Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 190398
Datum der Veröffentlichung : 11/10/2017 1:21:00 PM
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Der Aufstand von Imam Hossein zur Errettung der Mensch

Freitagsansprache von 10.11.2017
von Hujjat ul-Islam Ansari

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.


Da wir uns am Ende des Monats Safar befinden und wir in  diesen Tagen den 40. Todestag vom Imam Hussain (a.) beklagen, möchten ich zunächst allen Muslimen mein Beileid ausdrücken. Bitten wir Gott, dass er uns an dem Segen der Millionen Pilgere, die in diesen Tagen nach Kerbela zum Grab des Herrn der Märtyrer pilgern, teilhaben lässt.

Zum Anlass des 40. Todestags (Arbain) von Imam Hussain (a.), möchte ich mich mit einem Satz von Imam Sadiq (a.) aus Ziarah Arbaeen befassen.

Hunderte Denker befassten sich schon mit dem Aufstand von Kerbela, doch die schönste und passendste Darlegung ist von Imam Sadiq (a.). Warum musste Imam Hossein (a.) sein Leben lassen? Warum hat er sein Hab und Gut aufgegeben? Warum opferte er seinen 6 Monate alten Sohn? Imam Sadiq (a.) sagt in Ziarah Arbaeen hierzu: „Hossein (a.) hat sich geopfert, damit die Gesellschaft aus ihrer Unwissenheit und Fehlentwicklung erwacht. Die Menschen waren in Unwissenheit und auf dem Irrweg. Der Herr der Märtyrer sah keinen anderen Ausweg aus dieser Unwissenheit, außer mit dem Vergießen seines eigenen Blutes.

Doch was war dies überhaupt für eine Unwissenheit, in welche die Menschen versunken waren und welche nur mit dem Blut von Imam Hossein (a.) behoben werden konnte? Und eine weitere Frage ist, wie der Aufstand von Imam Hossein (a.) diese Unwissenheit beheben konnte?

Befassen wir uns zunächst mit der Unwissenheit selbst. Der Koran sieht in der Unwissenheit die Ursache vieler Probleme. Als das Volk von Moses (a.) gerettet wurde, und der Pharao ertrank, und das Volk viele Wunder von Moses (a.) gesehen hatte, versammelte es sich um Moses (a.) und sagte: „Oh Moses, mache uns einen Gott, so wie sie Götter haben!"[1], und das, nach alldem, was Moses (a.) für ihre Rechtleitung getan hatte.

Warum baten sie Moses – nach so vielen Wundern und Rechtleitungen – um einen Götzen? Im Koran antwortet er hierauf und sagt: "Ihr seid ja gewiss Leute, die töricht sind.“[2]

Worin lag ihre Unwissenheit? Moses (a.), welcher selbst ein Geschöpf war. Wie kann er denn einen Schöpfer bauen, wo doch auch er nur ein Geschöpf Gottes ist?

Ein weiteres Beispiel sehen wir in der Geschichte des Propheten Yusuf (a.): Die Brüder von Yusuf (a.) warfen ihn in einen Brunnen, und nach 28 Jahren, nach all den Problemen, die Yusuf (a.) erleiden musste und nachdem Yakub (a.) sein Augenlicht verloren hatte, überliefert der Koran, wie Yusuf (a.) – als ihn seine Brüder erkannten –sagte: "Ist euch bewusst geworden, was ihr Yusuf und seinem Bruder angetan habt, als ihr noch Unwissende wart?"[3] Die Unwissenheit eines Neiders führt ihn zur Eifersucht und Eifersucht schadet keinem anderen als dem Eifersüchtigen selbst. Die Unwissenheit ist die Wurzel vieler Übel. Die Ursache für Zügellosigkeit ist Unwissenheit. Der Ursprung für Götzenanbetung ist Unwissenheit. „Unwissenheit ist die Wurzel und Quelle allen Übels“[4]

Es gibt zwei Arten von Unwissenheit: Eine alte und eine neue Form der Unwissenheit, sozusagen eine antike und eine moderne Form. Der Koran sagt uns, dass vor dem Islam eine Unwissenheit herrschte, die die frühere Unwissenheit genannt wurde. Diesbezüglich heißt es in Surah Ahzab in Vers 33

„und stellt euch nicht zur Schau wie in der Zeit der früheren Unwissenheit.“[5]

Es gab also eine frühere Unwissenheit, und die andere Unwissenheit folgte danach.

