Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 186662
Datum der Veröffentlichung : 4/14/2017 2:36:15 PM
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Die religiöse Lebensweise (7)

Freitagsansprache von 17.03.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Obwohl das wahre Leben und die wahre Existenz der Menschen erst mit der Religion verwirklicht werden kann, gibt es trotzdem Menschen, die heute sich dieser Tatsache entgegenstellen, sie nicht akzeptieren, und glauben, dass man auch ohne Religion ein erfülltes Leben haben kann, also in keiner Lebenslage man die Religion braucht. Wenn man sich aber unvoreingenommen und ganz genau – logisch und mit Begründung – der Sache nähert, wird man die Notwendigkeit der Religion im Leben feststellen.

Der Bedarf der Menschheit an Religion

Eine Sache, die den Bedarf der Menschheit an Religion verdeutlicht, ist der Bedarf an klare Gesetze im Leben. Ein klares und umfangreiches Gesetz für die Menschheit hat zwei Voraussetzungen: 1- Der Gesetzgeber muss Menschenkenner sein und alle seine Bedürfnisse und Forderungen kennen, 2- Nicht an den eigenen Vorteil denken, sondern das Gesetz dafür aufstelle, damit der Mensch seine wahre Stellung, wofür er erschaffen wurde, erreicht.

Da das Dasein gezielt erschaffen wurde und der Mensch in diesem bedeutsamen System eine besondere Stellung besitzt, benötigt es ein Gesetz, das alle Dimensionen der Existenz des Menschen in Betracht zieht, und alle Rechte deckt.

Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass, da in der Wahrheit der Religion und deren Lehren eine konstruktive Rolle steckt, seine Unverzichtbarkeit im Leben der Menschen umso deutlicher wird. In Anbetracht der seelischen, intellektuellen und religiösen Krisen, die die immaterielle Existenz der Menschen herausfordern, ist es umso wichtiger, wenn man zu diesen Werten zurückkehrt, den der Glaube an die religiösen Lehren, wie: Glaube an Gott und das Leben nach dem Tod, machen den Menschen entschlossener, sie ihm übertragene Aufgabe zu erledigen. Dabei wird die Verantwortung der Menschen, die Probleme seiner Mitmenschen zu lösen, in optimaler Weise erledigt.

Glaube an und Vertrauen in die göttlichen Lehren, Ursache für Fortschritt und Vollkommenheit

Ein gläubiger Mensch agiert, aufgrund seines Glaubens daran, dass Gott ihm alles aus gutem Grund zur Verfügung gestellt hat, auch bezüglich seiner Triebe nach den religiösen Gepflogenheiten, damit auch seine Instinkte gepflegt und zur Vollkommenheit heranwachsen. Er ist der Ansicht, dass Gott selbst die Triebe aus einem Bedürfnis in die Natur des Menschen gepflanzt hat, und wenn es diesen Trieb nicht geben würde, so würde die Menschheit aussterben. Wenn der Mensch die Instinkte Wut und Ärger nicht hätte, würde er eine leichte Beute für die Raubtiere. Da ein gläubiger Mensch der Ansicht ist, dass er bei der Eigenerziehung die Befehle Gottes genauestens befolgen muss, sieht er in der Einschränkung der Triebe einen Schutz. Weiterhin betrachtet er das Ausgleichen aller seiner Kräfte mit derselben Ansichtsweise und gerät deshalb nicht in Extremismus, und kontrolliert sie.

Es liegt klar auf der Hand, dass, wenn die Triebe der Menschen nicht eingedämmt werden, es nicht nur viel Schaden anrichten kann, sondern auch zu Entscheidungen bei solchen Menschen führen, die in einer Gesellschaft zu Spannungen führen, und sogar Menschenleben bedrohen. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass machtgierige Personen nach Krieg, Mord und Blutvergießen streben, die Gesellschaft verunsichern und nichts als Brutalität hinterlassen.

