Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 188660
Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 10:47:00 AM
Aufrufe : 747

Die Religiöse Lebensweise (10)


Freitagsansprache von 14.04.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Da der Glaube an Gott und den religiösen Lehren eine wichtige Rolle in der religiösen Lebensweise spielen, ist es wichtig, dass die Faktoren, die die religiöse Lebensweise stärken oder schwächen, unter die Lupe genommen, und deren Grenzen bestimmt werden.

Faktoren zur Stärkung der religiösen Lebensweise

Glaube ist eine Tatsache, die zu den Voraussetzungen des Glaubens eines frommen Menschen zählt. Aus diesem Grund sind der Glaube an Gott, den Engeln, den Heiligen Schriften und Jenseits Beispiele, woran jeder Gläubige – selbst der Prophet (gegrüßet sei er), der die höchsten Stufen des Glaubens erreicht hat – glauben müssen. Gott sagt im Koran:

آمَنَ الرَّسُولُ بِمَا أُنزِلَ إِلَيْهِ مِن رَّبِّهِ وَالْمُؤْمِنُونَ ۚ كُلٌّ آمَنَ بِاللَّـهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ لَا نُفَرِّقُ بَيْنَ أَحَدٍ مِّن رُّسُلِهِ ۚ وَقَالُوا سَمِعْنَا وَأَطَعْنَا ۖ غُفْرَانَكَ رَبَّنَا وَإِلَيْكَ الْمَصِيرُ

Der Gesandte (Allahs) glaubt an das, was zu ihm von seinem Herrn (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, und ebenso die Gläubigen; alle glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten - Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von Seinen Gesandten. Und sie sagen: "Wir hören und gehorchen. (Gewähre uns) Deine Vergebung, unser Herr! Und zu Dir ist der Ausgang."[1]

Dementsprechend und gemäß dem heiligen Koran, und auch nach den Überlieferungen der Mitglieder des Hauses des Propheten, sehen wir, dass der Glaube so wichtig ist, dass in allen Lebenslagen darauf ausführlich hingewiesen wird, den Glauben zu stärken und umzusetzen. Hier nennen wir kurz einige:

a) Gott gedenken

Einer der wichtigsten Faktoren, die dem Glauben stärken ist das Gedenken Gottes. Der Koran sagt:

إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ الَّذِينَ إِذَا ذُكِرَ اللَّـهُ وَجِلَتْ قُلُوبُهُمْ

Die (wahren) Gläubigen sind ja diejenigen, deren Herzen sich vor Ehrfurcht regen, wenn Allahs gedacht wird[2]

Und an einer anderen Stelle:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اذْكُرُوا اللَّـهَ ذِكْرًا كَثِيرًا

O die ihr glaubt, gedenkt Allahs in häufigem Gedenken[3]

Und wiederum sagt Gott im Koran:

وَذَكَرُوا اللَّـهَ كَثِيرًا

und Allahs häufig gedenken[4]

Auswirkung des Gedenken Gottes im Leben

1.  Frieden

Das Gebet aufsagen ist die himmlische und spirituelle Form zur Achtung Gottes durch die Seele des Menschen, wodurch der innere Frieden erzielt werden kann:

أَلَا بِذِكْرِ اللَّـهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe![5]

Wenn ein frommer Mensch in jeder Situation Gott gedenkt, versucht er stets von Sünden fern zu bleiben. Prophet Mohammad (gegrüßet sei er) sagt zu Imam Ali: „Dreier Dinge sind die Menschen (aus diesem Volk) unfähig: 1. Gleichheit und Gleichberechtigkeit im Eigentum mit dem gläubigen Bruder, 2. Gerechtes Verhalten gegenüber den Menschen, 3. In jeder Situation Gott gedenken.[6] Anschließend sagt er: Mit dem Gebetaufsagen soll erzielt werden, dass, wenn jedesmal er sich etwas Sündigem nähert, sich vor Gott fürchtet und es sein lässt.[7]

So ist das wahre Gebet der Pfad zur Nähe Gottes und dämmt die widerspenstigen Tribe des Menschen ein. Gottes Worte bekräftigen diese Tatsache im forgenden Vers:

وَاذْكُر رَّبَّكَ فِي نَفْسِكَ تَضَرُّعًا وَخِيفَةً وَدُونَ الْجَهْرِ مِنَ الْقَوْلِ بِالْغُدُوِّ وَالْآصَالِ وَلَا تَكُن مِّنَ الْغَافِلِينَ * إِنَّ الَّذِينَ عِندَ رَبِّكَ لَا يَسْتَكْبِرُونَ عَنْ عِبَادَتِهِ وَيُسَبِّحُونَهُ وَلَهُ يَسْجُدُونَ

Und gedenke deines Herrn in deinem Inneren in Demut und Furcht und ohne lautes Aussprechen, am Morgen und am Abend.* Und sei nicht einer von denen, die (dies) unbeachtet lassen.[8]

So gesehen ist einer der wichtigen Themen, dem besondere Beachtung geschenkt werden muss, dass, wenn in einer religiösen Gesellschaft das Gedenken Gottes verhallt wird, und alle versuchen diesen Namen in Ehren zu halten, die Spiritualität in dieser Gesellschaft verbreitet wird, und die Menschen vor Schäden und gesellschaftlichen Gefahren geschützt sind. Es reicht also, wenn wir auf die Auswirkungen des Gedenken Gottes hinweisen, was dessen Stellung verdeutlicht.

