Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 65903
Datum der Veröffentlichung : 1/6/2015 2:06:12 PM
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Islamkunde, Teil 133 – Islam und Menschenrechte (Teil: 9)

Freitagsansprache vom 02. Januar 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Aus den letzten Sitzungen wurde klar, dass wenn das Gesetz und die rechtsstaatliche Ordnung einen Ursprung hat, es Zuversicht und Ruhe vermitteln kann. Das liegt daran, dass die göttliche Wissenschaft bei der  Erfassung der Menschenrechte dazu führt, dass alle Aspekte des Daseins, die Kapazitäten und Fähigkeiten beachtet werden.

Gott, der Erhabene, ist der Schöpfer aller Kreaturen einschließlich der Menschen. Daher ist der Ursprung aller "Rechte" von Gott.

Es gibt kein Recht, außer jenem, welches für Gott Gültigkeit hat und sein Recht ist der Ursprung und die Quelle aller Rechte für seine Geschöpfe.

In einer Überlieferung von Imam Ali (as) wird gesagt:

 

"ثُمَ‏ جَعَلَ‏ سُبْحَانَهُ‏ مِنْ‏ حُقُوقِهِ‏ حُقُوقاً افْتَرَضَهَا لِبَعْضِ النَّاسِ عَلَى بَعْضٍ فَجَعَلَهَا تَتَكَافَأُ فِي وُجُوهِهَا وَ يُوجِبُ بَعْضُهَا بَعْضاً وَ لَا يُسْتَوْجَبُ بَعْضُهَا إِلَّا بِبَعْضٍ "

 

"So hat der erhabene Gott einige seiner Rechte für einige Menschen zur Pflicht auferlegt. Einige Rechte folgen aus einigen anderen und sind diesen gleichgestellt. Die Verantwortung gegenüber einer anderen Person oder die Bringschuld resultiert aus der vorangegangenen Tat oder der praktischen Umsetzung."

 

Also hat Gott, der Erhabene, für alles ein Recht bestimmt, welches klar erkannt und daraufhin durchgeführt werden muss

Nachdem dieses wichtige Thema näher beleuchtet wurde, ist es notwendig zu beachten, dass wenn ein Jurist die juristischen Regeln erfassen will, er die Quellen dazu ordnungsgemäß kennen muss. Daraus muss er die rechtlichen Grundlagen extrahieren und durch ihre Hilfe das rechtliche Material erfassen. Wenn jemand beispielsweise Familienrechte, gegenseitige Rechte der Frau und des (männlichen) Ehe-Partners oder die Kinderrechte verfassen möchte, so muss er zuerst zu den Grundlagen der Menschenrechte wie z.B. dem Prinzip der menschlichen Freiheit und der Autorisierung Bezug nehmen. Diese rechtlichen Grundlagen bekommt man aus den Grundlagen, welche das Fundament sind und der Welt der Juristerei gehören. Zweifelsohne ist es durch die Anwesenheit des Propheten, Friede sei mit ihm, oder die der Imame, welche definitiv seine wissenschaftlichen und spirituellen Nachfolger sind, nicht schwer, an Grundlagen der Menschenrechte zu gelangen.

Aber für den Fall, dass dies nicht möglich wäre, muss der helle Weg durch die Offenbarung genehmigt und als Kriterium bestimmt werden. Es muss ernsthaft versucht werden, die für die Verfassung der Rechte grundlegenden Quellen mit Bezug auf Bücher, Sunna, den Verstand und den Konsens zu erreichen. Allerdings ist das Denken einer nicht fehlerfreien Person im Vergleich zu dem einer fehlerfreien nicht von Irrtum und Fehlern verschont. Aber mit größeren Bemühungen kann er ebenso vom Grad der Anerkennung der "Wahrheit" profitieren. Nach einer Auffassung von Imam Ali (as) kann man ohne Anstrengungen und Bemühungen nicht an das Recht und die Wahrheit gelangen.

Zweifelsohne versucht jemand, der ein gesundes Ego besitzt und dessen (einzige) Sorge die Verbesserung der Gesellschaftsangelegenheiten ist, dass der Mensch an ein würdiges Ego gelangt und seiner Stellung kein Schaden hinzukommt. Er versucht noch mit Hilfe der Offenbarung und der Vernunft bei der Verfassung der Menschenrechte die Rechte aller Menschen zu beachten.  

Islamisch gesehen ist die Absicht von solchen Rechten (ethischen Ge- und Verboten) der juristische Garant für die Rechtsgrundlagen. Denn wenn Mitgefühl, Güte, Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit, welche im Ziel der Menschenrechte enthalten sind, nicht zwischen den Menschen existieren, werden die rechtlichen Anforderungen der Gesellschaft nicht erfüllt. Dies ist eines der Probleme, denen die Menschheit heutzutage gegenübersteht.

 

In vielen sich auf die Menschen bezogenen Fällen wie z.B bei den Kinder-, Frauen-, Eltern- und Freiheitsrechten sind zwar gute Regeln aufgestellt worden, welche aber in der Praxis kein Garant für eine gute Umsetzung sind. Um an dieses Ziel zu gelangen, müssten die Verpflichtungen und ethischen Gebote eingehalten werden, welche die beste Sicherheit für die gegenseitige Einhaltung der Rechte und Pflichten von den Menschen in der Gesellschafft sind. Obwohl die Straf- und Bußgeldvorschriften bei Verstößen gegen Gesetze für die Rechtserhaltung und die Einhaltung der Menschenrechte einigermaßen effektiv sind, sind sie dennoch nicht aus- und hinreichend.
Zielführend ist die notwendige Bedingung, dass die Gesellschaft an eine ethische Erziehung gelangt, wodurch jeder auf natürlicher Art und Weise seine Rechte erhält.

Unter allen Umständen sollte versucht werden die weltanschaulichen Grundlagen und den Glauben, der zu dieser (moralisch-ethischen) Erziehung führt, fest in der Gesellschaft zu etablieren und zu beleben.
Daher spielt die Ethik bei der Einhaltung der Menschenrechte eine sehr bedeutende Rolle.

 



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