Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 7/28/2017 1:10:00 PM
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Ursachen, welche die Persönlichkeit des Menschen formen, und die Aufgaben der Gläubiger


Freitagsansprache von 28.07.2017
von Hujjat ul-Islam Ansari

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ich rate Ihnen und mir selbst zur Ehrfurcht gegenüber Gott.

Die Psychologen sind der Ansicht, dass drei Faktoren in der Formung der Persönlichkeit eines Menschen eine wichtige Rolle spielen: Das Erbgut, das Umfeld und die Erziehung.

Wie wir alle wissen, der Mensch ist bei der Geburt neutral, d.h. er ist weder gut noch böse. Die Natur und die Veranlagung des Menschen ist rein und göttlich wie Allah in der Surah Ar-Rum in Vers 30 sagt: „فِطْرَتَ اللَّـهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا

Das ist die Schöpfung Gottes, die Er für die Menschen festgelegt hat.

 

Doch diese drei Faktoren formen dann, nach der Geburt des Kindes, seine Persönlichkeit. Sie machen ihn zu einem guten oder schlechten Menschen. Befassen wir uns nun mit diesen drei Faktoren:

Das Erbgut

Die Eltern spielen eine wesentliche Rolle bei der Persönlichkeitsbildung des Menschen. Es ist wichtig, was für Menschen sie sind, und wie sie leben. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Eltern, die sich an das Gebet halten, und Eltern, die Unsitte treiben. Haben sie z.B. ihre Nahrung auf einem Helal Weg verdient, oder nicht? Dieser Faktor ist nicht zu hundertprozentig ausschlaggebend, jedoch ist er auch nicht unwichtig.

Das Umfeld

Der zweite Faktor, der die Persönlichkeit eines Menschen formt, ist das Umfeld. Es ist wichtig, in welchem Umfeld der Mensch aufgewachsen ist. Lebte er in einem gesunden Umfeld, besuchte er eine angemessene Schule, hatte er gute Freunde oder wuchs er in einer verdorbenen Umgebung auf, und versammelten sich um ihn schlechte Menschen?

die Erziehung

Der dritte Faktor ist die Erziehung. Jemand, der keinen guten Erzieher hatte, ist demzufolge auch ein unsittlicher Mensch. Wenn ein wahrer Gläubiger die Erziehung übernimmt, dann wird die Person sich auch gläubig entwickeln. Ein Beispiel dafür ist der achte Kalif der Umayyaden, Omar bin Abdulaziz (عمربن عبدالعزیز), er war – im Vergleich zu den anderen Kalifen der Umayyaden – ein besserer Mensch, Er verbot die öffentliche Verunglimpfung von Imam Ali (a.), und gab „Fadak“ der Ahl-ul-Bait zurück. Der Grund, warum er im Vergleich zu den anderen Kalifen ein besserer Mensch war, ist, weil er einen schiitischen und guten Lehrer hatte.

Ein weiteres Beispiel ist der kleine Muawiyah, der Sohn von Yazid. Sein Vater war der Tyrann Yazid und seine Mutter war ebenso nicht rechtschaffend. Doch er hatte einen guten und rechtschaffenen Lehrer, was letztendlich dazu führte, dass er die Nachfolgerschaft von seinem Vater – als Kalif – ablehnte und den Umayyaden den Rücken kehrte.

Wenn bei einer Person diese drei Faktoren – also Erbgut, Umfeld und Erziehung – stimmen, so wird er eine gute Persönlichkeit entwickeln. Wenn nun jedoch einer dieser Faktoren nicht vorhanden ist, also Beispielsweise das gute Erbgut fehlt, aber er trotzdem in einem guten Umfeld lebt und eine gute Erziehung erfährt, kann er immer noch eine gute Persönlichkeit entwickeln. Das Gegenteil kann natürlich auch der Fall sein. Man kann gutes Erbgut besitzen, aber in einer schlechten Umgebung leben. Wie zum Beispiel der Sohn Noahs, der von schlechten Freunden umgeben war.

Die Aufgabe der Eltern ist es also, ihre Kinder wahrhaft gläubig zu erziehen.

