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Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums HamburgDas qur’anische Menschenbild (Teil 5)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Die menschliche Natur ist ein Bereich der Anthropologie, mit dem sich viele Denker befasst haben. Manche sind der Ansicht, dass die wahre Substanz und Natur des Menschen nicht durchschaut werden kann, und andere meinen, dass diese von Mensch zu Mensch verschieden ist. Mit Substanz und Wesen des Menschen ist das gemeint, was dem Menschen eigen ist und nicht das, was Mensch und Tier gemeinsam ist. Hier stellt sich die Frage, wie die Gattung Mensch beschaffen ist? Ist der Mensch zu Kenntnis und Perzeption in der Lage, und besitzt er Neigungen und Fähigkeiten, die ihn über das Tier erheben?
Die erste Besonderheit des Menschen besteht darin, dass er über das Tier erhaben ist, indem seine Neigungen und sein Scharfsinn weit über die Fähigkeiten der Tiere hinausgehen. Der Mensch kann abstrahieren, Schlussfolgerungen ziehen und strebt zur Ewigkeit. Tiere verfügen zwar über ein gewisses Bewusstsein, doch übertreffen sie nie das der Menschen in seiner Vielfalt und seinem Ausmaß - so sind z. B. Wissen und Technologie den Menschen eigen. Eine weitere Besonderheit der menschlichen Natur ist, dass sie nicht erworben, sondern angeboren ist. Mann kann sie nicht lernen, durch Ausbildung erwerben oder mittels gesellschaftlicher oder anderer äußerer Faktoren eingeflößt bekommen. Sie ist mehr oder weniger in allen Menschen vorhanden, wobei nur die Stärke und die Stufen variieren. Des Weiteren ist diese in allen Menschen gegenwärtige Natur unvergänglich, denn sie bildet die Identität und Grundlage des Menschen und ist folglich nicht von ihr zu trennen. Diese Besonderheiten der Neigungen, Wahrnehmung und Fähigkeiten des Menschen sind allen Menschen eigen, wie die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen.
Der Mensch verfügt über ein gewisses System der Wahrnehmung und Perzeption, er vergleicht die wahrgenommenen Gegebenheiten und zieht Schlüsse daraus. Nachdem er sich ein Bild von diesen Gegebenheiten gemacht hat, versteht er die Dinge richtig, wie z. B. die Schlussfolgerung, dass das Übergeordnete größer ist als das Untergeordnete. Hierfür braucht er keinen Beweis, solche Dinge sind trivial.
Alle Menschen haben der Tierwelt übergeordnete Neigungen. Sie streben nach Wissen, Wahrheit, Tugend, Vollkommenheit, Schönheit, Ewigkeit und Anbetung. All dies sind Beispiele von Neigungen, die bereits in der menschlichen Veranlagung liegen. Der Mensch hat überdies inhärente Fähigkeiten z. B. zum Erlernen von Sprachen oder Kommunikation mittels Worten. Es gibt Qur’anverse, die diese allgemeinen Neigungen, Wahrnehmungen und Fähigkeiten des Menschen behandeln. Ein Vers, der sich z. B. mit dem immanenten Wahrnehmungsvermögen befasst, ist der folgende: „Er gewährte ihr den Sinn für das, was für sie Unrecht und was für sie Recht ist.“ Dies ist in allen Menschen gegeben, und es gibt niemanden, der Lügen für gut oder die Wahrheit für schlecht hält. Diese Kenntnis begleitet ihn seit seiner Kindheit und ist in seiner Veranlagung präsent. Er weiß, dass Tugend gut und Niederträchtigkeit schlecht ist. Wer in sich selbst hineinsieht, entdeckt diese Wahrheiten und ist sich seiner selbst bewusst.
Hinsichtlich der Aspekte die erwähnt wurden, ist sich der Mensch also über einiges bewusst. Er ist sich über sich selbst und seine Eigenschaften bewusst, er nimmt sie wahr und versteht sie. Diese Kenntnis ist wichtig und wurde von der Religion nicht vernachlässigt. Aus dem Qur’an und anderen authentischen Schriften kann man vieles über den Menschen lernen. Der Mensch ist befähigt, seine Talente und Kapazitäten richtig zu erkennen und sich um ihre Entfaltung zu bemühen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
Anmerkungen: Pascal ist der Überzeugung, dass konventionelle Methoden der Kenntnisgewinnung keine korrekte Kenntnis von Menschen liefern können, und dass die Religion, die den einzigen Weg der Menschenkenntnis darstellt, ihn umsomehr mystifiziert und geheimnisvoll und verborgen wie Gott selbst erscheinen lässt. S. Ernst Cassirer: Falsafe wa farhang (Philosophie und Kultur), S. 34-36.
Wie z. B. der Soziologe Émile Durkheim, der Existenzialist Jean-Paul Sartre und Philosophen wie Friedrich Hegel oder Richard Palmer. S. Leslie Stevenson: Haft naãariye dar bÁb insÁn (Original: Zehn Theorien über die Natur der Menschen), S. 136-138.Sure ash-Schams, Vers 8. |