Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 190185
Datum der Veröffentlichung : 10/24/2017 4:00:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (26)


Freitagsansprache von 13.10.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Diejenigen, die eine reine und religiöse Lebensweise erzielen wollen, dürfen nicht vergessen, dass ein Leben, basierend auf die religiösen Lehren, erst dann verwirklicht werden kann, wenn der Mensch eine richtige religiöse Sichtweise besitzt. Aus diesem Grund versuchen auch die Koranverse – mit Änderung des Verhaltens oder der Sichtweise – den Menschen auf den richtigen Weg zu leiten. Dies ist der Weg, für dessen Verwirklichung alle göttlichen Propheten sich eingesetzt haben.

Die Rolle der Gottes Gesandten bei der religiösen Rechtleitung

Da die Gesandten Gottes eine sehr wichtige Rolle bei der Rechtleitung der Menschheit spielen, müssen sie in jeder Hinsicht auf ihr Verhalten, Worte und Vorgehensweise Acht geben. Sie müssen freundlich, höflich und gut gelaunt diese Änderung in denen, die sie befolgen und als Vorbild nehmen, verwirklichen. Dabei müssen auch sie die Fehler korrigieren.

Aus diesem Grund befieht Gott seinem Propheten (gegrüßet sei er): „Und senke deinen Flügel für die Gläubigen“[1] und an einer anderen Stelle ruft er seinen Propheten (gegrüßet sei er) zur Mäßigkeit auf, um die Sichtweisen zu ändern: „Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinandergelaufen. So verzeihe ihnen, bitte für sie um Vergebung“[2]

Da der Prophet (gegrüßet sei er) wahrlich milde Charakterzüge hatte: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“[3], zeigte diese Eigenschaft bei seiner Erziehungsmethode enorme Wirkung, so dass er imstande war, die alte und verstaubte Kultur der Unwissenheit, die sich über Generationen in ihre Seele eingebrannt hatte, zu ändern. Aus diesem Grund zählt auch diese Charaktereigenschaft des Propheten (gegrüßet sei er) zu seinen Wundern, dass er es schaffte, eine versteinerte Kultur in einer vitalen und fortschreitenden Kultur umzuwandeln, und die Menschen zu Tugenden zu verleiten.

Allame Tabatabaei sagt über diesen Koranvers: „Dieser Koranvers ist ein Zeugnis für die vorzüglichen Charakterzüge des Propheten (gegrüßet sei er) beim Umgang mit den Menschen. Einige dieser Charakterzüge waren: Standhaftigkeit auf dem rechten Weg, Geduld gegenüber den Belästigungen und Ungerechtigkeiten der anderen, Vergebung bei Belästigungen und Ungerechtigkeiten, Bescheidenheit, Toleranz und Freundschaftlichkeit...[4] von denen ein jeder separat ausführlich erläutert werden muss.

Einer seiner weiteren Eigenschaften bei der Rechtleitung der Menschen war seine Güte und Mitgefühl. Diese Eigenschaften konnten eine tiefgreifende Veränderung in der Denk- und Sichtweise der Menschen seiner Zeit bewirken. Gott sagt über diese Eigenschaft des Propheten (gegrüßet sei er): „Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, (er ist) eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig.“[5]

„Mahnung“ und „Erinnerung“ bei der religiösen Rechtleitung der Gesellschaft

Wenn „Mahnung“ und „Erinnerung“ zusammen mit den vortrefflichen Eigenschaften einhergehen, werden sie tiefgreifende Auswirkungen ausüben. Daher müssen die Gelehrten, die heute die Aufgabe der Rechtleitung der Menschen innehaben, die Methode des Propheten (gegrüßet sei er) als Vorbild nehmen und darauf achten, dass die Menschen mit islamischen Charakterzügen – mit Hilfe der „Mahnungsmethode“ – einen gewichtigen Einfluss auf die heutige Generation, besonders unter den Jugendlichen, haben kann. Natürlich darf man nicht vergessen, dass „Mahnung“, ohne vorbildliche und spirituelle Charkterzüge, nicht den gewünschten Effekt haben kann. Daher müssen die einflussreichen Menschen erst sich selbst reinigen, damit sie auch in der Lage sein können, ihrer Aufgabe als Erzieher, gerecht zu werden.