Hier müssen wir darauf hinweisen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Islam und Glaube. Einer, der an Gott, den Propheten (s.) und an den jüngsten Tag glaubt, ist ein Moslem. Als der Prophet die Stadt Mekka eroberte, haben sich Tausende zum Islam bekannt. Gott sagt in Surah An-Nasr:

إِذَا جَاءَ نَصْرُ اللَّـهِ وَالْفَتْحُ ﴿١﴾ وَرَأَيْتَ النَّاسَ يَدْخُلُونَ فِي دِينِ اللَّـهِ أَفْوَاجًا

Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg (1) und du die Menschen in Allahs Religion in Scharen eintreten siehst, (2)

 

Jene haben sich plötzlich zum Islam bekannt und sind Muslime geworden.

Doch ein Gläubiger ist anders. Ein Gläubiger ist jemand, der aus tiefstem Herzen glaubt, und die religiösen Verordnungen befolgt. Im Koran ist sogar eine Sure nach den Gläubigen benannt, die Sure Momenun in der z.B. heißt:

قَدْ أَفْلَحَ الْمُؤْمِنُونَ  ﴿١﴾ الَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَاشِعُونَ“.

Den Gläubigen wird es ja wohl ergehen, (1) denjenigen, die in ihrem Gebet demütig sind, (2)

 

Also ist ein Gläubiger jemand, welcher sein Tagesgebet in Demut verrichtet, er ist vertrauenswürdig und hat seine Triebe unter Kontrolle. Ein Gläubiger muss sich an bestimmte Verpflichtungen halten, und der Glaube hat Voraussetzungen.  In der Sure Anfal sagt Allah:

     إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ الَّذِينَ إِذَا ذُكِرَ اللَّـهُ وَجِلَتْ قُلُوبُهُمْ وَإِذَا تُلِيَتْ عَلَيْهِمْ آيَاتُهُ زَادَتْهُمْ إِيمَانًا وَعَلَى رَبِّهِمْ يَتَوَكَّلُونَ

Die (wahren) Gläubigen sind ja diejenigen, deren Herzen sich vor Ehrfurcht regen, wenn Allahs gedacht wird, und die, wenn ihnen Seine Zeichen verlesen werden, es ihren Glauben mehrt, und die sich auf ihren Herrn verlassen

 

Also ist der Glaube viel höher eingestuft als der Islam. Daher spricht auch der Koran die Gläubigen an.

Im Koran und in den Überlieferungen gibt es für den Gläubigen viele Zeichen und Verpflichtungen. In einer Überlieferung vom Propheten Mohammad (s.) heißt es: لا یُکْمِلُ عبدٌ الإیمانَ باللّه حتّی یکونَ فیه خَمْسُ خِصالٍ : التّوکّلُ علی اللّه ، والتّفْویضُ إلی اللّه ، والتَّسْلیمُ لأمرِ اللّه ، والرِّضا بِقَضاءِ اللّه ، والصّبرُ علی بَلاءِ اللّه[1]

Niemand kann seinen Glauben vervollständigen ohne diese fünf Eigenschaften:

1.  Das Vertrauen auf Gott. 2. Sein Schicksal in Gottes Hände legen 3. Sich Gott ergeben  4. Zufrieden zu sein mit den Gaben Gottes und 5. Geduldig die Prüfungen Gottes ertragen.

Gott sagt im Koran im letzten Vers von Surah Al-Imran:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اصْبِرُوا وَصَابِرُوا وَرَابِطُوا وَاتَّقُوا اللَّـهَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ“.

Oh ihr, die ihr glaubt, seid geduldig und miteinander standhaft und einsatzbereit. Und seid Aufmerksam gegenüber Gott, auf dass es euch wohl ergehe.

