Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 182972
Datum der Veröffentlichung : 7/23/2016 9:54:00 AM
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Die Islamkunde 183, der Islam und ethische Rechte 28


Freitagsansprache von 01.07.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.
Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ein weiteres Recht, auf welches sich Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) in seinem „Risala al-Hughugh“ deutlich stützt ist das „Recht des Gefährten“. Bei einem Gefährten nimmt man eine Person an, mit der man sich anfreundet und in Verbindung setzt oder sogar auch viel Zeit zusammen verbringt. Wenn man es aus dem sozialphilosophischen Bereich betrachtet will, kann man sagen, dass der Mensch von Natur aus, ein geselliges Geschöpf ist und mit unterschiedlichen Persönlichkeiten Kontakt aufnimmt. Wodurch im Endeffekt viele von denen, seine Gefährten und sogar auch seine Lebenskameraden werden können. Diese Lebensweise zählt zu der typischen und natürlichen Art des Menschen, der im Laufe der Zeit oft durch diese Lebensgefährten beeinflusst werden kann. Dieser Einfluss bringt es soweit, sodass sich Gedanken, Verhalten und Handeln von ihm prägen lassen. Manchmal ergibt sich durch solch eine Bindung, die Erkenntnis der wahren Persönlichkeit eines Menschen, welche durch die Charaktereigenschaften seiner Freunde und Gefährten festgestellt werden kann. Von daher erreicht diese Beziehung ein Stadium, für welches der „Gefährte“ ein eigenes Recht erlangt. Aufgrund dieser Tatsachen ist es wichtig, dass wir uns mit diesem Gesetz auseinandersetzen. Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) beschreibt dieses Gesetz wie folgt: „Und nun das Gesetz des Gefährten wird folgendermaßen beschrieben: Du sollt mit ihm sanft und gutmütig umgehen und stets sein Wohlwollen annehmen und willkommen heißen. Bei Diskussionen mit ihm gerecht und fair zu sein und niemals eine Auge von ihm wegzulassen. Bei deinen Reden immer das Ziel zu haben, ihm es verständlich zu machen. Wenn du allerdings es als Erstes dazu gebracht hast, mit ihm zu verweilen und Gefährte zu werden, so ist es dir selbst berechtigt, ohne Erlaubnis vor ihm aufzustehen. Falls er jedoch der Erste war der es dazu gebracht hat mit dir zu verweilen, so ist die Berechtigung bei ihm. Stehe nie auf, wenn du nicht von ihm die Erlaubnis dazu erhalten hast, und es gibt keine Kraft außer durch den Willen Gottes! (Hierbei möchte man bei dieser Anspruchserteilung, die Respektierung und Ehrung desjenigen zum Ausdruck bringen, welcher sich die Mühe dazu gemacht hat, mit jemanden zu verweilen und Kamerad zu werden!)“ [1]

Die Auswirkungen bei Befolgung des „Gefährtenrechts“

Allgemein fordert der Islam oft zu den moralischen Gesetzen auf, die einen Bezug auf die Einhaltung der Sitten- und Moralverhältnisse des Gefährten haben. Der Grund dafür ist, dass es sehr begrüßt wird, diese zu befolgen. Des Weiteren entstehen dadurch positive Auswirkungen zwischen den zwei Gefährten, wie zum Beispiel gesteigerte Lebenslust und Herzlichkeit. Außerdem ist es sehr wichtig, den Gefährten zu bewahren und innezuhalten, sogar auch wenn dieser Fehler besitzt. Denn in der heutigen Welt voller Verlockungen, gibt es immer jemanden der Fehler und Macken aufweist, woran wir dafür ständig sorgen sollten, diese zu beseitigen. Daher besagt Imam Sajjad (Friede sei auf ihn) in einer anderen Überlieferung: „Übersehe seine Fehler und gedenke an seine Tugenden und guten Taten und rede ihm generell nur Gutes zu.“[2]

 

Die Ernennungsvorschriften eines Gefährten und guten Freundes aus islamischer Sicht

Es ist unumgänglich, dass man sich in einem gemeinschaftlichen Leben für die Einhaltung und Umsetzung seiner eigenen Lebensziele ständig einsetzen muss, auch wenn man mit unterschiedlichen Menschen in Verbindung ist. Daher sollten man über Freunde und Gefährte verfügen, die sich mit diesen ausschlaggebenden Zielen eines Menschen, hilfreich zeigen. Falls ein Freund nicht diese Mithilfe zuteilwerden lässt und nicht als Beistand für die Verwirklichung der Lebensziele agiert, wir es ersichtlich sein, dass er jemanden mehr Schaden zufügen wird und eher Nachteile als Vorteile besitzt. Natürlich ist es auch einsehbar, dass man sich generell ohne Freunde im Leben, von vielen Vorzügen abwendet. Daher überliefert in dieser Thematik Imam Ali (Friede sei auf ihn) folgende Aussage: „Derjenige, der seinen reinen und wegen Gottes Zufriedenheit gebundenen Freund aus der Hand gibt, wird gleichgestellt mit dem Verlust seines würdigsten Körperteils.“[3] Demzufolge sollten sich die Menschen immerwährend bemühen Freundschaften zu schließen. Es gibt jedoch ein paar Kriterien und Vorschriften, wonach man sich Art und Weise der Freundschaftsschließung aneignen kann:

1.       Den Menschen, den man sich als Freund auswählt, öfters unter die Probe zu stellen.

2.       Im Weiteren versuchen, dem Freund mit Zorn und Wut gegenüberzutreten, um danach seine Reaktion darauf zu beobachten. Wenn er positiv reagiert und nicht schlecht und boshaft antwortet, so kannst du ihn als einen guter Freund und Gefährte auswählen. Imam Sadigh (Friede sei auf ihn) besagt hierzu: „Wenn jemand wegen dir drei Mal zornig geworden ist, und danach nicht schlecht über dich redet, ist es würdig dein Gefährte zu sein, so wähle ihn als deinen Freund aus!“[4]

