Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 12:17:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (12)

Freitagsansprache von 05.05.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In einer Gesellschaft, in der die Menschen bemüht sind, fromm zu leben, spielt der Glaube eine gewichtige Rolle. Aus diesem Grund müssen in der Gesellschaft die Faktoren, die den Glauben stärken, wie Gebet, Gottes Gedenken, Tagesgebet – insbesondere Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebet, verinnerlicht werden. Es gibt viele Faktoren, die den Glauben schwächen, daher müssen Alle sich darum bemühen zu verhindern, dass der Glaube geschwächt wird, und alle Ursachen, die den Glauben schwächen könnten, im Keim ersticken. Eine Gesellschaft, die den Glauben der Menschen zum Angriffsziel nimmt, entfernt sich mit der Zeit von den religiösen Lehren, und der Glaube verblasst mit der Zeit in der Gesellschaft und wird zur Nebensache. Aus diesem Grund müssen wir uns mit den Faktoren, die den Glauben schwächen könnten, befassen.

Faktoren, die den Glauben schwächen

Es ist eindeutig, dass der wichtigte Faktor, der den Glauben des frommen Menschen angreift, die Sünde ist. Die Sünde trübt das Herz und säht Zweifel und Verleugnung der himmlischen Verse. Der Koran beschreibt diesen wichtigen, glaubensvernichtenden Faktor wie folgt:

وَ ما يُكَذِّبُ بِهِ إِلاَّ كُلُّ مُعْتَدٍ أَثيمٍ إِذا تُتْلى‏ عَلَيْهِ آياتُنا قالَ أَساطيرُ الْأَوَّلينَ كَلاَّ بَلْ رانَ عَلى‏ قُلُوبِهِمْ ما كانُوا يَكْسِبُونَ

Und ihn leugnet nur jeder verfehlende Grenzüberschreitende ab.* Als ihm Unsere Ayat vorgetragen wurden, sagte er: "Dies sind die Legenden der Früheren." * Gewiß, nein! Sondern es überkam ihre Herzen, was sie zu erwerben pflegten.[1]

Imam Bagher sagt zur Auslegung dieses Koranverses:

ما مِن عَبدٍ إلّا وفي قَلبِهِ نُكتَةٌ بَيضاءُ، فإذا أذنَبَ ذنباً خَرَجَ في النُّكتةِ نُكتةٌ سَوْداءُ، فإن تابَ ذَهَبَ ذلكَ السَّوادُ، وإن تَمادى‏ في الذُّنوبِ زادَ ذلكَ السَّوادُ حتّى‏ يُغَطِّيَ البَياضَ، فإذا غَطَّى البياضُ لَم يَرجِعْ صاحِبُهُ إلى‏ خيرٍ أبداً

Es gibt keinen Diener Gottes, der nicht einen Funken Licht in seinem Herzen hat. Jedesmal, wenn er eine Sünde begeht, entsteht ein schwarzer Fleck in diesem Licht, der jedoch mit Reue und Buße verschwindet. Wenn er sich jedoch der Sünde hingibt, wächst dieser schwarze Fleck, bis er das ganze Licht umfasst, und wenn dies nun geschieht, kann der Sündige nicht auf den rechten Pfad zurückkehren.[2]

Aus diesem Grund werden die Gläubigen auf das Schärfste davon abgeraten, sich von den Trieben fernzuhalten. Gott sagt im Koran:

وَلَا تَتَّبِعِ الْهَوَىٰ فَيُضِلَّكَ عَن سَبِيلِ اللَّـهِ

und folge nicht der (eigenen) Neigung, dass sie dich nicht vom Weg Gottes abirren läßt..[3]

Wichtige Ursachen zur Verleugnung der göttlichen Propheten

Eine Studie der historischen Quellen zeigt, dass die Wurzeln der Fakroten, die zur Verleugnung der göttlichen Propheten und deren Aufruf führt, in den Trieben steckt. Triebe, wie Gier nach „Macht und Reichtum“ oder Zweifel, die dann nicht selten zu Ungehorsam und Krawall geführt haben. Gott sagt im Koran:

بَلْ يُرِيدُ الْإِنسَانُ لِيَفْجُرَ أَمَامَهُ

Doch der Mensch will voller Laster sein, sein Leben lang.[4]

Aus diesem Grund begannen sie, den Jenseits zu leugnen, und sagten:

أَيَّانَ يَوْمُ الْقِيامَة

Wann wird der Tag der Auferstehung sein?[5]

Und versuchten, mit ihren Zweifeln, die frömmen Menschen zu verunsichern, und ihr Glauben zu schwächen. Gott antwortet ihnen:

أَيَحْسَبُ الْإِنسَانُ أَلَّن نَّجْمَعَ عِظَامَهُ * بَلَىٰ قَادِرِينَ عَلَىٰ أَن نُّسَوِّيَ بَنَانَهُ

Meint denn der Mensch, daß Wir seine Gebeine nicht zusammenfügen werden?* Ja doch, Wir sind imstande, seine Fingerspitzen zurechtzubilden.[6]

Ein weiterer Faktor zur Schwächung des Glaubens ist die „Gefährtschaft mit Sündigen und abgeleitete Menschen“. Imam Ali sagt diesbezüglich:

