Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188630
Datum der Veröffentlichung : 7/26/2017 11:46:00 AM
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Islamkunde 187 – Islam und moralische Rechte 32


Freitagsansprache von 12.08.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Der Mensch ist in seinem privaten und sozialen Leben mit verschiedenen Menschen in Kontakt, Und jeder von ihnen muss er auf einer ganz eigenen Weise behandeln. Imam Sadjad zählt in seinen Rechtslehren die meisten davon auf. Dabei weist er auf diesen Punkt hin, dass einige „Moasher“ (Gefährte) sind, das heist: Partner, Mitarbeiter, Mitschüler und Freund. Diese Leute haben uns gegenüber Rechte.

In diesem Zusammenhang sagt Imam Sadjad: „وَ أَمَّا حَقُّ الْخَلِيطِ فَأَنْ لَا تَغُرَّهُ وَ لَاتَغُشَّهُ وَ لَا تَكْذِبَهُ وَ لَا تُغْفِلَهُ وَ لَا تَخْدَعَهُ وَ لَا تَعْمَلَ فِي انْتِقَاضِهِ عَمَلَ الْعَدُوِّ الَّذِي لَا يَبْقَى عَلَى صَاحِبِهِ وَ إِنِ اطْمَأَنَّ إِلَيْكَ اسْتَقْصَيْتَ لَهُ عَلَى نَفْسِكَ‏ وَ عَلِمْتَ أَنَّ غَبْنَ الْمُسْتَرْسِلِ رِبًا وَ لا قُوَّةَ إِلَّا بِاللَّهِ „Und der Gefährte hat das Recht, dass du ihn nicht täuschst, und nicht mit Lüge und List die Freundschaft mit ihm pflegst, ihn nicht betrügst und nicht behinderst! Wie ein Feind, der keine Gnade weilt. Und wenn er dir vertraut, dann tu für ihn alles, was du kannst. Denke daran, jemanden, der dir vertraut, zu täuschen, ist wie wie Wucher. Keine Macht ist wie Gott.“[1]

Natürlich muss man auch darauf achten, mit wem man Kontakt pflegt, denn einer der Antriebe für Glückseligkeit sind gute Freunde. Imam Sadeq überliefert vom Propheten, der gesagt hat: „وَ أَسْعَدُ النَّاسِ‏ مَنْ‏ خَالَطَ كِرَامَ النَّاسِ der seeligste unter euch ist derjenige, der mit ehrbaren Menschen Kontakt hat.“[2] Diese Menschen helfen einem, die alltäglichen Herausforderungen besser zu bewältigen und den rechten Weg zu erkennen, um weniger mit Problemen konfrontiert zu werden.

In Anbetracht der islamischen Lehren ist ein Muslim verpflichtet, auf seine Beziehungen mit den verschiedenen Menschen zu achten, um nicht auf Abwegen zu geraten. Es gibt verschiedene Überlieferungen über die Eigenschaften von guten und schlechten Menschen, die man beachten sollte, wenn man nach der Vollkommenheit strebt.

Imam Sadjad weist in seinen weiteren Lehren auf das Recht über Beratung hin, und meint, wenn Ihr euch mit jemandem beraten wollt, dann müsst ihr ihn mit all eurem Wissen stützen und helfen und ihm die notwendigen Informationen geben. Außerdem müsst ihr das Vertrauen derjenigen, die sich mit euch beraten wollen, gewinnen. Daher besitzt die Beratung im Islam eine gesonderte Stellung. Beispielsweise sollte man stets den Rat derjenigen, die Weise und vertrauenswürdig sind, einholen. Weiterhun sollte man beim Ratschlaggeben, immer alle Akpekte miteinbeziehen.