Deswegen sollte man auf die Freunde Wert legen, die für eine seelische Vervollkommnung nützlich sein können. Denn die Imame (Friede sei auf Ihnen) appellierte in deren Überlieferungen, sich mit den Menschen anzufreunden, welche auf Religion, Religiosität, Erkenntnis, Weisheit, Wissen und Frömmigkeit Beachtung schenken. Bekanntlich werden dadurch natürlich auch viele unterschiedliche Gefahren und Bedrohungen vermieden und verhindert. Wenn man angenommen sich jedoch mit jemand befreundet, der eher heimtückisch, betrügerisch, heuchlerisch, mies und skeptisch ist, wird zweifelsohne fatale Auswirkungen daraus ziehen. Denn dadurch wird es dazu veranlasst, negative Einflüsse in Gedanken, Weltanschauung, Verhalten und Benehmen eindringen zu lassen. Folglich wird daher in den Überlieferungen auf das Verkehren mit einer bestimmten Art von Personen und Gefährten nahegelegt und von anderen wiederum gewarnt und abgeraten. Diesbezüglich gibt hier es eine Überlieferung von Imam Baghir (Friede sei auf ihn), welche auf Imam Ali (Friede sei auf ihn) zurückgeht: „Das Verkehren mit Personen, die gefährlich und bösartig sind, führt dazu, dass du zu den guten Menschen, negativ gestimmt bist. Das Verkehren mit wohlwollenden Menschen führt jedoch dazu, dass die bösartigen Menschen zu Guten werden. Das Verkehren der wohlwollenden Menschen mit Sündiger, führt dazu, dass die wohlwollenden Menschen zu Bösartigen werden. Falls jemand für dich undurchschaubar ist (auch religiös gesehen), sollst du auf seine Freunde und Gefährten achten. Wenn diese religiös sind, so ist diese Person es auch. Aber wenn seine Gefährten und Freunde nicht religiös sind, so kannst du von ihm nicht gläubiges erwarten. Denn der Prophet Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie) besagte: „Derjenige der an Gott und an sein Jüngstes Gericht glaubt, sollte nicht in Bruderschaft mit einem Ungläubigen treten. Er soll auch nicht mit Sündiger Umgang haben. Denn diejenigen, die mit Ungläubigen und Sündiger verkehren, werden am Ende selbst ungläubig und sündig.“[5]

Die Auswirkungen des Umgangs mit guten Menschen

Das wichtigste ist, dass man als Mensch sich die Freunde raussucht, die zur Rechtleitung und seelischen Vervollkommnung verhelfen. Aus diesem Grund belehrt die Ahlulbait (Friede sei auf Ihnen), dass Ihr Menschen mit frommen Gläubigen verkehren sollt, damit euer Glauben gestärkt und besiegelt wird. Die besten von Ihnen sind daher die Gelehrten und Wissenschaftler, die eine besondere Rolle in der Rechtleitung der Menschen spielen. In der genauen und umfassenden Überlieferung des Propheten Muhammad (Friede sei auf ihn und seine Familie)  wird diese wichtige Rolle wie folgt beschrieben: „Verkehre nicht mit jedem Gelehrten und Wissenschaftler, sondern habe Umgang zu denen, die dich zu fünf Dinge einladen: 1. Diejenigen, die euch von Zweifel und Skepsis herausbringen und dich zu Gewissheit und Glaube einladen. 2. Diejenigen, die euch vom Egoismus abraten und zur Aufrichtigkeit (Im Handeln und der Tat) aufrufen und umändern. 4. Diejenigen, die euch vom der Zuneigung und Sympathie des Diesseits zur Antipathie dieser und Frömmigkeit umwandeln. 4. Diejenigen, die euch von Arroganz und Überheblichkeit zur Bescheidenheit und Demut umformen. 5. Diejenigen, die von Feindseligkeiten und Rachegelüsten zur Herzlichkeit, Freundlichkeit und Freude ermuntern und inspirieren.“[6]



[1] Ibn Shaba Harani, Hassan ibn Ali, Tuhaf al-Ughul, Seite 266, Qom, Jamee Mudarresin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[2] Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, Man la yadhuruh al-Faghih, Band 2, Seite 623, Hadith 3214, Qom, Daftare Entesharate Eslami, Zweite Auflage, Jahr 1413 (Mondjahr).

[3] Tamimi Amadi, Abd al-Wahid ibn Muhammad, Ghurar al-Hikam wa Durar al-Kalam, Seite 669, Hadith 1574, Qom, Dar al-Kitab al-Islamiyy, Zweite Auflage, Jahr 1410 (Mondjahr).

[4] Al-yaghubiyy, ibn Wadhih, Tarikh al-Yaghubiyy, Band 2, Seite 383, Beirut, Dar Sadir, ohne Datum; und ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, al-Amali li al-Sadough, Seite 669, nach dem Hadith 7, Teheran, Ketabtschi, Sechste Auflage, Jahr 1376 (Sonnenjahr).

[5] Ibn Babiwai, Muhammad ibn Ali, Sifat al-Shia, Seite 6, Teheran, Alami, Erste Auflage, Jahr 1362 (Sonnenjahr).

[6] Mufid, Muhammad ibn Muhammad, Al-Ikhtisas, Seite 335, Qom, Al-Mutamar al-Alamiyy li alfiya al-Sheikh al-Mufid, Erste Auflage, Jahr 1413 (Mondjahr).



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