Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 94727
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 2:28:04 PM
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Islamkunde 162 - Islam und moralische Rechte 7


Freitagsansprache von 20.11.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In Bezug auf die menschlichen Körperteile existieren zahlreiche Diskussionen mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen. Unter anderem wird hinterfragt, auf welche Art und Weise man von den menschlichen Körperteilen Gebrauch machen kann, um daraus Nutzen für die Entwicklung und Vollkommenheit zu ziehen? Nach den Lehren des heiligen Korans stellen die menschlichen Körperteile und Körperglieder einen göttlichen Segen dar, wenn sie zu ihrer Zeit und auf angebrachte und angemessene Art und Weise eingesetzt werden. Falls dies aber nicht der Fall ist, so können die einzelnen Körperteile zu Problemen für den Menschen führen. Wir betrachten diese Körperteile meistens jedoch sehr oberflächlich. Wenn aber einem dieser Körperteile ein Problem widerfährt und sie Schmerzen erleiden müssen, beginnt der Mensch erst damit, diesen Körperteil zu schätzen.

Andererseits werden Körperteile und Körperglieder eher selten als ausschlaggebender Faktor für die Glückseligkeit, das Wachstum und die Freude des Menschen betrachtet. In der "Abhandlung der Rechte" (Risalat al- Huquq) seiner Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), werden diese Körperteile aus der Sicht moralischer Rechte betrachtet und die Verpflichtungen und Aufgaben jedes einzelnen bedeutenden Körperteils untersucht. Diejenigen Aspekte, welche mittels seiner Exzellenz (A.S.) in Bezug auf jeden einzelnen dieser Körperteile offenbart wurde, können ein umfangreiches und großes Tor in Bezug auf die Erkenntnisse über diesen Körperteil bieten.

Das Recht des Fußes

In Bezug auf das "Recht des Fußes" äußert seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), folgendes: "Das Recht deiner Füße besteht darin, dass du mit ihnen nicht an Orte gehst, die du nicht betreten darfst, und mit ihnen keinen Weg beschreitest, der zur Entehrung des Reisenden führt, da sie dich tragen und dich in Richtung der Religion bewegen und die Bürde immer vor dir auf sich nehmen. Und es gibt keine Kraft, außer mit der Hilfe und Unterstützung des allmächtigen Gottes."[1]

Aus den anderen Koranversen und Überlieferungen geht auch hervor, dass man jeden einzelnen Körperteil zur Erlangung der Vollkommenheit einsetzen sollte; und dass man alle Körperteile in die richtige und akkurate Richtung und Orientierung erziehen sollte. Der Fuß stellt auch keine Ausnahme dieser Regelung dar, sodass der Mensch sich um die Art und Weise seines Gangs bemühen muss und versuchen sollte, gemäßigt zu laufen – weder stolz, noch unterwürfig. Aus diesem Grund offenbart der heilige Koran in Bezug auf Ebadolrahman und den Geschöpfen des allmächtigen Gottes folgendes: " Und die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten; und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie friedlich (zu ihnen)." (Al- Furqan | 25: 63).

Und in einem weiteren Koranvers offenbart er, dass der Gang des Menschen nicht auf Stolz und Hochmut basieren darf: " Und wandle nicht überheblich auf der Erde; denn du kannst weder die Erde durchbrechen, noch kannst du die Berge an Höhe erreichen." (Al- Isra | 17: 37). Dieses moralische Gebot rührt daher, dass der Mensch sein Wesen und sein Inneres auf eine solche Art und Weise kontrolliert und erzieht, dass er der Wahrheit gegenüber Demut besitzt und sogar in der Begegnung mit anderen Menschen von Demut zeugt. Wenn im Menschen nämlich Stolz, Überheblichkeit, Egoismus und Erhabenheit entsteht, wird dies durch das äußerliche Verhalten des Menschen offensichtlich und deutlich erkennbar.

Derjenige Körperteil, welcher ein stolzes und überhebliches Verhalten am meisten widerspiegelt, ist der "Fuß". Aus diesem Grund werden die moralischen Gebote für diesen Körperteil in Form vom "Recht der Füße" widergegeben. Der Mensch muss aus allen Betrachtungsweisen heraus darauf achten und seine Verpflichtungen und Aufgaben dem Fuß gegenüber erfüllen. Aus diesem Grund gibt es eine interessante Überlieferung über den edelmütigen Propheten (S.A.S.), dass er eines Tages eine Straße durchquerte, in der sich einige Menschen an einem Ort versammelt hatten. Seine Exzellenz (S.A.S.) fragte nach dem Grund dieser Versammlung. Man antwortete: "Es gibt einen Verrückten, der die Menschen mit seinen verrückten und lustigen Taten und Handlungen um sich versammelt hat." Der edelmütige Prophet (S.A.S.) rief die Menschen zu sich und äußerte folgendes:

"Soll ich euch den wahren Verrückten vorstellen?" Alle waren ruhig und hörten mit all ihrer Aufmerksamkeit zu. In diesem Moment offenbarte er folgendes: "Derjenige, der mit Stolz und Erhabenheit wandert und andauernd nach rechts und links Ausschau hält und sein Becken parallel zu seinen Schultern bewegt, derjenige, bei dem die Menschen keinerlei Hoffnung auf Hilfe und Unterstützung haben, und vor dessen Unheil sie nicht bewahrt sind, dieser ist wahrlich der Verrückte. Die Person, die ihr hier betrachtet ist lediglich krank."[2] Aus diesem Grund äußert seine Exzellenz, Loghman, in seinem letzten Willen folgendes zu seinem Sohn: " [...] und schreite nicht mit Heiterkeit auf Erden; denn Allah liebt keine eingebildeten Prahler." (Luqman | 31: 18).