Recht des Rateinholenden

Imam Sadjad sagt über die Rechte derjenigen, die dich um Rat fragen: „وَ أَمَّا حَقُّ الْمُسْتَشِيرِ فَإِنْ حَضَرَكَ لَهُ وَجْهُ رَأْيٍ جَهَدْتَ لَهُ فِي النَّصِيحَةِ وَ أَشَرْتَ عَلَيْهِ بِمَا تَعْلَمُ أَنَّكَ لَوْ كُنْتَ مَكَانَهُ عَمِلْتَ بِهِ وَ ذَلِكَ لِيَكُنْ مِنْكَ فِي رَحْمَةٍ وَ لِينٍ فَإِنَّ اللِّينَ يُؤْنِسُ الْوَحْشَةَ وَ إِنَّ الْغِلَظَ يُوحِشُ مَوْضِعَ الْأُنْسِ وَ إِنْ لَمْ يَحْضُرْكَ لَهُ رَأْيٌ وَ عَرَفْتَ لَهُ مَنْ تَثِقُ بِرَأْيِهِ وَ تَرْضَى بِهِ لِنَفْسِكَ دَلَلْتَهُ عَلَيْهِ وَ أَرْشَدْتَهُ إِلَيْهِ فَكُنْتَ لَمْ تَأْلُهُ خَيْراً وَ لَمْ تَدَّخِرْهُ نُصْحاً وَ لَا حَوْلَ وَ لا قُوَّةَ إِلَّا بِاللَّه und derjenige, der dich um Rat fragt, hat das Recht, dass, wenn du eine klare Ansicht bezüglich seiner Angelegenheit hast, ihn richtig berätst, und all dein Wissen daüber mit ihm teilst, und ihm sagst, was du an seiner Stelle tun würdest. Das ist dafür, damit er von dir milde spürt, denn dies vertreibt die Furcht. Und wenn du ihm nicht helfen kannst, aber jemanden kennst, der dein Vertrauen genießt, musst du ihn vorstellen. So hast du alles, was in dieser Macht steht für ihn getan, und ihm keine Hilfe vorenthalten. Es gibt weder Macht noch Stärke als bei Gott.“[3]

Es liegt klar auf der Hand, dass diejenigen, die für ihre Arbeit Rat einholen, weniger Fehler machen und auf Abwegen geraten. In einer Überlieferung wird gesagt: „لَا ظَهِيرَ كَالْمُشَاوَرَةِ Es gibt keine bessere Unterstützung als die Beratung.“[4] Einer der Auswirkungen der Beratung ist, dass die Menschen dann weniger Neid verspüren, da sie die Anderen in ihrem Erfolg mitbeteiligt sehen. In so einer Situation erkennt man die Natur der Menschen besser.

Beratung im Islam

Die Beratung ist im Islam so wichtig, dass Gott dem Propheten, der ja eine hohe spirituelle und wissenschaftliche Stellung besitzt, und bei Entscheidungen von Abwegen fern ist, befiehlt, sich zu beraten, und sagt: „وَ شاوِرْهُمْ فِي الْأَمْر und ziehe sie zu Rate in den Angelegenheiten.“[5] Im Koran gibt es sogar eine Sure mit dem Namen „Ash-Shura“ (Die Beratung), somit wird die Wichtigkeit der Beratung verdeutlicht.

Natürlich muss der Mensch sich mit weisen und vertrauenswürdigen Menschen beraten, und nicht mit neidvollen und ängstlichen Menschen und Missgönnern. Denn diejenigen, die nicht die Voraussetzungen haben, als Berater herangezogen zu werden, verwirren, und schicken einem auf Abwegen. Die anderen aber, die jedoch als Berater herangezogen werden können, sind gute Partner.

Imam Sadegh sagt in diesem Zusammenhang: „إِنَّ الْمَشُورَةَ لَا تَكُونُ إِلَّا بِحُدُودِهَا فَمَنْ عَرَفَهَا بِحُدُودِهَا وَ إِلَّا كَانَتْ مَضَرَّتُهَا عَلَى الْمُسْتَشِيرِ أَكْثَرَ مِنْ مَنْفَعَتِهَا لَهُ فَأَوَّلُهَا أَنْ يَكُونَ الَّذِي يُشَاوِرُهُ عَاقِلًا وَ الثَّانِيَةُ أَنْ يَكُونَ حُرّاً مُتَدَيِّناً وَ الثَّالِثَةُ أَنْ يَكُونَ صَدِيقاً مُؤَاخِياً وَ الرَّابِعَةُ أَنْ تُطْلِعَهُ عَلَى سِرِّكَ‏ فَيَكُونَ‏ عِلْمُهُ‏ بِهِ‏ كَعِلْمِكَ‏ بِنَفْسِك Es darf nicht um Ratschlag gebeten werden, außer im gezügelten Maße. Wenn übertrieben wird, so ist der Schaden für den Beratenden mehr als sein Nutzen. Erstens muss man sich mit einem Weisen beraten, zweitens mit einem freien, gläubigen Menschen, also mit einem Freidenkenden, drittens mit einem Freund und Bruder, viertens mit jemandem, der deine Geheimnisse – genauso wie du – für sich bewahrt.“[6]