Glaube an das Jenseits bei der richtigen Erziehung der Menschen

Damit der Mensch richtig erzogen wird, müssen menschliche Tugenden bewahrt und die Laster vermieden werden. Religiöse Lehren, wie Glaube an den Ursprung und an das Jenseits, führen dazu, dass der Mensch seine widerspenstigen Triebe kontrolliert und eindämmt. In diesem Zusammenhang sagt der Koran: „Und bei der Seele und ihrer Vollendung – Er gewährte ihr den Sinn für das, was für sie unrecht und was für sie recht ist. Wahrlich, wer sie lauterer werden lässt, der wird Erfolg haben Und wer sie in Verderbnis hinabsinken lässt, der wird zuschanden.“[1] Dieser Glaube und Sicherheit ist es, der dazu führt, dass der Mensch Bei Gott Schutz sucht und sich ihm hingibt, Genauso wie der Prophet Joseph und Zuleika, als Joseph bei der Begegnung mit der Sünde sagte: „Ich suche Zuflucht bei Allah. Er ist mein Herr. Er hat meinen Aufenthalt ehrenvoll gemacht.“[2] An einer anderen Stelle im Koran steht: „Nein! wüsstet ihr’s nur mit gewissem Wissen, Ihr müsstet die Hölle (schon in diesem Leben) sehen.“[3] Dieser Glaube bewirkt, dass der Mensch seine Widerspenstigkeit und Triebe eindämmt und sich rettet. Der Koranweist in der Sure al-Alaq: „Wahrlich, der Mensch ist widerspenstig. Weil er sich unabhängig wähnt.“[4] An einer anderen Stelle steht: „Dann, was den angeht, der trotzt, Und der das Leben hienieden vorzieht, Brennendes Feuer soll fürwahr (seine) Wohnstatt sein.“[5]

Daher ist so eine Ansichtsweise, dass die Furcht vor Gottes Urteil mit sich hat, ein Grund, sich in Acht zu nehmen. „Was aber den anlangt, der das Stehen vor seinem Herrn fürchtet und die eigne Seele von niederem Gelüst abhält, so wird der Garten sicherlich (seine) Wohnstatt sein.“[6] Außerdem wird man mehr auf seine Familie achtgeben. „rettet euch und die Euren vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind.“[7] Denn basierend auf die klaren Worte des Korans ist diese Qual speziell für die Ketzer „dann hütet euch vor dem Feuer, dessen Nahrung Menschen und Steine sind, bereitet für die Ungläubigen.“[8]

Auswirkungen der Frömmigkeit auf die Entwicklung der Seele

Wenn der Mensch den religiösen Lehren treu bleibt, und im Rahmen des Glaubens agiert, wird er auch die Auswirkung der Religion auf sein Handeln und Charakter bemerken. Die Religion wird nämlich die seelischen Krankheiten bekämpfen und von Unkraut der Triebe in der Seele befreien. Die Religion stärkt die Tugenden, wie: Enthaltsamkeit, Weisheit und Ehrlichkeit, und führt den Menschen auf den Weg der Vollkommenheit – also das Ziel der Schöpfung. Die Menschheit können auf dem Weg, den die Propheten vorgegeben haben, das Ziel erreichen. Er wird in dem Bereich des Monotheismus gelangen und all sein tun für die Zufriedenheit Gottes opfern. Gott sagt in diesem Zusammenhang im Koran: „ Sprich: Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.“[9]

Dadurch bekommt das Leben des Menschen eine himmlische Bedeutung. Seine Ansicht gegenüber dem, was er von sich gibt, wird mystisch und spirituell. Er wird niemals den Blick einer weinenden Mutter in seinem Leben erleben, und wir wissen alle, welche Folgen dies haben kann: Ruhe und irdische Glückseligkeit, die die Grundlage der Glückseligkeit im Jenseits bilden. Wenn man also vom irdischen Leben spricht, will man damit sagen, dass der Mensch die religiösen Überzeugungen seiner Existenz und seines Lebens definieren und bestimmen muss. Mit anderen Worten wird er, mit der tiefen Erkenntnis, die er mit Hilfe der Religion, von seiner hohen Stellung erfährt, den irdischen Himmel mit der bedachten Wahl seiner Lebensweise erleben.



[1][1] Asch-Schams, Vers 7 – 10

[2] Yusuf, Vers 23

[3] Al-Takasor, Vers 6 – 7

[4] Al-Alaq, Vers 6 – 7

[5] Al-Nazeat, Vers 37 – 39

[6] Al-Nazeat, Vers 40 – 41

[7] Al-Tahrim, Vers 6

[8] Al-Baqarah, Vers 24

[9] Al-Anam, Vers 162


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