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Redner: Ayatollah Dr. Reza RamezaniDie Bedeutung der Qur’anrezitationDer Heilige Qur’an (Teil 5)
Die Bedeutung der Qur’anrezitation
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Zu den Pflichten, die dem Heiligen Qur’an zufolge dem Propheten (s.a.s.) aufgetragen wurden, gehörte die Verlesung der göttlichen Verse für die Menschen:
„…verlies ihnen die (von Gott offenbarten) Verse…“[1]
Jeder Muslim, der sich mit dem Heiligen Qur’an vertraut machen möchte, muss ihn lesen und sich an die darin enthaltenen Regelungen und Gebote halten. Die Qur’anrezitation hat nicht nur gewisse Regeln, sondern auch einen besonderen Sinn. Es wurde gesagt, dass man den Heiligen Qur’an so lesen soll, als würde man den Angebeteten vor Augen haben, denn diese Schrift ist die Manifestation der erhabenen Wahrheit. So sollte man sein Herz und seine Seele für den Anblick Gottes rüsten; und es ist besonders wichtig, dass man während des Lesens das Gefühl der Gegenwärtigkeit und Nähe des Angebeteten hat. Durch diese Nähe wird sich der Mensch nie mehr ängstlich und beunruhigt fühlen. Von Imam SaººÁd (a.s.) wurde überliefert:
لومات من بين المشرق و المغرب لما استوحشتُ بعد ان يکون القرآن معي
„Sollten alle Menschen im Westen und Osten sterben, werde ich die Einsamkeit nicht fürchten wenn der Heiligen Qur’an bei mir ist.“[2]
Wer während der Qur’anrezitation mit seinem inneren Auge des Herzens Ihn erblickt, Der Sich in diesen Versen manifestiert, der hat den wahren Sinn des Qur’anlesens erreicht. Dies wurde auch bezüglich des Gottesdienstes gesagt, nämlich dass der Betende den Angebeteten mit den Augen
seines Herzens sehen sollte. Allerdings ist auch die Qur’anrezitation eine Form der Anbetung, und das eben Gesagte kann folglich auch für den Qur’anleser gelten. Selbstverständlich wird der Mensch
die Gegenwärtigkeit und Anwesenheit deutlicher spüren, je größer seine Erkenntnis, sein Wissen und seine seelische Bereitschaft sind. Damit der gläubige Mensch zu dieser Weisheit gelangt und den Angesprochenen und Angebeteten erblickt, darf er nur die Wahrheit lieben und nichts außer der Wahrheit Zutritt zu seinem Herzen gewähren, so dass er niemals besorgt oder beunruhigt sein wird. Imam Husayn (a.s.) sagt im Bittgebet für den Tag von Arafah: ماذا وجد مَن فقدك، وماالذی فقدمنوَجَدك. لقد خابَ مَن رَضِیَدونک بدلاً
„Was findet der, der Dich vermisst? Und was vermisst der, der Dich findet? Enttäuscht war der, der mit einem Ersatz statt Deiner zufrieden war, und verloren war der, der sich von Dir abwandte.“
Von Imam SaººÁd (a.s.) ist überliefert, dass er immer dann, wenn er den Ausdruck
إذا قرأ " مالك يوم الدين " يكررها حتى كاد أن يموت
„Alleinherrscher am Tag des Jüngsten Gerichts“ las, diesen so wiederholte, als wäre der Tod ihm nah. Imam Ali (a.s.) sagt über das Erscheinen Gottes im Heiligen Qur’an:
فَتَجَلَّى سُبْحَانَهُ لَهُمْفِي كِتَابِهِ مِنْ غَيْرِ أَنْ يَكُونُوا رَأَوْهُ
„Gott, der Erhabene, hat sich für seine Diener in diesem Buch manifestiert. Sie sehen das Buch Gottes und lesen es, doch Gott sehen sie nicht.“[3]
Der Begriff der Manifestation ist einer der schönsten und feinsten Begriffe der wertvollen islamischen Kultur. Er besagt, dass Gott, der Erhabene, eine Wahrheit aus der Welt der Verborgenheit herabgesandt und auf die Ebene unseres Verstands gebracht hat, um sie uns zu erläutern. Diese Manifestation ist jedoch keine Absonderung oder Trennung. Der Heilige Qur’an wurde im Monat Ramadan herabgesandt, und während seine Wahrheit immer bei Gott sein wird, wurde er so vereinfacht, dass die Menschen seine Worte lesen und benützen können. Absonderung würde hingegen bedeuten, dass etwas, was herabgekommen ist, nicht mehr oben, d. h. bei seinem Ursprung, ist, wie z. B. Regen, der nicht mehr am Himmel ist, wenn er herabfällt und nicht unten ist, wenn er noch oben ist.
