Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 190186
Datum der Veröffentlichung : 10/24/2017 4:09:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (27)

Freitagsansprache von 20.10.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Eines der Themen, das sich als eine Grundlage im Leben eines Jeden, der eine religiöse Lebensweise anstrebt, gefestigt hat, ist, dass eine religiöse Lebensweise ohne tugendhafte Taten unmöglich ist. Aus diesem Grund besteht auch eine feste Verbindung zwischen dem Glauben und den Taten.

Einfluss der Persönlichkeit auf die Taten

Tatsache ist, dass das Verhalten des Menschen von seiner Persönlichkeit beeinflusst wird und seine Taten formt. Aus diesem Grund sagt Gott im Koran. „Sag: Jeder handelt nach seiner Weise. Euer Herr weiß sehr wohl, wessen Weg der Rechtleitung eher entspricht.“[1] Sheikh Tabrasi schreibt unter diesem Koranverses: „Ibn Abbas sagt: Jeder – Gläubiger oder nicht – handelt nach der Natur und dem Charakter, die sich in ihm eingebrannt haben. Von Fara´ und Sojaj wird überliefert, wie sie in der Darlegung dieses Koranverses sagen: Jeder handelt nach der Tradition und nach dem Weg, an dem er sich gewöhnt hat. Von Djabaei wird wiedergegeben, wie er in der Interpretation dieses Koranverses sagt: Jeder handelt so, wie er denkt, dass es richtiger ist und der Wahrheit eher entspricht.“[2]

Verbindung zwischen dem Äußeren und dem Innerne des Menschen

Studien in der Religion zeigen, dass zwischen dem Äußeren und dem Innerne des Menschen eine Enge Verbindung besteht. Das heißt, dass der geistige Zustand das Äußere beeinflusst. Imam Sadegh (gegrüßet sei er) sagt über die Verbindung zwischen dem Äußeren und dem Inneren: „Die äußere Verwerflichkeit ist das Resultat der inneren Verwerflichkeit. Und Jeder, der seine Natur und Charakter verbessert, dem wird auch Gott sein Äußeres verbessern.“[3]Diese Überlieferung wird genutzt, um zu zeigen, dass der innere Glaube der Menschen ein wichtiger Antrieb ist, um ihn zu tugendhaften Verhalten zu leiten. Auch aus den Betonungen des Korans und der Überlieferungen der Reinen aus dem Hause des Propheten (gegrüßet seien sie) ist zu lesen, dass die gläubigen Menschen auf ihr Inneres achten müssen. Einige Überlieferungen achten besonders darauf. Die Absicht eines Gläubigen Menschen ist wichtiger als seine äußeren Taten. Dies geht so weit, dass seine wahre Tat als seine Absicht bewertet wird. Imam Sadegh sagt diesbezüglich: „Absicht ist wertvoller als eine gute Tat. und Absicht ist, zu arbeiten und dann die Worte des Allmächtigen zu lesen: „Sag: Jeder handelt nach seiner Weise.“[4] bedeutet seine Absicht.“[5]

Die Auswirkung der Absicht und der inneren Aspekte auf das Verhalten der Menschen

Die Absicht beeinflusst mit seiner Wichtigkeit die Taten und den Glauben der Menschen so, dass das Verhalten der Menschen von seinen inneren Absichten abhängt. Die religiösen Quellen weisen klar auf diese Tatsache hin, und auch die Psychologen und die neuen Wissenschaften haben bewiesen, dass der Glaube, die Gedanken und die inneren Tugenden, sich im Verhalten und den Taten wiederspiegeln. Das, was im Koran als eine „tugendhaft Tat“ bezeichnet wird, ist eine Tat, die vom gesunden Glauben entspringt. Natürlich aber nur, wenn die Tat unter den geeigneten zeitlichen und räumlichen Begebenheiten geschieht. Gott sagt im Koran: „(Alles) Lob gehört Allah, Der das Buch (als Offenbarung) auf Seinen Diener herabgesandt und daran nichts Krummes gemacht hat, * (ein Buch,) das richtig ist, damit er vor harter Gewalt von Ihm aus warne und den Gläubigen, die rechtschaffene Werke tun, verkünde, daß es für sie schönen Lohn geben wird -,* auf immer darin zu verbleiben“[6] Allameh Tabatabaei deutet diese Koranverse so, dass der Koran auf die tiefgündige Bindung zwischen dem Glauben und den Taten hinweist. Dies ist auch die Vormundschaft des Korans.[7] Denn Gott weist in einem anderen Koranvers darauf hin, und sagt: „Und diejenigen, die an Allah und Seine Gesandten glauben, das sind die stets Wahrhaftigen und die Zeugen vor ihrem Herrn. Sie erhalten ihren Lohn und ihr Licht.“[8] In diesem Koranvers wird den Gläubigen das Attribut „صدیق[9] zugeschrieben, was zu den Resultaten des Glaubens zählt. Das Wort „صدیق“ ist die superlaive Form von „صدق“ was Ehrlichkeit bedeutet. Ehrlichkeit ist nicht nur in Worten, sondern auch in der Übereinstimmung der Taten mit den Worten. So gesehen ist ein gläubiger Mensch erfüllt von Ehrlichkeit , und seine Taten bekräftigen seine Worte. Dies ist ein wahres Beispiel für Ehrlichkeit.[10]

