Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 73614
Datum der Veröffentlichung : 4/25/2015 3:29:44 PM
Aufrufe : 1731

Islamkunde 141 - Islam und Menschenrechte 17

Freitagsansprache vom 10. April 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den vorangehenden Diskussionen wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte näher betrachtet. Nach der Untersuchung des ersten Artikels widmen wir uns im Folgenden der Interpretation des zweiten Artikels der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

"Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist."

In diesem Artikel wird Rassismus vollkommen widerlegt. Diese Aussagen scheinen aber mehr zur Theorie zu gehören, als dass sie einen juristischen Artikel bilden. Ein juristischer Artikel muss nämlich sowohl schlüssig als auch rational und beweisbar sein und vor allem sollten keinerlei Verallgemeinerungen oder Mehrdeutigkeiten darin enthalten sein. Dieser Artikel enthält jedoch Rechte, welche zu unterschiedlichen Bereichen gehören und daher nicht verallgemeinert zusammengefasst werden können.

Folgende Aspekte dieses Artikels müssen jedoch angesprochen werden:

1- Nach dem 13. Vers der heiligen Sure Al-Hujurat wird deutlich, dass der allmächtige Gott alle Menschen ohne jegliche Unterschiede als Mann und Frau erschaffen hat und die Menschen sich auf natürliche Weise fortgepflanzt haben und im Laufe der Zeit aufgrund von unterschiedlichen äußeren und zeitlichen Umständen die Generationen sich in Bezug auf ihre Farbe, Form, Rasse und Sprache verändert haben.

Es ist sehr offensichtlich, dass es in der Natur der Menschen keinerlei Unterschiede gibt und sie sich lediglich in ihrer moralischen Ansicht und göttlichen Tugend voneinander unterscheiden. Weil jedoch allesamt Menschen sind, müssen die Rechte aller Menschen auch immer eingehalten werden.

2- In der heutigen Welt sieht man leider immer mehr, dass Wohlstand als Maßstab für die Wertschätzung einer Person verwendet bzw. beachtet wird. Aus islamsicher Sicht werden Wohlstand und Macht jedoch als Mittel angesehen, der Gesellschaft zu helfen. In diesem Zusammenhang hat seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), folgendes geäußert: "Das Regieren ist in meinen Augen viel weniger Wert als ein zusammengeflickter Schuh, außer ich gestehe demjenigen Menschen das Recht zu, welches ihm auch zusteht und erkläre Ungültiges für gültig." 

Und in Bezug auf das Diesseits hat er folgendes geäußert: "Ich habe mich von der Welt in einem solchen Ausmaß getrennt, dass sie keinen Rückweg zu mir findet." Seiner Meinung nach kann man nämlich niemals die ganze Welt besitzen und wenn man vom Reichtum der Welt absieht, besitzt man auch keinerlei Abhängigkeit von dieser Welt.

3- Aus islamsicher Sicht wurde die Entscheidungsmacht dem Menschen selbst überlassen. Der Mensch kann also frei  wählen, wie er lebt, wo er lebt, wo er arbeitet und jederzeit seine gesellschaftlichen Rechte verteidigen oder Äußerungen machen. Der Islam besteht darauf, dass der Mensch in keiner Phase seine Freiheit, seine Ehre und den Stellenwert seiner Menschlichkeit vergessen darf und immer seine menschliche und spirituelle Identität bewahren muss und sich niemals zum Sklaven anderer Menschen machen darf und die göttliche Gesetzgebung akzeptieren und sich ihr beugen sollte. Mit dieser Entscheidungsmacht kann der Mensch seine Identität bewahren und sein Leben nach seinem Belieben gestalten. Dieses Recht findet auch in allen Dimensionen des Lebens, von der Politik über die Kultur bis hin zur Wirtschaft, Anwendung.

4- Trotz der Tatsache, dass der Mensch Entscheidungsfreiheit und das Recht besitzt, sein Leben nach seinen Wünschen zu gestalten und von seinen Rechten Gebrauch zu machen, besteht im Islam der Rat, dass der Mensch seinen Wohnort und seine Gesellschaft mit dem Ziel der Schöpfung aussuchen sollte, damit seine Religion und spirituellen Werte keinerlei Schäden davon tragen. Wenn der Mensch nämlich an einem Ort wohnt, an dem seine ideologische und spirituelle Identität in Gefahr sind und keinerlei Möglichkeit für die Änderung seines persönlichen Lebens besteht, rät der Islam zur Migration. Mit dieser Migration bemüht sich der Mensch darum, seine Identität zu bewahren und seinen Glauben, seine Moral, seine Spiritualität und seine Rationalität zu entfalten.



Kommentar



Zeige nichtöffentliche