Als Beispiel für die Manifestation kann man den Todesengel anführen, der dem Sterbenden erscheint und sich zugleich in einer höheren Position befindet. Imam SaººÁd (a.s.) beschreibt dies wie folgt:
تَجَلّى مَلَكُ الْمَوْتِ لِقَبْضِهَا مِنْ حُجُبِ الْغُيُوبِ
„Wenn der Engel des Todes sich von hinter den Schleiern der verborgenen Dinge enthüllt, um die Seelen zu packen…“ [4]
Anschließend fleht der Imam (a.s.) Gott an, uns an jenem Tag Barmherzigkeit zu erweisen. Ein weiteres Beispiel für Manifestation ist die Geschichte von Moses (a.s.) im Heiligen Qur’an, wo Gott zu ihm sprich:
„…als nun sein Herr dem Berg erschien, da ließ Er ihn zu Schutt zerfallen, und Moses stürzte ohnmächtig nieder.[5]
Der Qur’anleser muss sich also bemühen, den wahren Sinn dieser Schrift zu erfassen, damit er zu den Engeln, Gottes Boten, gesellt wird, wie überliefert wurde:
الحافظ للقرآن العامل به مع السفرة الكرام البررة
„Wer den Heiligen Qur’an auswendig kennt und ihn in die Tat umsetzt, wird zu den edelmütigen, rechtschaffenen Boten gesellt.“[6]
Die Größe, die dem Heiligen Qur’an zugeschrieben wird, zeugt davon, dass seine Wahrheit am Tag der Auferstehung an den Reihen der Muslime, Propheten, Engel, Weisen und Märtyrer vorbeigehen wird wie eine leuchtende menschliche Gestalt. Alle werden bezeugen, dass sie ihn kennen und dass er zu ihnen gehört, doch er wird an ihnen vorbeigehen, bis er den erhabenen Herrn erreicht. So wird dieser Heilige Qur’an denjenigen Fürsprache leisten, die seine Position und seine Würde erkannt und geehrt haben, und seine Fürsprache wird zweifellos von Gott erhört. Deshalb sollte unser Umgang mit dem Heiligen Qur’an in respektvoller Ehrfurcht erfolgen. Wir sollten uns stets bemühen, uns gänzlich dem Heiligen Qur’an zu widmen. Jemand, dessen Seele und Wesen im Heiligen Qur’an wurzelt und mit ihm im Einklang ist, der hat eine gute Stellung, während ihm diese gute Stellung vom Herrn verwehrt wird, wenn seine Seele und sein Wesen nicht mit dem Heiligen Qur’an im Einklang sind. Wir sollten unsere Gedanken und Taten an den Anweisungen des Heiligen Qur’an messen und sie entsprechend ausrichten, damit unsere Seele und unser Leben wahrhaft qur’anisch werden. Möge uns Gott, der Erhabene, zum Heiligen Qur’an und der Familie des Propheten (s.a.s.) gesellen, die Er uns anempfohlen hat. Und der Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und Seine Segnungen.
Fußnoten:
[1] Sure Al-Imran, Vers 164.
[2] Al-Kafi, Bd. 2, S. 602.
[3] Nahju-l-Balagha, Ansprache Nr. 147.
[4] As-Sahifah as-Sjjadiyyah, Bittgebet Nr. 42.
[5] Sure al-Araf, Vers 143.
[6] Al-Kafi, Bd. 2, S. 603.
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