Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 182687
Datum der Veröffentlichung : 5/24/2016 2:02:27 PM
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Die Islamkunde 176, der Islam und ethische Rechte 21


Freitagsansprache von 29.04.2016

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im weiteren Verlauf unseres Themas der ethischen Rechte, weist Imam Sajjad (Friede sei auf Ihm) auf ein weiteres moralisches und pädagogisches Thema hin, nämlich das „Recht des Lehrlings“. Zunächst ist erstmals wichtig zu wissen, dass im Islam viel Wert auf das Erwerben des Wissens und der Bildung gelegt wird, sodass der Mensch sich von Unwissenheit und Mangel an Wissen im Alltag lösen kann. Denn man bemerkt im Laufe der Zeitgeschichte, dass im Prinzip die Unwissenheit der Menschen und die Ausnutzung der Machtherrscher der damaligen Zeit, der Grund dafür war, dass das Volk dieses ganze Unheil und Elend im Alltag sehen musste. Genau diese Unwissenheit brachte es dazu, dass sich die Menschen vom wahren und richtigen Weg abgeschnitten haben, daher sollte man sich stets weiterbilden und immer bestrebt sein, sich Wissen anzueignen, damit sich jeder Mensch auf seiner eigenen Weise richtig erkennt, was er im Leben zu tun hat und welche Verpflichtungen er diesbezüglich besitzt.

Das Recht des Schüler und des Studenten
Im Laufe der Schuljahre gibt es einige Sittenbestimmungen, welche generell sehr notwendig sind zu erklären. Hierbei beschreibt Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) das Recht des Lehrlings folgendermaßen: „Nun das Recht des Lehrlings und des Schülers, auf welches der Lehrer achten muss, ist, dass man wissen muss, dass Gott den Lehrer, aufgrund seines Wissen und Bildung,  als Wegweiser und „Führer“ bestimmt hat, und dementsprechend liegt der Schlüssel zur „Schatztruhe der Kenntnis und des Wissens“ in seiner Hand. So sei zu denjenigen die „unwissend“ sind immer barmherzig und freundlich und belehre sie, von dem Wissen, welches du von Gott erhalten hast, stets mit Milde und Herzlichkeit, und weise sie stets mit Geduld und Nachsicht; und sehe als dein Hauptziel immer das „Erretten“ der Gesellschaft vor Unwissenheit und Mangel an Wissen; stifte immer deine wissensreiche „Schatztruhe“, welche Gott dir in die Hand gelegt hat an andere; dieser rechtgeleitete Lehrer und Wissender handelt sozusagen als „Wegweiser und Führer“ und zählt als Diener der humanitären Gesellschaft, in Glaubensstärke und Spiritualität. Wenn er jedoch nicht von seinem Wissen an andere Menschen stiftet, ist er ein Verräter und zählt als Unterdrücker von Gottes Geschöpfen.“

Zur Erläuterung dieser Verse muss man erst beachten, dass der Lehrer eine lebensnotwenige Rolle im Leben des Schülers spielt, und somit deren Alltagsleben sehr einfach und simpel ändern kann.  Daher sollte der Lehrer schrittweise, die Sitten- und Moralbestimmungen, dem Schüler aneignen. Außerdem sollte er auch, die hohe und wichtige Stellung des Wissen und der Wissenschaft dem Schüler aufzeigen und erläutern, und all das, was er als Lehrer- und Vorbildfigur selbst als Gut empfindet, stets seinem Schüler auch weitergeben. Des Weiteren soll seine Erziehung insoweit Nutzen ziehen, sodass sich sein Schüler im Endeffekt, von Tugenden anziehen lässt und von negativen Dingen entfernt. Man sollte sich als Lehrer niemals erkennen lassen, dass man als wissender Mensch, wegen der hohen Bildung, hochnäsig und eingebildet ist, denn man erhält als Lehrer durch solche Eigenschaften, sehr negative Einflüsse bei den Schülern, denn die Rolle eines Lehrers spielt, aufgrund seiner erzieherischen Leitung, eher als Vaterfigur. Das liegt daran, dass es bestimmte Verpflichtungen bei dem Schüler gibt, welche auch ein Kind bei seinem Vater in sich trägt, wie zum Beispiel immer fürsorglich zu sein, ihn bei Krankheiten zu besuchen, und ihn immer bei Problemen, unter den Armen zu greifen.

