Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 183603
Datum der Veröffentlichung : 9/30/2016 10:59:00 AM
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Bericht zur Trauerveranstaltung anlässlich der Märtyrer der Tragödie in Mina im islamischen Zentrum Hamburg

Zeitgleich mit dem Todestag des Martyriums von Imam Mohammad Baqir (Friede sei mit ihm) und der blutigen Tragödie in Mekka und Mina, welche über 8000 Pilgern das Leben kostete, wurde eine Trauerveranstaltung am Donnerstag, den 8. September, im islamischen Zentrum Hamburg durchgeführt.

Diese Veranstaltung, in der Muslime verschiedenster Länder teilnahmen, beinhaltete das Verlesen des Bittgebetes von Komeil, Trauergesang, Verrichten des Gemeinschaftsgebetes, Koran Rezitation, das Ausstrahlen eines Clips über die Tragödie von Mina und dem Vortrag von Ayatollah Ramezani.

In dieser Veranstaltung verkündete Ayatollah Ramezani, der Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburgs, sowohl sein Beileid aufgrund des Martyriums von Imam Mohammad Baqir (Friede sei mit Ihm) als auch seinen Dank aufgrund der leidenschaftlichen und zahlreichen Teilnahmen der Muslime an dieser Veranstaltung. In seinem Vortrag erwähnte er, dass eins der wichtigsten Sorgen von Imam Baqir (Friede sei mit Ihm) das richtige Vorstellen der Religion an die Gesellschaft mittels Wissen und Kenntnis war. Außerdem fügte er hinzu: „Eine weitere Sorge von Imam Baqir (Friede sei mit Ihm) war, dass der Fortschritt und die Bewegung der gesamten islamischen Gesellschaft auf Wissen und Kenntnis basieren muss, denn ansonsten würde die Menschheit irregehen. Wenn die Religion richtig erkannt wird, wird dies positive und formende Auswirkungen in den verschiedensten Bereichen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft haben. Genau aus diesem Grund sagt Imam Mohammad Baqir (Friede sei mit Ihm): „Die Vollkommenheit, sogar die gesamte menschliche Vollkommenheit ist in drei Sachen: Die Weisheit in der Religion und der göttlichen Gebote, geduldig sein in Situationen der Trauer und der Not und das richtige Einplanen für den Lebensunterhalt.“ Daher muss eine Gesellschaft, wenn sie die Vollkommenheit erreichen will, in Bezug auf die verschiedensten Bereiche ein sehr tiefgründiges und genaues Wissen haben, gegenüber den Problemen und Erschwernissen Geduld und Ausdauer aufweisen und für die persönlichen weltlichen Angelegenheiten einen richtigen Plan und Struktur haben.

Imam Baqir (Friede sei mit Ihm) erwähnt in einer anderen Überlieferung: „Derjenige, der ohne Wissen und Information über religiöse Angelegenheiten Rechtsurteile oder Lehren und Theorien gibt, sowohl die Engel der Barmherzigkeit als auch die Engel der Bestrafung verfluchen und verdammen ihn, zumal wird ihm die Sünde derjenigen aufgeschrieben, die aufgrund seiner Meinung bzw. Rechtsurteils gehandelt haben.“ Und in einer anderen Überlieferung heißt es von diesem ehrenvollen Imam (Friede sei mit Ihm): „Wahrlich der Gläubige ist der Bruder des Gläubigen, deshalb darf er nicht ihn beschimpfen, über ihn schlecht reden, ihm die guten Sachen vorenthalten und misstrauisch ihm gegenüber sein.“

Der Leiter der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten (IEUS) erwähnte in einem anderen Teil seines Vortrags, die blutige Katastrophe von Mina und der Mord von ca. 8000 Pilgern während der Haddsch letzten Jahres 2015. Dies war die Konsequenz der mangelhaften Leitung seitens der Familie Saud. Des Weiteren sagte Er: „In der heutigen Zeit, hat die Menschheit mit einer großen Plage Namens Wahabismus zu kämpfen. Eine Sekte, die basierend auf einer falschen Ansicht und leider im Namen der Religion gegründet wurde und vom Imperialismus unterstützt und geleitet wird. Dem Anschein nach befinden wir uns in der Zeit der Aufklärung. Die Gesellschaft muss nach Wissen, Kenntnis und das richtige Verstehen der Religion streben, wenn sie reifen will. Die Wahrheit muss gesagt werden damit die Unwissenden aufwachen und sich nicht von einigen Wörtern und Reden täuschen lassen.“