مُجالَسَةُ أهلِ الهَوى‏ مَنْساةٌ للإيمانِ، و مَحْضَرَةٌ للشَّيطانِ؛

Die Gefährtschaft mit von Trieben geleiteten Menschen, für dazu, dass man den Glauben vergisst, und der Weg für den Teufel frei wird[7]

An einer anderen Stelle sagt er:

لَا تَصحَبِ الشَّرِيرَ؛ فَإِنَّ طَبعَكَ يَسرُقُ مِن طَبعِهِ شَرّاً وَ أَنتَ لَاتَعلَم

Pflegt keinen Kontakt mit unzüchtigen Menschen, denn deine Natur wird ungewollt von seiner (unsittsamen und schlechten) Natur beeinflusst[8]

An einer anderen Stelle schreibt er „Harith Hamedani“:

 وَاحْذَرْ صَحَابَةَ مَنْ يَفِيلُ رَأْيُهُ وَ يُنْكَرُ عَمَلُهُ؛ فَإِنَّ الصَّاحِبَ مُعْتَبَرٌ بِصَاحِبِه

Hüte dich vor Freundschaft mit Menschen, die schlechte Gedanken pflegen und schlechte Taten vollbringen, denn man gewöhnt sich an die Taten seiner Freunde[9]

Zu den weiteren Faktoren, die den Glauben schwächen, kann man alle Laster nennen, von denen ein Jeder auf seiner eigenen Weise, den Glauben schwächt, oder zerstört, wie: Neid, Selbstsucht, Angeberei, sich als etwas besseres sehen, in sich eingehen und das wahre „Ich“ übersehen. Hier werden wir uns nur mit einer dieser Laster beschäftigen, nämlich „Neid“. Diese Eigenschaft kann den Menschen so sehr vom Hauptweg abbringen, dass er sogar seinen Glauben verlieren könnte. Der Prophet (gegrüßet sei er) sagt in diesem Zusammenhang:

و لا تَتَحاسَدوا؛ فَإِنَّ الحَسَدَ يَأكُلُ الإِيمانَ كَما تَأكُلُ النّارُ الحَطَبَ اليابِس

Seid nicht aufeinander Eifersüchtig, denn Eifersucht verbrennt den Glauben, so wie Feuer trockenes Holz in Flammen steckt.[10]

Imam Sadegh sagt über dieses Laster:

آفَةُ الدِّينِ: الْحَسَدُ، وَ الْعُجْبُ، وَ الْفَخْر

Die Plage des Glaubens ist Neid und Selbstverherrlichung und Angeberei[11]

An einer anderen Stelle bezeichnet Imam Ali Eifersucht, als die große Rebellion des Teufels:

الْحَسَدُ مَعْصِيَةُ إِبْلِيسَ الْكُبْرَى[12]

Nach einer Überlieferung von Imam Sadegh durch „Djunadat bin Abi Umayyah“, sagt der Imam:

أَوَّلُ خَطِيئَةٍ كَانَتِ الْحَسَدُ حَسَدَ إِبْلِيسُ آدَمَ أَنْ يَسْجُدَ لَهُ حِينَ أَمَرَهُ فَحَمَلَهُ الْحَسَدُ عَلَى الْمَعْصِيَة

Die erste Sünde war die Eifersucht, das heist die Eifersucht des Teufels dem Menschen gegenüber, da er verpflichtet wurde, sich vor ihm zu verneigen. Seine Eifersucht führte zu seiner Rebellion und danach zur Weigerung, sich vor dem Menschen zu verneigen.[13]

Schlusswort

Wir kommen also zu dem Schluss, dass der fromme Mensch dieses Laster mit allen Mitteln bekämpfen muss, um vor dieser Plage verschont zu bleiben.

 



[1] Al-Muttaffifin, Verse 12 – 14

[2] Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 273, Überlieferung 20, Teheran, Darol Kotob al-Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[3] Sad, Vers 26

[4] Al-Qiyama, Vers 5

[5] Al-Qiyama, Vers 6

[6] Al-Qiyama, Vers 3 und 4

[7] Nahjulbalaqa, Rede 86

[8] Ibn Abi al-Hadid, Abdulhamid, Sharh Nahjulbalaqa,, Band 20, S. 272, Überlieferung 147, Qom, Maktabat Ayatollah al-Marashi al-Najafi, 1. Auflage, 1404 nach dem Mondkalender

[9] Nahjulbalaqa, Buch 69

[10] Hamiri, Abdullah bin Djafar, Qorb al-Asnad, S. 28, Überlieferung 94, Qom, Mussisat ale al-Bait aleyhom al-Salam, 1. Auflage, 1413 nach dem Mondkalender

[11] Kellini, ebenda, Band 2, S. 307, Überlieferung 5

[12] Leithi Vaseti, Ali bin Mohammad, oyun al-okm va al-Mavaez, S. 19, Überlieferung 81, Qom, Dar ol-Hadith, 1. Auflage, 1376 nach dem iranischen Kalender

[13] Majlessi, Mohammad Bagher, Bahar al-Anvar, Band 60, S. 281, Beirut, Dar ehiya  al-Tarath al-Arabiyah, 2. Auflage, 1403 nach dem Mondkalender


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