2.  Distanzierung von Sünden

Durch die Ruhe und der seelischen Bereitschaft des Menschen, das mit dem Gedenken Gottes erreicht wird, spürt dieser einen starken Schutz – so dass er das Gefühl bekommt, aller Kraft stammt von ihm. Und ein Mensch, der seinem Schöpfer gegenüber so eine spirituelle Kraft spürt, weiß, dass nichts und Niemand vor dieser unendlichen Macht und Kraft sich behaupten kann. Ein solches Leben kann niemals schwer und unerträglich und bedeutungslos sein, sondern weilt ewig, ist bedeutungsvoll und leicht. So eine Sichtweise gegenüber Gott führt zur “Distanzierung von Sünden“, was eine weiter Auswirkung des Gedenken Gottes ist:

إِنَّ الصَّلاةَ تَنْهى‏ عَنِ الْفَحْشاءِ وَ الْمُنْكَرِ وَ لَذِكْرُ اللَّهِ أَكْبَرُ

Das Gebet verbietet das Schändliche und das Verwerfliche. Und wahrlich, das Gedenken Gottes ist größer.[9]

Weiterhin führt das zur inneren Erleuchtung und Kenntnis des Menschen. Der Prophet (gegrüßet sei er) sagt diesbezüglich: „Die Herzen leben mit dem Gedenken Gottes, und werden sterben, wenn man Gott vergisst“.[10] Weiterhin sagt Imam Ali darüber: „Die Fortdauer des Gebets ist die Nahrung des Lebens und der Schlüssel zur Rechtschaffenheit“.[11] Gesegnet sind also diejenigen, die die Aufmerksamkeit Gottes mit seinem Gedenken für sich gewinnen – Gott verkündet, dass er denjenigen, die ihm gedenken, gedenkt:

فَاذْكُرُونِي أَذْكُرْكُمْ

Darum gedenket Meiner, dann gedenke Ich euer[12]

Und sie werden vor jeder Zwietracht gerettet – der Prophet sagt über diejenigen, die stets Gott gedenken: „Jeder der häufig Gott gedenkt, wird von Zwietracht fern bleiben“[13] – und bringt „Sharhe Sadr“ (Öffnen des Herzens) mit sich:

الذِّكرُ يَشرَحُ الصَّدرَ

Gedenken Gottes öffnet die Herzen[14]

b) Koranrezitation und Vertrautheit mit dem Koran

Ein weiterer Faktor des Glaubens ist die „Koranrezitation“. Dies wird im Koran und in den Überlieferungen der Mitglieder des Hauses des Propheten erwähnt, Gott sagt diesbezüglich:

وَإِذَا تُلِيَتْ عَلَيْهِمْ آيَاتُهُ زَادَتْهُمْ إِيمَانًا

und die, wenn ihnen seine Zeichen verlesen werden, dadurch in ihrem Glauben bestärkt werden [15]

Imam Ali sagt über die Zeichen der Gläubigen und Frommen: „Sie lesen jeden Teil des Korans mit Bedacht. In Trauer und Schmerz suchen sie Zuflucht beim Koran. Und wenn sie an einem Vers gelangen, in dem eine Frohbotschaft verkündet wird, wenden sie sich daran, mit der Hoffnung auf das Himmelreich. Sie versinken vollständig darin und glauben, die Segen des Himmel vor sich zu haben. Wenn sie an einen Vers gelangen, in dem vor Zorn Gottes gewarnt wird, horchen sie auf, als ob sie den Schall zusammenstößender Feuerballen hören.“[16]

 

Der Koran: Ein Wunder Gottes zur Rechtleitung der Menschen für alle Zeiten

Der Koran ist die Grundlage für Erkenntnis und Weisheit über alle Wahrheiten des Universums. Er ist ein reiches Buch an Weisheiten zur Rechtleitung der Menschen zur Vollkommenheit. Er ist heute noch, wie in der Vergangenheit ein Wunder zur Rechtleitung der Menschen. Man kann sogar sagen, dass mit den Fortschritten der Geisteswissenschaften, die Reichhaltigkeit und Tiefgründigkeit der Wunder dieses Buches von Tag zu Tag deutlicher werden. Denn die Sprache des Korans ist die Sprache der Natur und der Vernunft und ist in jedem Zeitalter Grund und Begründung und ein Garant für die Rechtsleitung und Rettung der Menschen.