Aus diesem Grund muss man diesen Körperteil als einen göttlichen Segen akkurat einsetzen und ihn nicht von seinem Hauptweg abbringen und fehlleiten. Daher offenbart Imam Sajad (A.S.), dass das Recht der Füße darin liegt, mit ihnen nur von Gott erlaubte Orte zu betreten und sich nicht auf einem islamrechtlich verbotenem Weg zu bewegen und mit den Füßen keinen Weg zu beschreiten, der zur Unterdrückung und Demütigung anderer Menschen führt.

Obwohl die Füße nach außen hin dich als Menschen tragen, liegt deren Kontrolle trotzdem in deiner Hand und du kannst deine Füße in die Richtung des Rechts leiten und mit ihnen den Weg der Religion beschreiten und darauf wandern. Zweifellos rührt jegliche Energie aus der Kraft, mit der der allmächtige Gott die Menschen gesegnet hat. Und mit dieser göttlichen Kraft und Energie sollte man sich auf dem Weg der Rechtleitung bewegen. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden nämlich genau diese "Füße" vom allmächtigen Gott beauftragt, die guten und schlechten Taten des Menschen zu bezeugen und sie gehören unter anderem zu den Zeugen, die Aussagen über die Handlungen des Menschen treffen und diese belegen.

Der heilige Koran offenbart in einem seiner Verse nämlich folgendes: " Heute versiegeln Wir ihre Münder, jedoch ihre Hände werden zu Uns sprechen, und ihre Füße werden all das bezeugen, was sie erworben haben." (Ya- Sin | 36: 65). Eine ähnliche Bedeutung wird im 24. Vers der heiligen Sure An- Nur offenbart. Hier steht folgendes: "[...] an dem Tage, wo ihre Zungen und ihre Hände und ihre Füße gegen sie das bezeugen werden, was sie getan haben." (An- Nur | 24: 24).

Unter Beachtung dieser Aspekte sollte der Mensch mit einer akkuraten und richtigen Erziehung seiner Körperteile diese auf ihren Hauptweg leiten. Der Mensch sollte richtig laufen, er sollte seine Schritte auf dem Weg der Religion Gottes beschreiten und sich mit Demut auf seinem Weg fortbewegen. Außerdem sollte der Mensch sich auf dem Weg der Erfüllung der Wünsche seiner Mitmenschen bewegen. Zweifellos besitzt die Belohnung einer solchen Tat nämlich einen sehr großen Umfang. Über seine Exzellenz, Imam Sadegh (A.S.), wird nämlich überliefert, dass er folgendes gesagt hat: "Es gibt keinen Gläubigen, welcher auf dem Weg der Erfüllung der Wünsche seines frommen und gläubigen Mitmenschen handelt, ohne dass der allmächtige Gott einen Schritt für ihn tätigt und ihn mit einer Belohnung segnet und eine seiner Sünden streicht und ihm einen höheren Rang schenkt."[3] Und in einer weiteren Überlieferung von Imam Sajad (A.S.) wird festgehalten, dass seine Exzellenz in diesem Zusammenhang folgendes offenbart hat: "Du wirst mit deinen Füßen auf der As-Sirat-Brücke stehen[4], pass auf, dass deine Füße dich noch halten können und nicht erzittern und du in die Tiefe des Feuers stürzt."[5]

Demzufolge ist die akkurate Erziehung der Körperteile von großer Bedeutung und man sollte diesen Aspekt nicht leichtfertig und oberflächlich betrachten. Wenn diese Körperteile nämlich auf richtige und akkurate Art und Weise erzogen werden, können alle Menschen die Vollkommenheit erlangen.



[1] Ibn Shobeh Harani, Hassan Ibn Ali. Tohaf Aloghool. S.257. Qom. Jame’eh Modaresin. 2. Auflage. 1363 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[2] Majlesi, Mohammad Bagher. Baharolanvar. Bd. 70. S. 233. Hadith 32. Naghlan En Alkhesal. Beyrut. Dar Ahya Altoras Alarabi. 2. Auflage. 1403 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[3] Koleyni, Mohammad Ibn Yaghoub. Alkafi. Bd. 2. S. 197. Hadith 5. Tehran. Darol Ketabol Eslami. 4. Auflage. 1407 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[4] Die As-Sirat-Brücke stellt die Brücke dar, welche die Menschen (laut islamischer Lehre) im Jenseits beschreiten, um in das Paradies einzutreten.

[5] Ibn Babouyeh. Man La Yahzar Alfaghih. Bd. 2. S. 619. Hadith 3214. Qom. Islamischer Verlag. 2. Auflage. 1413 islamisch-arabische Zeitrechnung).




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