen Angelegenheiten. Heutzutage setzt sich vor allem die Regierungspolitik, über die „Menschenrechte“. Natürlich ist es klar, dass in hierarchische Regierungen, welche diktatorische, autoritäre und aristokratische Merkmale besitzen, die Bürger dort keinerlei Wert und Stellung aufweisen, daher wird auch leider auf deren Meinung und Weltanschauung nie geachtet, geschweige denn ernst genommen. Daher gibt es auch in solchen Regierungsverhältnisse, eine großen Kluft zwischen Reich und Arm, und meistens regiert hierbei nur eine ausgewählte und bestimmte Sozialschicht, ohne dass in irgendeiner Weise die restlichen Mitbürger mitbestimmen können. Deswegen kommen ohne Zweifel, bei solchen Regierungen, die Menschenrechte sehr kurz und des weiteren findet man leider hierbei auch keine Sozialgerechtigkeit. Denn normalerweise wird in solchen Gesellschaften, das eigene Forderungsrecht nicht wertgeschätzt. Wenn man sich diese hierarchische Regierungsart genau betrachtet, erkennt man, dass durch deren Verhaltensweise, die Bürger mit vielen Schäden und Nachteile konfrontiert worden sind. Allerdings erkennt man in Regierungspolitiken, welche auf Wahlen und Abstimmungen der Menschen basieren, dass die Bürger in hochrangiger Weise, in der Gründung einer Regierungspolitik mitwirken dürfen. Außerdem dürfen sie sogar deren eigene Rechte und Gesetze fordern und mitbestimmen. Daher wird jeder einzelne Mensch, auf seiner eigenen Weise, in allen Bestimmungen und Angelegenheiten, beteiligt und ernst genommen, sodass jeder Bürger seinen Teil zur Regierungsform dazu geben kann.

Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn), welcher als religiöser Führer dient und die „Reinheit“ selbst ist, sieht die Menschenrechte wie folgt: „ Die Menschenrechte der Menschen, welche unter deiner Regierung sind, sind wie folgt: Du musst wissen, dass der Grund für deine Regierungsleitung, deine eigene Stärke und die „Schwäche“ der Anderen ist, daher ist es besser das du auf die Erwartungen und Wünsche der „Schwachen“ Acht gibst, welche im Prinzip dich dazu gebracht haben, dass du Regieren darfst. Denn dieser „Schwache“ ist gezwungen auf dich zu hören und deine Urteile und Befehle zu beachten, da er keinerlei Stärke und Macht gegen dich in der Hand hat, denn nur durch Gottes Hilfe kann er sich von dir trennen. (Damit nicht diese „autoritären“ Gedanken gegenüber den Schwachen im Land eintreten…) Daher sollst du als Regierungsführer, immer gnädig und barmherzig gegenüber den Schwachen sein und stets ihnen beistehen, und alles dafür tun, damit Ruhe und Wohlleben in deren Alltag existieren kann, und ergänzend sollst du stets duldsam und ausgeglichen mit ihnen umgehen. Du musst wissen, dass du nur durch Gottes Gnade und Güte, diese Stellung als Regierungsoberhaupt erhalten hast, also sei immer Gott dafür dankbar, denn derjenige der Dankbar ist, erhält durch Gott, Segensvermehrung, und es gibt keine Macht außer die Macht Gottes.“

