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Redner: Hojjatoleslam Dr. Seyyed Mohammad Nasser TaghaviToleranz in den himmlischen Religionen (Teil 9)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Frömmigkeit ist die Gesamtheit alles Guten In einer Überlieferung wird berichtet, dass jemand zum Propheten des Islam (s.a.s.) sprach: „O Ge-sandter Gottes, ich habe viele Überlieferungen von dir gehört, aber ich fürchte, dass ich sie alle verges-se. Sag’ mir einen Satz, der alle diese Überlieferungen zusammenfasst.“ Daraufhinsprach der Prophet zu dieser Person namens Yazid ibn Salmeh Ja’ani: „Sei fromm und Gott dankbar für das, worüber du Kenntnis hast.“ Wir haben uns mit dem Thema Toleranz beschäftigt und in diesem Zusammenhang das Verständnis von Toleranz aus der Sicht des Heiligen Qur’an und der außerqur’anischen Gottesüberlieferungen (Hadth qudsi) bereits erörtert. Nun wollen wir einen Blick auf die Überlieferungen zu diesem Thema werfen.
Es gibt viele Überlieferungen und Aussprüche von den islamischen Persönlichkeiten bezüglich der Toleranz, von denen wir hier einige erwähnen wollen. Bevor wir diese Überlieferungen direkt behan-deln, sollen wir den wichtigen Punkt erwähnen, dass es im Themenbereich der islamischen Ethik, gleich ob es um die individuelle oder die gesellschaftliche Moral geht, einige Begriff gibt, die im di-rekten Zusammenhang mit dem Toleranzbegriff stehen. Deshalb erscheint es angebracht, zunächst die verschiedenen Begriffe kurz zu erwähnen. Begriffe, die mit der Toleranz eng verbunden sind 1. Freundlichkeit „Wo Freundlichkeit angemessen ist, sollte man Freundschaft schließen.“
„Wenn jemand im Leben keine Nachsicht übt und vor vielen (erträglichen) Dingen nicht die Augen verschließt, für den wird das Leben unangenehm.“ (Ghoraru-l-Hikam, Bd. 5, S. 455). 3. Nachgiebigkeit oder Umgänglichkeit „Begegne ihnen mit Nachgiebigkeit und behandle sie beim Grüßen und in allen Dingen gleich, selbst beim Anschauen, damit die Einflussreichen nicht auf den Gedanken kommen, ungerecht zu werden, und die Armen nicht an deiner Gerechtigkeit zweifeln.“ (Nahju-l-Balaga, Brief Nr. 46). Außerdem empfiehlt Imam þAlÍ Nachgiebigkeit in der individuellen und der gesellschaftlichen Moral und erklärt deren positiven Ergebnisse z. B. in folgenden Aussprüchen: „Bei Nachgiebigkeit werden die Menschen ruhig und mit dir vertraut.“ „Mit jemandem, der einen freundlichen Umgang pflegt, soll man Freundschaft schließen.“ „Wer nachgiebig und freundlich ist, wird viele Freunde haben, 4. Verzeihen (afw) In islamischen Überlieferungen sehen wir, dass es empfohlen wurde, sich im Leben verzeihend zu ver-halten, wie aus diesen Worten des Propheten des Islam (s.a.s.) deutlich wird: „Übt Verzeihen, denn Verzeihen verursacht Ehre und Ansehen für den Menschen. Deshalb verzeiht einander, damit Gott euch vor den anderen Menschen liebenswürdig macht.“ Diese Eigenschaft des Vergebens und Verzeihens ist jedoch in ihrer Vollkommenheit bei Gott zu fin-den, der Erste, der sich „Verzeihender“ nannte. Imam Sajjad (a.s.) hat diese Eigenschaft in einem Bittgebet erwähnt: 5. Stillschweigendes Übergehen (Safh) Hier sehen wir, dass Gott von uns Verzeihen und stillschweigendes Übergehen erwartet, und Er ver-spricht uns Sein Verzeihen, wenn wir diese Eigenschaft in uns manifestieren. Gott hat Seinem Prophe-ten (s.a.s) im Hinblick auf die Götzendiener diese Eigenschaft oft empfohlen, wie z. B. in Sure az-Zu¿ruf, Vers 89, wo es heißt: Und in Sure al-¼iºr, Vers 85, spricht Gott: „…Darum übe Vergebung in schöner Weise.“ Die Linguisten erklären den Begriff „Safh“ so, dass der Sünder bzw. derjenige, der einen Fehler be-geht, nicht getadelt wird. Das empfiehlt Gott Seinem Propheten, und das ist eine Eigenschaft und Me-thode Mu½ammads (s.a.s.) oder vielmehr aller Propheten Gottes. Im Heiligen Qur’an lesen wir über die Geschichte Josefs (a.s.), dass seine sündigen Brüder, nachdem sie Josef in den Brunnen geworfen hatten, ihren Vater belogen haben, und Josef ihnen darauf hin nicht nur verzieh, sondern auch sprach: Deshalb steht Èaf½ über þafw, denn stillschweigendes Übergehen ist immer auch Verzeihen, aber nicht jedes Verzeihen ist gleichbedeutend mit stillschweigendem Übergehen. Æaf½ bedeutet ein Stillschwei-gen ohne jeglichen Tadel, wie Imam Reza (a.s.) sagte: „Æaf½ ist stillschweigendes Übergehen ohne Tadel.“ Selbstverständlich stellt dieser Begriff (Èaf½) ohne Wenn und Aber eine Notwendigkeit dar für eine vollkommene Toleranz. Dieses Thema werden wir, so Gott will, bei nächster Gelegenheit fortsetzen. Möge Gott uns die Eigen-schaften des Verzeihens und des nachsichtigen Übersehens schenken und uns Seine Barmherzigkeit gewähren; Gott, Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen. Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen. |