Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 2/17/2018 2:52:00 PM
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Lehren aus dem Koran (3) Arroganz und Überheblichkeit


Freitagsansprache von 05.01.2018
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Die Tugenden und Untugenden gehören zu den wichtigen Themen, auf die der Koran besonderen Wert legt. Und deshalb gibt es auch im Koran viele Verse, die diese Themen behandeln. Darin wird gesagt, was eine Tugend ist und was eine Untugend. Welche Maßstäbe gibt es für Tugend und Untugend. Gibt es im Koran auch Beispiele für Tugend und Untugend? Und letztendlich, wie wichtig ist dieses Thema aus der Sicht des Korans?

Beispiele für Tugend und Untugend im Koran

Allgemein kann man sagen: Der Koran hat über all die erwähnten Themen genaue und tiefgreifende Erläuterungen gebracht, die zu gegebener Zeit Forschungsthemen vom Wissenschaftlern und Experten sein können. Was wir hier in Kürze sagen wollen, sind einige Beispiele für Tugenden und Untugenden, wie „Arroganz und Überheblichkeit“.

Bevor wir uns aber damit beschäftigen, sollten wir wissen, dass Tugend jede Form von Eigenschaft ist, die den Menschen zu Fortschritt, Entwicklung und Vollkommenheit leitet. Aus der Sicht des Korans sind Eigenschaften, wie: Weisheit, Keuschheit, Mut, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Geduld, Dankbarkeit, Vergebung, Widerstand und … Tugenden. Untugenden sind dann aus der Sicht des Korans Eigenschaften, die auf Abwegen, Verderbnis, Ungerechtigkeit und Niederträchtigkeit führen. So zählt der Koran Eigenschaften, wie: Neid, Überheblichkeit, Gier, Betrug, Lügen, Verleumdung, Misstrauen … zu den Untugenden.

Arroganz, eine Untugend

Aus der Sicht des Korans ist Arroganz eine Untugend, die zu den meisten – ja sogar allen Untugenden führt. Das arabische Wort „Takabor“[1] kommt von „Kebr“[2]. Es bedeutet, dass der Mensch sich über alles andere sieht, und glaubt, dass er größer als die anderen ist.[3] Ragheb Esfehani schreibt zur Erläuterung dieses Begriffs: „Nur Gott ist es gegeben, arrogant und groß zu sein. Jeder, außer Gott, der dies behauptet, ist ein Lügner und seine Worte sind gelogen“[4]

„Kebr“ ist ein inneres Gefühl, das, sobald es erwacht, „Takabor“ – also Arroganz wird. Das ist eine Art Krankheit und Untugend für die Seele. Die Ethiker sind sich nämlich einig, dass eine Person, in dem diese Eigenschaft erwacht ist, egoistisch und selbstsüchtig wird. In dieser Phase glaubt der Mensch, er sei groß, und seine Taten seien enorm. Daher weist der Koran in vielen Versen auf die verdorbenen Folgen von Arroganz und dessen negativen Nachwirkungen. Ein Beispiel für Arroganz und Überheblichkeit ist der Luzifer, der sich dem Befehl Gottes widersetzte, und sich vor Adam nicht verbeugte. Gott sagt in diesem Zusammenhang: „Und als Wir zu den Engeln sagten: "Werft euch vor Adam nieder!" Da warfen sie sich nieder, außer Iblis. Er weigerte sich und verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen.“[5] Infolge dieser Widersetzung sagte Gott zu Luzifer: „Er (Allah) sagte: "So geh fort von ihm! Es steht dir nicht zu, darin hochmütig zu sein. So geh hinaus! Gewiß, du gehörst zu den Geringgeachteten."[6]

In Anbetracht der genannten Verse ist dieser Widerstand die erste Sünde, die auf der Welt geschehen ist. Und wie Imam Ali (gegrüßet sei er) sagt: Eine Sünde, die 6000 Jahre Gebet dafür vernichtet wurden: „So zieht Lehren daraus, was Allah mit Iblis[3] getan hat, als Er seine ausgedehnten Taten und seine großen Anstrengungen herabsetzte, durch den Hochmut eines einzigen Moments, während er doch Allah für sechstausend Jahre gedient hatte, und dabei ist es unbekannt, ob es aufgrund des Glanzes des Diesseits war oder aufgrund des Glanzes des Jenseits.“[7]

Der Mensch gerät durch Arroganz in Blasphemie

Einer der wichtigsten Botschaften der Koranverse über die Arroganz Luzifers ist, dass die Gefahr von Arroganz so groß ist, dass der Mensch in Unglaube gerät. So wie es in dem Vers: „und verhielt sich hochmütig und gehörte zu den Ungläubigen.“ erörtert wird. Diese Arroganz führte dazu, dass er die Würde verlor und würdelos dastand. Imam Ali sagt weiter: „Daher ist der Feind Allahs dieser Anführer der fanatischen Eiferer und der Vorläufer der Arroganten, der das Fundament des Fanatismus errichtete, und er suchte Allah das Gewand des Stolzes zu entreißen, legte das Kleid der Anmaßung an und entledigte sich des Schleiers der Demut.“[8] Aus diesem Grund hat ihn Gott, wie Imam Ali sagt, erniedrigt: „Seht ihr nicht, wie Allah ihn wegen seines Hochmuts demütigte und ihn wegen seines Dünkels erniedrigte? So machte Er ihn zu einem Vertriebenen im Diesseits und bereitete ihm im Jenseits ein brennendes Feuer.“[9]

 

Was führt zu Arroganz im Menschen?