Religiös basierte Sichtweise im Verhaltensmuster der Menschen und der Gesellschaft

Die religiös basierte Sichtweise übt auf das Verhaltensmuster der Menschen und der Gesellschaft eine große Wirkung aus. Denn der Glaube hat – direkt oder indirekt – einen großen Einfluss auf die Aspekte, die auf das tugendhafte Verhalten der Menschen basieren. Daher betitelt der Koran den Menschen als „Gläubige“ und ruft sie auf, ihren Pflichten bewusst zu sein. Pflichten, wie: „Tagesgebet, Fasten, das Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen, Almosengabe, ...“. Darüber sagt der Koran: „Gewiß, diejenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn“[6]

Auch in diesem Koranvers sehen wir: „O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf daß ihr gottesfürchtig werden möget.“[7]

Viele Koranverse deuten auf diese Sache hin. Aus diesem Grund ist es auch, dass, sobald Imam Hassan (gegrüßet sei er) sich diesem Ruf Gottes widmete, sagte „Ich folge“[8]. Das bedeutet, dass der ein Gläubiger dem Ruf Gottes antwortet, beachtet und und danach handelt.

In eingen anderen Koranversen vertraut Gott auf den Glauben der Gläubigen, und ruft sie auf, wahrhaftig auf Gott zu vertrauen. Wie in diesem Koranvers, wo gesagt wird: „wenn ihr wirklich an Allah glaubt, dann verlaßt euch auf Ihn“[9]

In anderen Koranversen erinnert er an die Wirkung des Glaubens selbst, und sagt: „Er ist es, der die innere Ruhe in die Herzen der Gläubigen herabgesandt hat, damit sie in ihrem Glauben noch an Glauben zunehmen.“[10]

Schlusswort

Worauf nun die Muslime achten müssen, ist, dass sie zunächst ihre Ansichtsweise in verschiedenen individuellen und gesellschaftlichen Aspekten ändern müssen, und mit göttlicher Motivation auf dem rechten Weg zu gelangen.

Weiterhin muss man an das Leben nach dem Tod glauben, sich nicht an das irdische Leben binden und das Diesseits als eine vergängliche Zwischenstation sehen. Dabei soll man in schweren Zeiten Geduld aufweisen, auf Gott vertrauen, den göttlichen Verordnungen befolgen, die beste Form einer religiösen Lebensweise erfahren und dadurch für das individuelle, familiäre und gesellschaftliche Leben Frieden und Ruhe bescheren.



[1] وَاخْفِضْ جَنَاحَكَ لِلْمُؤْمِنِينَ, al-Hijr, Vers 88

[2] فَبِمَا رَحْمَةٍ مِّنَ اللَّـهِ لِنتَ لَهُمْ ۖ وَلَوْ كُنتَ فَظًّا غَلِيظَ الْقَلْبِ لَانفَضُّوا مِنْ حَوْلِكَ ۖ فَاعْفُ عَنْهُمْ وَاسْتَغْفِرْ لَهُمْ, al-i-Imran, Vers 159

[3] وَإِنَّكَ لَعَلَىٰ خُلُقٍ عَظِيمٍ, al-Qalam, Vers 4

[4] Tabatabaei, Mohammad Hossein, al-Mizan, Band 19, S. 369, Beirut, Muassiah al-Ilmi lil-Matbuat, 2. Auflage, 1390 nach dem Mondkalender

[5] لَقَدْ جَاءَكُمْ رَسُولٌ مِّنْ أَنفُسِكُمْ عَزِيزٌ عَلَيْهِ مَا عَنِتُّمْ حَرِيصٌ عَلَيْكُم بِالْمُؤْمِنِينَ رَءُوفٌ رَّحِيمٌ, at-Tawba, Vers 128

[6] إِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ وَآتَوُا الزَّكَاةَ لَهُمْ أَجْرُهُمْ عِندَ رَبِّهِمْ, al-Baqara, Vers 277

[7] يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِن قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ, al-Bqaqra, Vers 183

[8] لبیک

[9] إِن كُنتُمْ آمَنتُم بِاللَّـهِ فَعَلَيْهِ تَوَكَّلُوا, Yunus, Vers 84

[10] هُوَ الَّذِي أَنزَلَ السَّكِينَةَ فِي قُلُوبِ الْمُؤْمِنِينَ لِيَزْدَادُوا إِيمَانًا مَّعَ إِيمَانِهِمْ, al-Fath, Vers 4


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