Übereinstimmung der Taten mit den innerne Eigenschaften des Menschen

Da zwischen den Eigenschaften des Menschen mit seinen Taten – in allen Bereichen – eine Übereinstimmung herrscht, führt die Bändigung der Triebe des Menschen, dass er auch auf seine Taten acht gibt. Eine Übertreibung in den Instinkten, wie Essen, Schlafen, Sexualtriebe und Völlerei, und allgemein alles, was nicht zu kontrollieren ist, führt zum Niedergang des Menschen. Also ist einer der wichtigsten Aspekte der Tugendhaftigkeit eines gläubigen Menschen, dieser innere Glaube, dass für seinen spirituellen Wachstum sorgt.

Größter Unterschied zwischen den religiösen und den westlichen Gesellschaften in ethischen Fragen

Einer der offensichtlichsten Unterschiede zwischen den religiösen Gesellschaften – die auf Glauben basieren – und den nicht-religiösen Gesellschaften liegt darin, dass in den religiösen Gesellschaften es keine untugendlichen Krisen existieren dürfen. Denn wenn solche ethische Tabubrüche zu beobachten wären, dann wären sie das Resultat des Einflusses der Zügellosigkeit, Religionsungebundenheit und teuflische Versuchungen. Doch in Gesellschaften, die nicht an Religion glauben, werden die Tugenden stark geschädigt, ethische Krisen tauchen vermehrt auf und zwischen Mann und Frau werden die Tabus und Grenzen zerstört. Was wichtig ist, ist das Reinigen der innerne Eigenschaften und deren Ausschmückung mit Tugenden, die dann eine sehr tiefe Bindung zu den Taten haben werden.

 



[1] قُلْ كُلٌّ يَعْمَلُ عَلَىٰ شَاكِلَتِهِ فَرَبُّكُمْ أَعْلَمُ بِمَنْ هُوَ أَهْدَىٰ سَبِيلًا, al-Isra, Vers 84

[2] أی كل واحد من المؤمن و الكافر يعمل على طبيعته و خليقته التي تخلق بها عن ابن عباس و قيل على طريقته و سنته التی اعتادها عن الفراء و الزجاج و قيل على ما هو أشكل بالصواب و أولى بالحق عنده عن الجبائی, Tabarassi, Fazl bin Hassan, Majma´ al-Bayan fi Tafsir al-Quran, Band 6, S. 673, Teheran, Nasser Khosrow, 3. Auflage, 1372 nach dem iranischen Kalender.

[3] فَسَادُ الظَّاهِرِ مِنْ فَسَادِ الْبَاطِنِ وَ مَنْ أَصْلَحَ سَرِيرَتَهُ أَصْلَحَ اللَّهُ عَلَانِيَتَهُ, Zugeschrieben Djafar bin Mohammad, Imam Sadegh, Misbah al Shariah, S. 107, Beirut, A´lami, !. Auflage, 1400 nach dem Mondkalender

[4] قُلْ كُلٌّ يَعْمَلُ عَلى‏ شاكِلَتِهِ, al-Isra, Vers 84

[5] Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 16, Überlieferung 4, Teheran Darol Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[6] الْحَمْدُ لِلَّـهِ الَّذِي أَنزَلَ عَلَىٰ عَبْدِهِ الْكِتَابَ وَلَمْ يَجْعَل لَّهُ عِوَجًا * قَيِّمًا لِّيُنذِرَ بَأْسًا شَدِيدًا مِّن لَّدُنْهُ وَيُبَشِّرَ الْمُؤْمِنِينَ الَّذِينَ يَعْمَلُونَ الصَّالِحَاتِ أَنَّ لَهُمْ أَجْرًا حَسَنًا * مَّاكِثِينَ فِيهِ أَبَدًا al-Kahf, Verse 1 - 3

[7] Tabatabei, Mohammad Hossein, a-Mizan, Band 13, S. 237 – 240, Beirut, Moassissah al-Ilmi lil´Matbouat, 2. Auflage, 1390 nach dem Mondkalender

[8] وَ الَّذينَ آمَنُوا بِاللَّهِ وَ رُسُلِهِ أُولئِكَ هُمُ الصِّدِّيقُونَ وَ الشُّهَداءُ عِنْدَ رَبِّهِمْ لَهُمْ أَجْرُهُمْ وَ نُورُهُم, al-Hadid, Vers 19

[9] wahrhaftig

[10] Makarem Shirazi, Nasser, Tafsir al-Nemuneh, Band 23, S. 349, Teheran, Darol Kotob al-Islamiyah, 10 Auflage, 1371 nach dem iranischen Kalender



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