„Über die Anhänger dieser Sekte sollte erwähnt werden, dass sie Anhänger eines Mannes Namens Mohammad ibn Abd al-Wahhab sind. Er selbst war Anhänger von der Denkschule von Ibn Taymiya und sein Schüler war Ibn Qaiyim al-Dschauziya, der neue Ansichten in Arabien gründete. Die Wurzeln der Denkweise der Wahabiten sind die Gedanken und Überlegungen Ibn Taymiyas der ungefähr im Jahre 1298 n.Chr. angefangen hat sein Gedankengut im damaligen Großsyrien (Sham) zu verbreiten, woraufhin schiitische als auch sunnitische Gelehrte sich klar gegen ihn stellten und sich ihm widersetzen.

Die wichtigsten Aspekte, welche die islamischen Gelehrten an Ibn Taymiya kritisierten waren: 1. Er ist der Meinung, Gott hätte einen Körper. 2. Dem Wesen Gottes gibt er eine Räumlichkeit, wie es bei Lebewesen ist. 3. Er vergleicht den Schöpfer mit den anderen Geschöpfen. 4. Die spirituelle Größe des Propheten nach seinem Tode leugnet er. 5. Die Audienz (Ziarat) und die Fürsprache (Schifaat) des Propheten, der Nahestehenden Gottes und der Tugendhaften verleugnet er ebenfalls. 6. Die Gefährten des Propheten beleidigte er. 7. Am allerwichtigsten ist, dass er alle Muslime die gegen seine Denkweise waren, als Ungläubige abstempelte.

Mit dem Ableben Ibn Taymiyas im Jahre 1328 n.Chr. in Damaskus, gerieten seine Gedanken, wie er, in Vergessenheit. Doch nach ungefähr 400 Jahren hat Mohammad ibn Wahhab im Gebiet Nadschd (Saudi-Arabien) unter Absprache mit Mohammad ibn Saud, Herrscher des Ortes Diriyya, nochmals die Lehren Ibn Taymiyas belebt und verbreitet. Nun ist der Wahabismus in Saudi-Arabien die Haupt- und Staatsreligion. Die Rechtsurteile der wahabitischen Gelehrten werden vom saudi-arabischen Staat umgesetzt. Einige der Ansichten dieser Sekte sind folgende: 1. Das Glauben an die spirituelle und verborgene Kraft außer für Gott ist Götzendienst (Shirk). 2. Bittgebete sprechen und Mittlungsstreben (Tawassol) ist eine Art Anbetung, die nicht für Gott ist und daher auch Götzendienst ist. 3. Auch das Besuchen der Gräber ist Götzendienst. 4. Segnung suchen (Tabarrok) bei den Hinterlassenschaften der Propheten, den Nahestehenden Gottes und den Tugendhaften ist ebenfalls Götzendienst. 5. Das Feiern des Geburtstages des Propheten (Friede sei mit Ihm und seiner Familie) ist Götzendienst. 6. Das Errichten einer Kuppel über einem Grab ist ebenfalls Götzendienst. 

Um diese Ansichten zu widerlegen kann gesagt werden, dass wenn der Glaube an die Verbogene Macht, Fürsprache, das Erfüllen der Wünsche usw. auf eine Art und Weise ist, das all das zurückkehrt zu Gott, dem Erhabenen, und von Ihm aus entspringt und alle anderen die solche Kräfte besitzen es ebenfalls von Gott, dem Erhabenen, haben, dann ist dies kein Polytheismus (Shirk). Ansonsten hätten alle Lebewesen außer Gott keinerlei Freiheiten. Ferner realisiert sich Polytheismus erst dann, wenn man etwas oder jemand anderem als Gott, dem Erhabenen, die Eigenschaften von Vollkommenheit, Herrlichkeit und Großartigkeit, unabhängig von Gott, zuschreibt. Oder das dieser erschaffen kann oder auf eine selbstständige Art planen kann. Aber wenn man die Kraft für all dies als eine abhängige Kraft von Gott aus sieht, dann hat Polytheismus keine Relevanz mehr.