Diese Aussagen von Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) beinhaltet folgende wichtige Punkte: Erstens, dass du unter verschiedene Bedingungen, als Regierungsmacht von ihnen (den restlichen Mitmenschen) bestimmt worden bist, und sie nun unter deiner Regierung sind, und nun haben deine Urteilskräfte Einfluss, und deine Bestimmungen wirken jetzt für diese Gesellschaft, so setzte dich aufrichtig für diese ein!!! Und löse deren Probleme und Unreinheiten! Außerdem solltest du wissen, dass du mit solch einer Gelegenheit, stets dankbar sein musst und immer die Gerechtigkeit herrschen lassen sollst! Daher wird im Weiteren die Rede Imam Sajjads (Friede sei auf Ihn) wie folgt fortgesetzt: „Als Recht derer, die unter deiner Regierung sind, musst du als Regierungsoberhaupt wissen, dass aufgrund deiner Stärke und Kraft, diese Menschen als Schwache agieren und in deinen Händen als Regierungsoberhaupt liegen. So ist es deshalb verpflichtend für dich, dass du dich immer gerecht und loyal ihnen gegenüber verhalten sollst und für sie sozusagen, die Rolle des Vaters spielen sollst, mit ihnen fürsorglich und verständnisvoll vorgehen, und unabsichtliche Fehler, aufrunde deren Unwissenheit, verzeihen sollst, und bei Bestrafungen, nicht voreilig sein sollst. Und danke Gott, dass er dir dafür, diese Kraft und Macht dazu gegeben hat.“

Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) beschreibt die Verpflichtungen eines gerechten Staatsoberhauptes insofern, dass der Regierende gegenüber seinem Volk, gerecht vorgehen soll, sodass in Wirklichkeit, er über alle Dinge in der Gesellschaft, „die Gerechtigkeit“ leiten lassen soll. Im Eigentlichen heißt es, dass der wahre Besitzer von Recht und Anspruch ans Licht kommen soll und alles dafür tun muss, damit dies angemessen und loyal dargelegt wird.

Genauso wie Maulawi in einem Gedicht, die Gerechtigkeit und Tyrannei wie folgt beschreibt: „Was ist die Gerechtigkeit? Jede Position zur seiner angemessenen Lage (Wie die Deutschen sagen: Jedem das seine!)

Was ist die Tyrannei und Ungerechtigkeit? Die Position zu seiner unpassenden Lage
Was ist die Gerechtigkeit? Den Bäumen, die auf dem Weg sind, Wasser zu gießen
Was ist die Ungerechtigkeit? Den Dornen in der Wüste, Wasser zu gießen.“

Jedoch im Umgekehrten, also wenn der Regierende die Gerechtigkeit missachtet und die Grundgesetze der Menschen nicht einhält, wird die Regierung im Endeffekt niemals, als rechtmäßig und akzeptabel anerkannt werden.

Der Rang des Gerechtigkeitshabitus ist insoweit hoch, dass der Prophet (Friede sei auf Ihn und seine Familie) besagte: „Eine Stunde Gerechtigkeit ist besser, als sechzig Jahre Gottesdienst.“ Deswegen wurden alle Propheten geschickt, damit die Menschen, die Gerechtigkeit an eigenem Leib spüren und erleben können. Genauso wie im Koran besagt wird: „ Oh ihr Gläubigen, steht für Gott immer in der Gerechtigkeit (und tut auch was dafür) und bezeugt euch für die Gerechtigkeit, jedoch sollte es nicht dazu führen, dass ihr wegen eurer feindlichen Gruppen, nicht mehr gerecht handelt. Seid gerecht, denn dadurch kommt ihr der Gottesfurcht näher und seid gottesfürchtig, denn wahrhaftig Gott weiß was ihr tut.“

Außerdem ist eine weitere Pflicht des Regierenden, dass sowohl sein Urteil, als auch sein Verhalten auf Gerechtigkeit basiert. Denn dadurch spiegelt sich, seine wahre Verwaltungsfähigkeit und Führungsbegabung wieder. Daher befielt Gott dem Propheten Dawud (Friede sei auf Ihn): „Oh Dawud, wir haben dich als Vertreter auf der Erde festgelegt, sodass du unter den Menschen, basierend auf Gerechtigkeit, richten sollst und folge nicht deinen inneren Gelüsten, sodass du vom Weg Gottes abgeleitet wirst, und es ist ersichtlich, dass diejenigen, die vom Weg Gottes abgeleitet sind, eine große Strafe erwartet, die Strafe dafür, dass sie das Jüngste Gericht in Vergessenheit gebracht haben.“


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