Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 97869
Datum der Veröffentlichung : 5/7/2016 5:06:44 PM
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Die Islamkunde 172, der Islam und ethische Rechte 17


Freitagsansprache von 25.03.2016

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Das „Recht eines Lehrers (Lehrmeister)“ ist einer der weiteren Gesetze die Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) aufgeführt hat. Der Imam beschreibt in kurzen Worten, die strahlende und wunderbare Persönlichkeit eines Lehrers: „Das Recht eines Lehrers muss du achten, wie unter anderem ihn zu ehren und bei seinen Lehrveranstaltungen aufzupassen, und stets aufmerksam bei seinen Vorlesungen ihm zuhören, und deine ganze Aufmerksamkeit ihm zu schenken, und ihm immer zu helfen, damit du viel von ihm Nutzen ziehen kannst. Bereite auf diesem Weg deinen Verstand, deine Intelligenz und deinen Herz voll und ganz vor, und widme ihm gegenüber dein gesamtes Herz und gesamten Verstand. Diese ganzen Dinge können nicht erlangt werden, ohne dass man seine inneren Gelüste und Triebe vertreibt und verbannt, und seinen Verlangen sozusagen „auszuschalten“. Du musst wissen, dass du nachdem du Wissen erlangt hast, verpflichtend bist, es anderen weiterzugeben und einer der besten „Verkünder“(Rasul) für andere bist und nicht dieses Amt betrügst und immer deine Verantwortung Ernst nimmst und stets bei Gott Hilfe ersuchst, denn nur durch Gottes Wille wird dies geschehen.“[1]  In einer kurzen und knappen Erläuterung versuchen wir diese wissensreichen Aussagen zu erklären:

1.      Erstens ist es wichtig zu erkennen, dass die Wissenschaft aus der Sicht des Islams und dem Koran, eine sehr hohe Bedeutung hat. Gott hat dem Propheten bei seiner ersten Koranversoffenbarung genau dies verdeutlicht, indem er besagte: „Lies, in Namen deines Herren, der (alles und die Welten) erschuf.“[2] Und danach eröffnet Gott das Thema „Belehrung und Lehre“: „Derjenige (hier Gott gemeint), der anhand einer Feder (Schreibfeder) belehrt hat. Und dem Menschen, das beigebracht hat, was er vorher nicht wusste.“[3]

2.      In manchen Versen, zeigt sich ein Unterschied, zwischen Wissenden und Unwissenden und besagt: „ Sag: Werden etwa diejenigen die Wissen besitzen, mit denjenigen die kein Wissen besitzen, gleichgestellt? Nur diejenigen, die ihren Verstand benutzen, werden die Ermahnung annehmen (und ermahnt sein).“[4]  In einem anderen Vers wird dies auch nochmal verdeutlicht: „Sag: Ein unreiner und befleckter Mensch (Element) und ein reiner, gereinigter und sauberer Mensch (Element) sind nicht gleich!“[5] Oder in dem Vers: „Ein Blinder und ein Sehender, die Dunkelheit (Finsternis) und das Licht, der kühle Schatten und die prallende (heißen) Sonnenstrahlen, sind niemals miteinander gleich oder gleichzusetzten!“[6] Jedoch ist hierbei zu erwähnen, dass die Wörter wie „Reinheit“, „Sehender“, „Licht“  und „Frische (angenehme Kühle)“ Anspielungen sind, auf das „Wissen“ und die „Wissenschaft“ ist. Die Wörter wie „Unreinheit“, „Blindheit“, „Dunkelheit“ und „Hitze“ sind Aussagen für die „Unwissenheit“ und „Unkenntnis“. Die Menschen sind von Natur aus auch in der Lage, diesen Unterschied zu unterscheiden, da sie an Wissen und der Naturwissenschaft, immer wieder Gefallen fanden. Wissen und Wissenschaft sind Dinge, welche verstandes- und naturgemäß, als etwas Gutes und Positives angenommen werden. Und im Gegenteil wird die Unwissenheit, zu schlechten und negativen Dingen eingestuft. Daher verhalten sich alle Menschen, gegenüber eines Wissenschaftlers und der Wissenschaft selbst, demütig, bescheiden und vor allem hochachtungsvoll. Aus diesem Grunde erwähnt auch Gott in weiteren Versen des Korans, die hohe Stellung der gebildeten und wissensreichen Gläubigen und Tugendhaften: „Gott bereichert denjenigen, die Gläubig sind und denjenigen, denen Wissen gegeben wurde, hoch stehende Stellungen und Positionen.“[7]