Worin bestand die frühere Unwissenheit? Die frühere Unwissenheit bestand in Götzenanbetung, Anhäufung von übermäßigen Reichtum dem Drang zum Weltlichen, im lebendigen begraben von Mädchen und in Sinn- und Grundlosen Kriegen.

Der Prophet Mohammad  (s.) kam und dieses  frühere Unwissenheit endete. Der Koran sagt hierzu in Surah Ale-Imran in Vers 103:

„als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte,“[6] und (als) ihr am Rand einer Feuergrube wart und Er euch dann davor errettete.“[7]

Götzenanbetung wurde zu Gottesanbetung, die Differenzen wurden zu Freundschaft, Die lebendigen Begabungen der Mädchen hörten auf. Letztendlich teilten die Bewohner von Medina ihre Häuser mit den Einwanderern aus Mekka. Dies waren die Änderungen in der früheren Unwissenheit, die der Prophet (s.) bewirkt hatte.

Der Prophet Mohammad (s.) verstarb, es verging ein halbes Jahrhundert und im Jahr 61 nach dem Mondkalender überkam die Gesellschaft eine neue Unwissenheit. Diese Unwissenheit war nicht Götzenanbetung, sondern Tyrannenanbetung. Muawiyah befahl, dass Freitagsgebet muss am Mittwoch abgehalten werden, und die Menschen akzeptierten dies. Die Herrscher sagten, es sollten nur diejenigen herrschen, welche die sündigen waren und welche der Prophet (s.) abgestoßen hatte, und die Menschen akzeptierten auch dies. Dies war die neue Form der Unwissenheit, nicht die Unwissenheit der Götzen aus Holz und Stein. Es war Tyrannenanbetung und die blinde Befolgung der Unterdrücker. Diese Unwissenheit benötigte eine neue Revolution. Aus diesem Grund hat Imam Hossein (a.) sich erhoben und begann seine Revolution, und deshalb sagte der Prophet Mohammad (s.): „Hossein ist von mir und ich bin von Hossein“[8] Der Islam ist also mit dem Propheten (s.) geschaffen worden, und fand durch Imam Hossein (a.) seine Fortdauer.[9]

Sehen wir uns weitere Beispiele von der zweiten Welle der Unwissenheit an: „Hashim Mirqal“, einer der Gefährten von Imam Ali (a.), sah in der Schlacht von „Seffin“, einen Jüngling in den Reihen des Feindes, der Imam Ali (a.) beschimpfte. Er ging zu ihm und fragte: „Wen beschimpfst du? Weißt du wer dies ist?“ Er sagte: „Ja, und das mache ich, weil man uns sagte, euer Anführer Ali, Sohn von Abitalib betet nicht. Seht Ihr, wie der Feind propagiert?“ Hashim Mirqal nahm den Jungen an die Hand und sagte: „Komm, ich beweise es dir.“ Er brachte den Jungen zu den eigenen Reihen, und zeigte ihm die Gefolgschaft von Imam Ali (a.), wie z.B. „Oveis“, „Ammar“ und „Malik“. Er sagte: „Sieh, wer auf dieser Seite kämpft, und wer auf der anderen Seite ist. In Intrigenzeiten und wenn der Mensch nicht in der Lage ist, zu unterscheiden, muss er schauen, wer auf welcher Seite kämpft. „Oveis“ und „Ammar“ sind angesehene Persönlichkeiten, die unter der Flagge von Imam Ali (a.) stehen.“ Da gesellte der Jüngling sich die Seite von Imam Ali (a.).


Die zweite Welle der Unwissenheit war, als die Menschen in Scham Imam Sadjad (a.) beschimpften. Es wurde so intensiv Propaganda betrieben, dass ein alter Mann in Scham Gott für die Ermordung von Imam Hossein (a.) dankte.