 

Beim Feldzug nach Tabuk haben sich einige geweigert, den Propheten bei der Verteidigung zu begleiten. Sie sagten: „Wir haben Frau und Kinder.“ Deshalb sind sie zurückgeblieben. Ein wahrer Gläubiger darf keine Ausreden bringen und zurückbleiben, und muss seiner Pflicht nachgehen. Wenn der Islam sagt: „Ihr müsst euch zur Verteidigung zusammentun“, dann ist er zurstelle. Wenn der Islam sagt: „Ihr müsst Auswandern“, dann wird der Gläubige dies tun. Wenn das Umfeld für ihn, seine Familie, seinen Glauben und für sein Leben eine Bedrohung darstellt, so muss er fortgehen. Es gibt natürlich drei Arten von Migration:

1.  Örtliche Migration: von denen es in der Geschichte der Propheten und rechtschaffenen Leute sehr viele Beispiele gibt. Wie Abraham und die anderen Propheten, wie die Sieben Schläfer von Ephesus, oder auch der Prophet des Islams (s.). Wo es notwendig erschien, sind sie ausgewandert. Imam Ridha oder Fatima Masuma[2] – deren Geburtstage bevorstehen – oder auch Abdol-Azim-Hassani, alle sind sie ausgewandert.

2.  Glaubensmigration: Wenn jemand entdeckt, dass sein Glaube irrgeleitet ist, und er einen falschen Glauben angenommen hat, dann muss er emigrieren.

3.  Moralische Migration: ist, wenn man sich von Sünden oder schlechten Eigenschaften distanziert, und schlechte Laune vermeidet. Wenn eine Person penibel ist, so muss sie sich zügeln. Wenn Gottes Religion sagt: Alles ist rein, bis ihre Unreinheit bewiesen ist, so darf er dies nicht übertreiben. Die wahre Migration ist, wenn man sich von einer schlechten Eigenschaft, zu einer guten wendet. Im Laufe der Geschichte haben tausende Menschen ihr ganzes Leben lang den falschen Weg eingeschlagen, und plötzlich emigrieren sie zum rechten Weg. Dies ist, was zählt.

Der Gläubiger hat Verpflichtungen, die er auch kennen und einhalten muss. Geduld ist einer der wichtigsten Tugenden, die ein Gläubiger besitzen muss. Gott sagt in der Surah Muzammil in Vers 10:

وَاصْبِرْ عَلَى مَا يَقُولُونَ

Und ertrage mit Geduld, was sie sagen. Und entferne dich auf schöne Weise von ihnen. (73:10)

 

Die Menschen redeten viel über den Propheten (s.) und beschuldigten ihn, er sei nur ein Poet. Gott sagte dem Propheten, er soll Geduld haben. An einer anderen Stelle sagt Allah in Surah Luqman Vers 17:

وَاصْبِرْ عَلَى مَا أَصَابَكَ

Und ertrage geduldig, was dich trifft.

 

Manchmal gibt es gute Tage, und manchmal schlechte. Ein Gläubiger muss Geduld haben, denn auch die schlechten Tage gehen vorüber wie es auch im Vers 140 der Surah Al-Imran heißt:

تِلْكَ الْأَيَّامُ نُدَاوِلُهَا بَيْنَ النَّاسِ“.

Solche Tage teilen Wir den Menschen abwechselnd zu.

 

Und weiter heißt es in Surah At-Tur in Vers 48:

واصْبِرْ لِحُكْمِ رَبِّكَ

Sei geduldig, bis dein Herr sein Urteil fällt.

 

Im Monat Ramadan z.B. müssen wir in der Hitze des Sommers fasten. Es ist schwer, aber man muss Geduld haben. In Surah Khaf heißt es in Vers 28:

اصْبِرْ نَفْسَكَ مَعَ الَّذِينَ يَدْعُونَ رَبَّهُم بِالْغَدَاةِ وَالْعَشِيِّ“.

Und halte dich geduldig zurück zusammen mit denen, die morgens und abends ihren Herrn anrufen

 

Der Prophet gesellte sich zu den Armen, und die Reichen lachten ihn deshalb aus. Da sagt dieser Koranvers, dass der gegenüber den Hohn und Lästern dieser Personen Geduld aufweisen muss.

Dies sind einige Beispiele für die Verpflichtungen des Gläubigen und den Voraussetzungen des Glaubens.

Beten wir zu Gott, dass er uns die Kraft gibt, unseren Aufgaben und Verpflichtungen nachgehen zu können.



[1] Bahar al-Anvar, 77/ 177

[2] Die Schwester des 8. Imamen


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