Vertrautheit mit dem Koran und seine Auswirkungen

Die Auswirkungen der Nähe zum Koran sind unvorstellbar und immens. Um sie gerecht darstellen zu können, nennen wir einige Überlieferungen als Beispiel:

1.  Der Glaube trägt Früchte: Imam Ali sagt darüber: Die Rezitation des Korans, macht den Glauben fruchtbar[17]

2.  Das Herz wird poliert: Der Prophet sagt: „Das Herz rostet wie ein Stück Eisen! Da wurde er gefragt: Und wie wird sie wieder poliert? Er antwortete: des Todes gedenken und Koran rezitieren“[18]

3.  Erleuchen des Hauses: Denn Hazrate Fatemeh (die Tochter des Propheten) sagt diesbezüglich: Erleuchtet eure Häuser mit der Rezitation des Korans, und wandelt sie nicht in Gräber um – wie es die Juden und Christen tun, die in Knessets und Klostern beten, und ihre Häuser vernachlässigen. Wenn in einem Haus der Koran rezitiert wird, wird es mit Segen beschenkt, und die die Probleme der Einwohner eines solchen Hauses werden gelöst, und die Himmelsbewohner werden mit Licht geflutet – genauso wie die Sterne am Himmel den Erdenbewohner Licht spenden.[19]

4.  Buße für die Sünden: Denn Prophet Mohammad (gegrüßet sei er ) sagt in diesem Zusammenhang:

يَا سَلْمَانُ عَلَيكَ بِقِراءَةِ القُرآنِ؛ فَإِنَّ قِراءَتَهُ كَفّارَةٌ لِلذُّنوبِ، وسِترَةٌ مِنَ النّارِ، وأمانٌ مِنَ العَذاب‏

Oh Salman! Rezitiere den Koran, denn die Rezitation ist eine Buße für die Sünden, und ein Schutz vor dem Höllenfeuer und Sicherheit vor den Qualen.[20]

Einer der wichtigsten Themen bezüglich der Koranrezitation ist, die Riten zur Rezitation – sowohl äußerliche, als auch innerliche – richtig erkannt und eingehalten werden, damit die Wirkungen und Segen der Nähe zu diesem heiligen Buch auch uns umfassen. Zweifellos hat die Nähe zum Koran eine tiefgreifende Wirkung auf die Stabilität und Stärkung des Glaubens eines frommen Menschens.



[1] Al-Baqara, Vers 285

[2] Al-Anfal, Vers 2

[3] Al-Ahzab, Vers 41

[4] Ash-Shura, Vers 227

[5] Al-Ra´d, Vers 28

[6] Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, Min la Yahzaro al-Faqih, Band 4. S. 358, Überlieferung 5762, Qom, Büro für islamische Publikationen, 2. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[7] Ebenda

[8] Al-A´raf, Verse 205 – 206

[9] Al-Ankabut, Vers 45

[10] Varam bin Abi Varas, Massoud bin Issa, Tanbih al-Khawater va Nazhat al-Nawazer (Majmuat Varam), Band 2, S. 120, Qom, Maktab Faqih, 1. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[11] Tamimi, Amodi, Abdulvahad bin Mohammad, Ghararol Hekam va Dorarol Kalam, S. 816, Überlieferung 40, Darol Ketabe Islami, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[12] Al-Baqarah, Vers 152

[13] Tabarani, Soleiman bin Ahmad, al-Ma´jam al-awsat, Band 7, S. 86, Überlieferung 6931, eine Forschungsarbeit von Tariq bin Awazollah Kairo, Dar ol-Harameyn, liltabah va al-Nashr va al-Tawzi, 1415 nach dem Mondkalender

[14] Tamimi Amodi, ebenda, S. 48, Überlieferung 885

[15] Al-Anfal, Vers 2

[16] Nahdschulbalaqah, Rede 192

[17] Tamimi Amodi, ebenda, S. 572, Überlieferung 24

[18] Al-Beyhaqi, Ahmad bin Hossein, Sha´ab al-Iman, S. 691, eine Forschungsarbiet von Mohammad al-Saeid Basiuni Zoqlul, Beirut, Darol Ketab al-Elmiyah, 1. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[19] Kelini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 610 Überlieferung 1, Teheran, Darol Kotobe Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[20] Sha´eiri, Mohammad bin Mohammad, Djame al-Akhbar, S. 39, Nadjaf, Matba´at Heydariah, 1. Auflage, Bita


Kommentar



Zeige nichtöffentliche