Der Imam und Leiter des islamischen Zentrum Hamburg erwähnte in einem weiteren Abschnitt seiner Rede einige der unzähligen Verbrechen und verheerende Gräueltaten, welche von dieser Irregegangenen Sekte, mit der Unterstützung Saudi-Arabiens, hervorgegangen ist. Außerdem sprach er über die fehlende Kompetenz der Familie Saud für das Verwalten einer solch wichtigen göttlichen Weisung wie die der Haddsch. Er fügte hinzu: „Im Monat Dhul-Qada (11.Monat des islamischen Kalenders) des Jahres 1801 n.CHr (1216 nach der Hidschra) haben die Anhänger dieser Sekte nicht nur die Heilige Stadt Karbela (Irak) angegriffen und die heiligen Orte zerstört, sondern auch die Bewohner auf offener Straße, in den Märkten und sogar in ihren Häusern getötet und haben sich daraufhin mit einer reichlichen Beute aus der Stadt davon gemacht. Zudem haben sie auch die Stadt Ta’if (Saudi-Arabien) angegriffen und unzählige getötet. Zumal diese Barbaren in Medina die Weihestätten der reinen Imame (Friede sei mit Ihnen) und anderen großen Persönlichkeiten zerstört haben und die Heiligtümer anderer Glaubensrichtungen beleidigt und geschmäht haben. Heutzutage wissen alle, dass die üble Familie Saud, der wichtigste Förderer und Unterstützer dieser gefährlichen Ideologie ist.“

„Sie haben gesehen, dass diejenigen die eigentlich die Rolle der Diener bzw. Bediensteten der Gäste Gottes spielen sollten, wie extrem respektlos und entwürdigend sie mit den Besuchern vom Haus Gottes umgegangen sind. Diejenigen, die heute Mekka moderieren, verursachen bei den Besuchern des Haus Gottes Angst und Schrecken. Ein heiliger Ort, der ein Ort der Sicherheit sein muss, wie es der Koran ganz klar darlegt, ein Ort der Spiritualität, der Ruhe und des Friedens.“

Des Weiteren sind die Ideologen und Denker der Familie Saud, welche allesamt Wahhabiten sind, vehement und massiv gegen die interreligiöse Annäherung, wobei dies jedoch ein friedliches Leben aller Menschen nebeneinander herbeiführen würde, doch sie sehen dies als ein Verstoß gegen den Islam und dem Koran. Zumal sie sogar die Annäherung zwischen den Glaubensrichtungen innerhalb des Islams ebenfalls ablehnen. So ist es schon so weit gekommen, dass sie das Vermählen mit den Anhängern der Ahlul Bait (Friede sei mit Ihnen) und das Verzehren der Schlachttiere die von den Schiiten sind, als verboten ansehen. Leider sehen diese Tyrannen der heutigen Zeit das kooperieren mit den Unterdrückern der Welt als legitim und sprechen dazu auch Rechtsurteile aus.

Sie haben die Ansichten der Abtrünnigen (Chawaridsch) und geben Rechtsurteile das jeder, der eine schwere Sünde (bzw. große Sünde) begeht ein Ungläubiger ist. Wobei keine einzige ursprüngliche Glaubensrichtung des Islam, sei es von den Schiiten oder den Sunniten, dies akzeptiert. Sie sind der Ansicht, dass wenn einige Leute an einem Ort eine Sünde begehen, wird dieser Ort zum Ort des Krieges. Dieser Ort hat dann nichts mehr mit den Muslimen zu tun und das Töten der Bewohner dieses Ort ist dann erlaubt. Solche Ansichten sind weder mit dem Koran noch mit den Überlieferungen in keiner Weise vereinbar.

Heutzutage hat die verbrecherische Familie Saud die Leitung über die sicherere Weihstätte, das Haus Gottes, auf den Schultern. Die UNO hat Orte wie den Vatikan und Jerusalem als heilige Orte aufgezählt jedoch gibt es für die wichtigste Stadt der Muslime, nämlich Mekka, welche 1,7 Milliarden Menschen als heilig ansehen noch keinen gleichartigen Erlass.