Die wichtigsten Rechte eines Lehrers

Eines der wichtigsten Punkte über die Wissenschaft selbst, ist das man die Rechte des Lehrers befolgt und vor allem auch einhält. Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) besagt in seinem „Risalat al-Hughugh“ hierbei folgende Punkte:

1.      Hochachtung und Demut gegenüber dem Lehrer zu haben.

2.      Beistandssuche beim Lehrer bezüglich bildender und wissensreichen Sachverhalte.

3.      Vollkommene Konzentration während der Lehrstunde und Vorbereitungen dazu, die Aufnahmekapazität der Gedanken einzuordnen und bereit zu machen, was im Prinzip eigentlich heißt, dass man seine eigenen Fähigkeiten wachsen lässt.

4.      Umsetzen der Sachverhalte, welche man vom Lehrer beigebracht bekommen hat, das heißt dementsprechend, dass man ein Vertreter seinerseits (des Lehrers) ist, um anderen Menschen auch diese Dinge zu lehren und mitzuteilen.

Im Buch „Makarim al-Akhlagh“ von Imam Sajjad, werden auch noch weitere Rechte in Bezug auf den Lehrer angeführt: „Erhebe nicht deine Stimme vor deinem Lehrer und gebe niemals selbst die Antwort zu seiner gestellten Frage, bis er selbst diese noch nicht beantwortet hat, spreche nicht während seines Unterrichtes und lästre nicht, sondern verteidige ihn, wenn andere über ihn schlecht reden. Verhülle seine schlechten Seiten und zeige seine Guten! Verkehre nicht mit seinen Feinden, sondern sitze mit seinen Freunden zusammen! Wenn du diese Dinge einhältst, werden die Engel bezeugen, dass du nach der Musik von Gott „spielst“ (auf seine Dinge hörst und beachtest) und das Wissen des Lehrers wegen Gott ersucht und erlernt hast, nicht wegen den Menschen.“[8]

Wenn man sich diese glanzvolle Redeweise des Imams (Friede sei auf Ihn) genau betrachtet, kann man diese Rechte  in folgenden Abschnitten zusammenfassen:

1.      Man sollte nicht die eigene Stimme gegenüber dem Lehrer erheben.

2.      Während jemand etwas über den Lehrer fragt, nicht voreilig diese zu beantworten, bevor er dieses nicht selbst getan hat.

3.      Während seines Unterrichtes still zu sein und nicht mit anderen zu reden, denn dies ist sehr unhöflich!

4.      Man sollte nicht über eine Person lästern, wenn der Lehrer dabei ist, was natürlich nicht heißt, dass es bei anderen erlaubt ist dies auszuüben, sondern bekräftigt nochmals die Hochachtung und Ehrung des Lehrers.

5.      Wenn jemand über den Lehrer negative Dinge erzählte, sollte man ihn verteidigen.

6.      Die Makel und Macken des Lehrers zu verhüllen und zu bewahren.

7.      Die Güte und Wohltat des Lehrers offen zu zeigen und kundtun.

8.      Nicht mit seinen Feinden zu verkehren.

9.      Mit jemanden, welcher als Freund des Lehrers bekannt ist, nicht zu verfeinden.

Wir hoffen, dass uns Gott die Erlaubnis gibt, diese Rechte bezüglich des Lehrers aufrecht zu halten, denn er ist es, der den Verstand und die Gedanken den „Gang gibt“ und dem Lehrling beibringt, wie man wirklich aus dem Verstand, richtig Gebrauch machen kann.



[1] Ibn Shabe Harani, Hassan ibn Ali, Tohaf al-Ughul, Seite 260, Qom, Jame Modarresin, Zweite Auflage, Jahr 1404 (Mondjahr).

[2] Sura Alagh, Vers 1.

[3] Sura Alagh, Vers 5 und 4.

[4] Sura Az-Zumar, Vers 9.

[5] Sura Al-Maida, Vers 100.

[6] Sura Fatir, Vers 19 bis 21.

[7] Sura Al-Mujadila, Vers 11.

[8] Tabarsi, Hassan ibn Fadhl, Makarim al-Akhlagh, Seite 420, Qom, Intisharat Sharif Radhi, Vierte Auflage, Jahr 1412 (Mondjahr).



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