Wenn sich ein Lehrer von moralischen Untugenden entfernt,…
Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) stellt die Wichtigkeit der Lehrerstellung insofern dar, da durch Gottes Gnade und Segen, der Lehrer sich das Wissen und die Bildung angeeignet hat und erlernt hat, denn keiner ist von Natur aus „als Meister vom Himmel gefallen“, sondern diese Talente sind prinzipiell Gottes Geschenke für den Menschen, sodass er eigentlich nur durch Gott, so eine Stellung erarbeitet hat. Solch ein Blickwinkel führt dazu, dass sich niemals der Lehrer einen gewissen Hochmut (im Wissen) aneignet oder sich vor seinen Schülern hochmütig zeigt. Ein spiritueller und gläubiger Lehrer ist in Wirklichkeit ein Schatzmeister der Anderen und daher sollt er beim Verteilen dieser, ständig freundlich und gütig sein und niemals bei Weiterlehren geizig (denn dieses Weiterbilden ist die Zakat des Wissens) handeln. Eher sollte man die Dinge, welche man erlernt hat, in bester Weise weitergeben. Der Lehrer muss außerdem noch erkennen, dass er generell beim Unterrichten, niemals was von sich selbst verliert, sondern eher, durch seine lehrreichen Bemühungen und wahrhaftigen Hingabe, mehr gewinnt, als verliert. Des Weiteren sollte er wissen, dass wenn er seine Verpflichtung nicht einhält oder bei diesen zu kurz kommt, er als Verräter gezählt wird, da er das „Recht des Weiterbildens nach dem Aneignen“ nicht eingehalten hat und zur besten Art und Weise nicht vertreten hat.

Das Lehren: Ein Erbe der Propheten Gottes
Der Lehrer sollte beim Unterrichten, geeignete und angepasste Methoden, bezüglich seiner Aufgabe als Lehrer, anwenden, sodass man seine Einflüsse und  Ergebnisse in der Gesellschaft sehen kann. Deswegen muss er wissen, dass er selbst eine hohe und wichtige Stellung besitzt, denn dadurch kann er hiermit, das Amt als „Erbe der Propheten“ antreten. Deshalb beinhaltet er hohe Erwartungen von den anderen Mitmenschen, wie zum Beispiel das Befolgen seiner Weisheiten und sich verpflichtet zu fühlen, an diese festzuhalten, denn Gott spricht im heiligen Koran hierbei wie folgt: „ Wie gebt ihr den anderen Menschen Befolge zum Guten und selbst habt diese vergessen (einzuhalten)?.“[1] Außerdem muss der Lehrer immer und zu jeder Zeit, mit Herz und Verstand Bereitschaft zeigen, und generell beim Unterrichten niemals zu kurz kommen, genauso wie Imam Baghir (Friede sei auf Ihn) besagt: „ Die Zakat vom Wissen ist das Lehren der Diener Gottes.“[2]

Die Rolle des Lehrers im Lehren und Erziehen
Der Lehrer sollte mit seiner lehrreichen und pädagogischen Rolle und achtungsvollen Sittenverhältnisse, die Klasse betreten und immer die Motivation innehaben, sich mit den Schülern in Verbindung zu setzten, und beim Antworten der Schülerfragen, eine fröhliche und harmonische Stimmung und Einklang in der Klasse beibehalten. Generell ist die erzieherische und die lehrreiche Rolle eines Lehrers insoweit wichtig, da die Lehrer in Prinzip sowohl die Gesellschaft, vor Unwissenheit und Mangel an Wissen, retten können, als auch ihnen Sicherheit, Ruhe, Vernunft und Spiritualität spenden. Eine Gemeinschaft, welche auf Wissen und Bildung beruht, wird sich stets in allen Lebenslagen bemühen, anhand wissensreichen und vernünftigen Methoden, sich weiterzuentwickeln und somit den besten Weg  für die Mitmenschen einzuschlagen und auszuwählen. Daher gehören in der Geschichte, die Wissenschaftler und Weisen, meistens zu den einflussreichsten Menschen in der Gesellschaft, und besaßen daher eine wirkungsvolle Rolle, in Verständnis und Aufschluss in der Gesellschaft (und deren Gesetze dazu).

Zusammenfassend ist allgemein zu sagen, dass einer der Besonderheiten einer wünschenswerten Gesellschaft, die Entwicklung und Weiterbildung von Wissen und Erkenntnis, in der Gesellschaft ist.

 

 



[1] Sura Al-Baghara, Vers 44.

[2] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, al-Kafi, Band 1, Seite 41, Hadith 3, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr).


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