Ohne Zweifel betrifft das Moderieren der Haddsch und der Zwei edelwürdigen Weihestätten, Mekka und Medina, allen Muslimen zu. Dieses Jahr hat die Familie Saud die abrahamitische Haddsch, welches für alle Muslime eine religiöse und individuelle Pflicht ist, für viele Muslime als Verboten erklärt und sich somit zu den „Hinderern vom Wege Gottes“ gemacht. Das Ereignis, welches sich im letzten Jahr abspielte, zog ca. 8000 Tote mit sich, welche wehrlos und mit einem enormen Brand starben, aufgrund der mangelhaften Leitung seitens der Familie Saud. Ohne Zweifel haben sie die Besucher und die Gäste Gottes missachtet, lieblos und unfreundlich behandelt, aus allerlei Hinsicht. Sei es völkerrechtlich, gesetzlich oder religiös rechtlich. Zumal sie auch das Ausländerrecht der Pilger durch ihr Fehlverhalten missachtet haben.

Unser Appell lautet daher, wenn die Familie Saud nicht Fähigkeit und Kompetenz besitzen die Gäste Gottes zu moderieren, müssen sie diese Aufgabe anderen Ländern anvertrauen.  Wie es ist möglich das binnen kürzester Zeit 8000 Menschen sterben, die vorbereiteten Kameras alles aufnehmen, die Verantwortlichen alles auf den Monitoren sehen aber keine Hilfe herbei kommt. Diese Leute müssen sich vor internationalen Gerichten für ihre Taten verantworten. Wieso wird es nicht erlaubt ein Komitee zu gründen die nach der Wahrheit hinter diesen Ereignissen sucht. Darüber hinaus muss den Angehörigen der Märtyrer aus völkerrechtlicher Sicht eine Entschädigungszahlung (Diya) ausgezahlt werden. Die fahrlässigen und achtlosen saudi-arabischen Leiter haben vielen Ländern, welche in diesem Ereignis Tote gegeben haben, ihre Münder mit Geld gestopft damit sie nichts mehr über das Ereignis erwähnen. Diese unüberlegte und fahrlässige Leitung hatte nicht einmal die Fertigkeit und Fähigkeit dazu den Besuchern Wasser auszuhändigen und haben sogar die normalen Ausstattungen und Möglichkeiten nicht genutzt um diese Krise zu bewältigen.

Wir sind der Überzeugung, dass die Verantwortlichen dieses Ereignisses keinerlei Gesinnung und Glauben an die Menschenwürde haben. Es bleibt allerdings diese Frage weiterhin offen, nämlich warum sich diejenigen die beanspruchen für die Menschenrechte einzustehen, gegenüber so viel Respektlosigkeit, Würdelosigkeit und Inkompetenz weiterhin stillschweigen und nicht einmal eine einfache Stellungnahme dazu nehmen und diese Tat nicht verurteilen?

Zweifelslos war diese menschliche Katastrophe, die sich in Mina abgespielt hat, gegen jeglichen unbestreitbaren Grundsatz der Menschenrechte. Wir erwarten und verlangen von der UNO und von den Internationalen Gemeinschaften, dass sie auf eine ernste und seriöse Art und Weise diesem unbestreitbaren Verbrechen, welches sich angereiht hat in die Liste der Verbrechen Saudi-Arabiens, hintergehen, recherchieren und die Verantwortlichen dieser Tat zur Rechenschaft ziehen. Wenn die Oberhäupter der Familie Saud nicht die Fähigkeit dazu besitzen diese große Veranstaltung des Haddsch zu moderieren dann soll die Moderation bzw. Leitung der Haddsch mit ihren heiligen und abrahamitschen Handlungen anderen islamischen Ländern übergeben werden, damit das Leben der Gäste Gottes und den Besuchern vom Hause Gottes in Sicherheit ist.

Bemerkenswert ist des Weiteren das diese Veranstaltung auch in den islamischen Zentren in Berlin, Frankfurt, München und in anderen europäischen Städten zu ehren der Opfer dieser Katastrophe stattgefunden hat.

Außerdem gab es eine Fotoausstellung bezüglich der Opfer vor dem Vortragsraum.



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