Ursachen der Arroganz und Überheblichkeit im Menschen sind vielfältig und unterschiedlich. Manchmal ist es Vermögen, manchmal Stellung, manchmal Wissen, manchmal Liebe, manchmal Verwandtschaft und manchmal sogar Gebet. Feyz Kashani schreibt in diesem Zusammenhang: „Überheblichkeit kann manchmal für Wissen, Gebet, Rechtschaffenheit, Beziehung, Aussehen, Kraft und viele andere Hilfeleistungen sein.“[10]

Es steht außer Zweifel, dass Arroganz noch weitere Hilfsmittel hat – so dass einige Gelehrte, wie Mollasadra, den Ursprung der Arroganz die Unwissenheit bezeichnet und schreibt in diesem Zusammenhang: „Arroganz ist einer der Zerstörer … und ihr wahrer Ursprung ist die Unwissenheit“[11]

 

Schlusswort

Da die Arroganz eine gefährliche Krankheit für die Menschen ist, ist es dringend erforderlich, dass sie bekämpft, und vernichtet wird. Es reicht nicht aus, dass man es sich wünscht, sie zu vernichten. „man muss wissen, dass Arroganz zerstörerisch ist, und niemand davor verschont bleibt. Die Zerstörung der Arroganz ist einer der Pflichten des Menschen und es geht nicht allein durch wünschen: es geht nur durch Behandlung.“[12] Der Mensch muss in Taten versuchen, diese Untat zu bekämpfen.



[1] تکبر

[2] کبر

[3] الکبر وضع نفسه فوق قدره، و ظنّ الانسان بنفسه انه اکبر من غیره.(seihe: Ragheb Esfehani, Hossein bin Mohammad,al-Zariah ela Makarem al-Shariah, Band 1, S. 214, eine Forschungsarbeit von abu al-Yazid abu Zeid al Ajami, Kairo, Darol Nashr, 1428 nach dem Mondkalender)

[4] ebenda

[5] وَإِذْ قُلْنَا لِلْمَلَائِكَةِ اسْجُدُوا لِآدَمَ فَسَجَدُوا إِلَّا إِبْلِيسَ أَبَىٰ وَاسْتَكْبَرَ وَكَانَ مِنَ الْكَافِرِينَ, al-Baqara, Vers 34

[6] قَالَ فَاهْبِطْ مِنْهَا فَمَا يَكُونُ لَكَ أَن تَتَكَبَّرَ فِيهَا فَاخْرُجْ إِنَّكَ مِنَ الصَّاغِرِينَ, al-A´raf, Vers 13

[7] إِذْ أَحْبَطَ عَمَلَهُ الطَّوِيلَ وَ جَهْدَهُ الْجَهِيدَ وَ كَانَ قَدْ عَبَدَ اللَّهَ سِتَّةَ آلَافِ سَنَةٍ لَا يُدْرَى أَ مِنْ سِنِي الدُّنْيَا أَمْ مِنْ سِنِي الْآخِرَةِ عَنْ كِبْرِ سَاعَةٍ وَاحِدَة, Nahdschulbalaqe, Predigt 192

[8] فَعَدُوُّ اللّهِ إِمامُ المُتَعَصِّبينَ، و سَلَفُ المُستَكبِرينَ، الَّذي وَضَعَ أَساسَ ‏العَصَبِيَّةِ، و نازَعَ اللّهَ رِداءَ الجَبَرِيَّةِ، وَ ادَّرَعَ لِباسَ ‏التَّعَزُّزِ، و خَلَعَ قِناعَ التَّذَلُّلِ, ebenda

[9] أَ لَا [يَرَوْنَ‏] تَرَوْنَ كَيْفَ صَغَّرَهُ اللَّهُ بِتَكَبُّرِهِ وَ وَضَعَهُ بِتَرَفُّعِهِ فَجَعَلَهُ فِي الدُّنْيَا مَدْحُوراً وَ أَعَدَّ لَهُ فِي الْآخِرَةِ سَعِيراً, ebenda

[10] التکبر ... ثم قد يكون بالعلم، و قد يكون بالعبادة و الورع، و قد يكون بالحسب و النسب و الجمال و المال و القوة و كثرة الانصار و الاتباع, Feyz Kashani, Mohammad bin Shah Morteza, al-Haqaiq – Qarrah al-Oyun, S. 91, eine Forschungsarbeit von Mohsen Aqil, Qom, Darolkotob al-Islamiyah Institut, 2. Auflage, 1423 nach dem Mondkalender

[11] الكبر من المهلكات ‏... و منشأه الاصلى هو الجهل, Sadreddin Shirazi, (Mollasadra), Mohammad bin Ebrahim, Sharh Osul al-Kafi, , Band 1, S. 443, Teheran, Institut für kulturelle Studien und Forschungen, 1. Auflage, 2004

[12] اعلم أنّ الكبر من المهلكات و لا يخلو أحد من الخلق عن شي‏ء منه و إزالته فرض عين و لا يزول بمجرد التمنّي بل بالمعالجة, Feyz Kashani, Mohammad bin Shah Morteza, al-Haqaiq – Al-Muhajat al-Baiza, Band 6, S. 252, Qom, Muassisah al-Nashr al-Islamiya, 4. Auflage, 1417 nach dem Mondkalender


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