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Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums HamburgDas qur’anische Menschenbild (Teil 7)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In der letzten Ansprache stellten wir fest, dass eine Gruppe von Menschen die Existenz jeglicher natürlichen, den Menschen gemeinsamen Veranlagung ablehnen, während andere an gemeinsame Prinzipien glauben; letztere kann man in zwei Gruppen unterteilen. Einerseits gibt es diejenigen, die der Überzeugung sind, dass der Mensch von Natur aus zum Bösen neigt. Hobbes z. B. glaubt, dass der Mensch nur auf seinen eigenen Profit aus ist und einem Wolf gleicht.[1] Laut Freuds Theorie sind die Neigungen der Menschen auf den Geschlechtstrieb und Aggression zurückzuführen.
Das Christentum sieht den Menschen als grundsätzlich sündhaft an und ist der Überzeugung, dass alle Menschen an der ersten Sünde, d. h. der Sünde Adams (a.s.), Anteil haben und von dieser Unreinheit geläutert werden müssen. Jesus (a.s.) wurde demnach getötet, um die Christen von dieser in ihnen veranlagten Ursünde zu reinigen. Dabei ist die Läuterung von der Sünde einer Bedingung unterworfen: die Christen müssen sich Jesus (a.s.) anschließen, indem sie ihm ihren Glauben schenken und religiöse Rituale wie die Taufe verrichten.[2]
Selbstverständlich kann man Motivationen wie den persönlichen Vorteil, Profitgier und Geschlechtstrieb nicht abstreiten, doch zu glauben, dass diese Neigungen im Menschen dominieren und seinen Charakter und seine Taten bestimmen, zeugt von einer begrenzten, einfältigen und unrealistischen Sichtweise vom Menschen. Der Mensch ist zu vielfältig, um derart oberflächlich analysiert zu werden. So sind wir der Überzeugung, dass man, wenn man vom Menschen spricht, sich an der göttlichen Offenbarung orientieren soll, denn sein Schöpfer bietet mit der Offenbarung die genaueste und allgemeingültigste Kenntnis vom Menschen, analysiert seine verschiedenen existenziellen Aspekte und vermittelt darüber hinaus Wissen über seine wahren Bedürfnisse.
Dem gegenüber steht eine Gruppe von Wissenschaftlern, die der Überzeugung sind, dass der Mensch von Natur aus rein ist und zum Guten neigt. Jean-Jacques Rousseau z. B. ist der Überzeugung, dass der Mensch eine natürliche Güte besitzt und seine Überschreitungen schädigenden gesellschaftlichen Umständen zuzuschreiben sind. Einige Philosophen wie Maslow und Rogers, und auch manche Anhänger der Freudschen Theorie wie Fromm und Erikson sind derselben Überzeugung.[3]
Die Philosophen, die sich mit Gott befasst haben, haben ein ähnliches Bild von ihm, denn sie wissen den Menschen durch seinen Verstand ausgezeichnet und sehen ihn als ein Wesen mit der Fähigkeit zum Denken und Reflektieren an. Ihrer Ansicht nach ist der Verstand nämlich eine Kraft, die alle Neigungen und Wünsche des Menschen kontrollieren und ihm somit ein geeigneter Wegweiser zur Glückseligkeit sein kann. Die Gnostiker erachten die menschliche Essenz höheren Welten zugehörig und sind von der Reinheit der Natur der Menschen überzeugt. Alle göttlichen Religionen sehen den Menschen als ein Wesen mit einer reinen Veranlagung an. Wäre er von Natur aus böse, wäre seine Rechtleitung durch die Propheten sinnlos und das Herabsenden von göttlichen Schriften ungerechtfertigt. Begriffe wie Freiheit, Aufgabe, Verantwortung, Leiden und Prüfung basieren auf dieser positiven Sicht vom Menschen als einem Wesen, das über eine Veranlagung verfügt, die ihn rechtleiten kann. Darum vertreten die göttlichen Religionen die Meinung, dass der Mensch Gottes Stellvertreter auf der Erde ist und dass seiner Natur eine hohe Auszeichnung inhärent ist. Er wurde mit gewissen Eigenschaften geschaffen und so lobt sich Gott selbst nach der Schöpfung der Menschen:
„…So sei denn Gott gepriesen, der beste Schöpfer.“[4]
Der Mensch hat Eigenschaften, die die Tierwelt übersteigen, und die man Veranlagung nennt. Durch sie kann man ihn von anderen Lebewesen unterscheiden und seine hohe Position und Würde erkennen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
Anmerkungen:
[1] Manche Kommentatoren dieser Theorie schreiben dies allerdings nicht Thomas Hobbes zu. (Siehe „Hobbes“, Richard Tuck, S. 87. Persische Übersetzung von Hussein Baschiriya).
[2] Siehe „Christliche Theologie“, Thomas Michel, S. 77; „Die christliche Religion“, Brian Wilson, S. 140 und 144.
[3] „Der Mensch im Islam und in den westlichen Religionen“, Ali Asghar Halabi, S. 158.
[4] Sure al-Mu’minÚn, Vers 14.
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