Imam Hossein (a.) hat sein Leben gelassen, damit er den Menschen diese Unwissenheit nimmt. Und das tat er. Die Revolution von Medina, die Revolution der Tavvabin, die Revolution von Zeyd bin Ali bin al-Hossein geschahen, und die Scham geriet außer Kontrolle, Kufa geriet außer Kontrolle. Imam Hossein (a.) zerstörte diese Unwissenheit und informierte die Menschen.

Dies war jene  Unwissenheit. Gefährlicher als diese Unwissenheit ist, wenn jemand über etwas Bescheid weiß, und es trotzdem verleugnet, die Wahrheit vertuscht und sich als unwissend abgibt.

Es gibt viele Beispiele von denen, die Bescheid wussten und es trotzdem verleugneten. Bei der Ernennung Imam Alis (a.) bei Ghadir Chumm waren „Hassaan“, „Talha“ und „Zubair“ anwesend und wussten Bescheid, doch als es darauf ankam, haben sie so getan, als ob sie nichts wüssten.

Mit Propaganda und der Verbreitung von falschen Informationen führten sie die Menschen in die Irre. Man muss aufpassen und nicht jede Aussage von jeder Person glauben. In der heutigen Welt der Informationsfluten, wo man nur von Daten überhäuft wird, darf man nicht, wenn man nicht in der Lage ist, Recht von Unrecht zu unterscheiden, solche Informationen auf sich wirken lassen.

Wir dürfen uns nicht jeder Information und Vermutung hingeben. Wir müssen aufpassen, was wir in unseren Verstand reinlassen. Wir müssen Acht geben, wer uns die Informationen gibt. Weiß diese Person wirklich Bescheid? In einer Überlieferung sagt der Prophet Mohammad (s.): „Glaubt einem Weisen, der fünf Eigenschaften hat: Einem Weisen, der euch aus fünf Lagen zu fünf Stufen bringt: Von Zweifel zu Gewissheit, von Heuchelei zu Aufrichtigkeit, von Abhängigkeit von der Welt zur Askese, von Arroganz zu Demut, von Unehrlichkeit zu Beratung[10]

 





[1] يَا مُوسَى اجْعَل لَّنَا إِلَـٰهًا كَمَا لَهُمْ آلِهَةٌ, al-A´raf, Vers 138

[2] قَالَ إِنَّكُمْ قَوْمٌ تَجْهَلُونَ, ebenda

[3] قَالَ هَلْ عَلِمْتُم مَّا فَعَلْتُم بِيُوسُفَ وَأَخِيهِ إِذْ أَنتُمْ جَاهِلُونَ, Yusuf, Vers 89

[4] الجهل اصلُ کل شر و معدن کل شر, Gharar al-Hikam, S. 73

[5] وَلَا تَبَرَّجْنَ تَبَرُّجَ الْجَاهِلِيَّةِ الْأُولَىٰ, al-Ahzab, Vers 33

[6] كُنتُمْ أَعْدَاءً فَأَلَّفَ بَيْنَ قُلُوبِكُمْ, al-i-Imran, Vers 103

[7] كُنتُمْ عَلَىٰ شَفَا حُفْرَةٍ مِّنَ النَّارِ فَأَنقَذَكُم مِّنْهَا, ebenda

[8] حسین منی و انا من حسین

[9] نبوی الحدوث و حسینی البقاء

[10] قَالَ لَا تَجْلِسُوا إِلَّا عِنْدَ كُلِّ عَالِمٍ يَدْعُوكُمْ مِنْ خَمْسٍ إِلَى خَمْسٍ- مِنَ الشَّكِّ إِلَى الْيَقِينِ وَ مِنَ الرِّيَاءِ إِلَى الْإِخْلَاصِ- وَ مِنَ الرَّغْبَةِ إِلَى الرَّهْبَةِ وَ مِنَ الْكِبْرِ إِلَى التَّوَاضُعِ وَ مِنَ الْغِشِّ إِلَى النَّصِيحَةِ, Bahar al-Anvar, Band 71, S. 188 – 189


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