Recht des Beraters

Anschleißend weist Imam Sadjad auf die Rechte des Beraters, und diejenigen, die ihre Ansichten mit anderen teilen, hin, und sagt: „وَ أَمَّا حَقُ‏ الْمُشِيرِ عَلَيْكَ فَلَا تَتَّهِمْهُ فِيمَا لَا يُوَافِقُكَ عَلَيْهِ مِنْ رَأْيِهِ‏ إِذَا أَشَارَ عَلَيْكَ فَإِنَّمَا هِيَ الْآرَاءُ وَ تَصَرُّفُ النَّاسِ فِيهَا وَ اخْتِلَافُهُمْ فَكُنْ عَلَيْهِ فِي رَأْيِهِ بِالْخِيَارِ إِذَا اتَّهَمْتَ رَأْيَهُ فَأَمَّا تُهَمَتُهُ فَلَا تَجُوزُ لَكَ إِذَا كَانَ عِنْدَكَ مِمَّنْ يَسْتَحِقُّ الْمُشَاوَرَةَ وَ لَا تَدَعْ شُكْرَهُ عَلَى مَا بَدَا لَكَ مِنْ إِشْخَاصِ رَأْيِهِ وَ حُسْنِ وَجْهِ مَشُورَتِهِ فَإِذَا وَافَقَكَ حَمِدْتَ اللَّهَ وَ قَبِلْتَ ذَلِكَ مِنْ أَخِيكَ بِالشُّكْرِ وَ الْإِرْصَادِ بِالْمُكَافَأَةِ فِي مِثْلِهَا إِنْ فَزِعَ إِلَيْكَ‏ وَ لا قُوَّةَ إِلَّا بِاللَّه Und das Rect deines Beraters, und derjenige, der seine Ansichten mit dir teilt, ist, dass du, wenn er nicht deine Meinung teilt, ihn nicht beschuldigst. Denn die Menschen haben unterschiedliche Ansichten. Und wenn du an seiner Ansicht zweifelst, hast du das Recht, anders als seine Ansicht zu handeln, ohne ihn zu beschuldigen. Und wenn er dich gut berät, solltest du ihm danken, ihn nie verlieren und ihn immer um Rat fragen. Es gibt weder Macht noch Stärke als bei Gott.“[7]

Die Beratung hat im Islam eine so hohe Stellung, dass die islamischen Lehren darauf bestehen, selbst diejenigen, die nicht so wissend sind wie Sie, um Rat zu fragen. Von Fazil bin Yassar wird überliefert: „اسْتَشَارَنِي‏ أَبُوعَبْدِ اللَّهِ(ع) مَرَّةً فِي أَمْرٍ فَقُلْتُ أَصْلَحَكَ اللَّهُ مِثْلِي يُشِيرُ عَلَى مِثْلِكَ قَالَ نَعَمْ إِذَا اسْتَشَرْتُكَ Imam Sadegh hat mich in einer Angelegenheit um Rat gefragt. Ich sagte ihm: Kann jemand wie ich Ihnen einen Rat geben? Er sagte: Ja, jederzeit, wenn ich dich um Rat bitte.“[8] Also muss man in jeder Situation den Beratenden würdigen und ehren. Aber es wird noch viel darüber diskutiert.



[1] Ibn Sha´ba Harrani, Hassan bin Ali, Tohfa al-Oqul, S. 286, Djameeh Modarressin, 2. Auflage, 1404 nach dem Mondkalender

[2] Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, Min la Yahzaro al-Faqih, Band 4, S. 395, Überlieferung 5840, Qom, Büro für islamische Publikationen, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[3] Ibn Sha´ba Harrani, Hassan bin Ali, Tohfa al-Oqul, S. 269

[4] Nahjul Balaqa, Weisheit 54

[5] Al-i-Imran, Vers 159

[6] Borqi, Ahmad bin Mohammad Khalid, al-Mahasin, Band 2, S. 602, Überlieferung 28, Qom, dar ol-Kotob al-Islamiah, 2. Auflage, 1371 nach dem Mondkalender

[7] Ibn Sha´ba Harrani, ebenda

[8] Borqi, ebenda, Band 2, S. 601, Überlieferung 22


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