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Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 15.01.2010 - Das qur’anische Menschenbild (Teil 8)
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Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Das qur’anische Menschenbild (Teil 8)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Wir setzen unsere Erörterung der natürlichen Veranlagung fort und stellen fest, dass auch der Heilige Qur’an und Überlieferungen bezeugen, dass es eine den Menschen gemeinsame, natürliche Veranlagung gibt. Sie weisen überdies darauf hin, dass in den verschiedenen Aspekten des Menschen, wie z. B. seinen Neigungen, Weltanschauungen und Fähigkeiten, ein gewisses Potenzial liegt.
 
 
Das arabische Wort für „Anlage“ und „Veranlagung“ (Fitra -فطرة ) bedeutet wörtlich übersetzt „Erschaffung“, „Erfindung“, „eine Eigenschaft, die jedes Wesen besitzt, wenn es geschaffen wird“, „Veranlagung“, „Natur“ und dergleichen.[1] Aufgrund seiner Bedeutung kann man diesen Begriff auf alle Lebewesen anwenden, er wird jedoch nur für den Menschen gebraucht und bedeutet dann „menschliche Eigenschaften“. Dieser Begriff und seine Ableitungen kommen wiederholt im Heiligen Qur’an vor und bedeuten dort „Erschaffung“ und „Schöpfung“. Dem seligen Allameh Tabataba’i zufolge bedeutet dieses Wort lediglich: „Entstehung aus dem Nichtsein“.[2] Der Begriff „Fitra“ wurde nur einmal im Heiligen Qur’an verwendet, und zwar in Bezug auf Menschen und mit direktem Bezug auf Gott:
 
 „So richte Dein Antlitz auf den Glauben wie ein Aufrechter (und folge) der natürlichen Veranlagung, mit der Gott die Menschen die Gott geschaffen hat. Es gibt kein Ändern an Gottes Schöpfung. Das ist der beständige Glaube. Allein die meisten Menschen wissen es nicht.“[3]
Dieser Vers berichtet eindeutig von der Existenz einer Art der göttlichen Veranlagung im Menschen. Erst diese Veranlagung macht für die Religion empfänglich. Gott, der Erhabene, hat die Propheten ausgesandt, damit sie mittels ihres Aufrufs zum Glauben die in den Menschen verborgenen Wahrheiten entfalten. Damit sind allerdings nicht alle der menschlichen Veranlagung inhärenten Eigenschaften gemeint. Diese Eigenschaften werden vielmehr in zwei Gruppen unterteilt, wovon nur eine allen Menschen gemeinsam ist, während die andere Gruppe aus individuellen Eigenschaften besteht. Die gemeinsamen Eigenschaften weisen auch alle anderen Lebewesen auf und können deshalb nicht der Veranlagung zugeschrieben werden; dazu gehören z. B. Hunger, Müdigkeit, Geschlechtstrieb und dergleichen, die Mensch und Tier eigen sind, und wobei es sich um Instinkte handelt.
 
Die natürliche Veranlagung umfasst Eigenschaften, die dem Menschen eigen und nicht auf ein Individuum, eine Zeit oder einen Ort beschränkt sind. Daraus folgt, dass diese natürliche Veranlagung nicht erworben werden kann. Man kann sie nicht erlernen, lehren oder aufgrund der gesellschaftlichen Umstände einverleibt bekommen; sie sind in der menschlichen Natur verwurzelt. Dennoch steht zweifelsfrei fest, dass Aspekte wie Lehre, Erziehung, Gesellschaft, Umgebung und auch die eigenen, bewusst verrichteten Taten, auf diese besonderen Eigenschaften und deren Wirkweise einwirken.
 
Der Heilige Qur’an zählt bestimmte Ansichten, Neigungen und Fähigkeiten zu den Gemeinsamkeiten der Menschen, wovon viele keine besondere Richtung haben, andere wiederum z. B. auf Gott ausgerichtet sind und die Suche nach Gott, Gnostik und Gottesanbetung zum Ziel haben. Der edle Prophet (s.a.s.) sagte, dass jeder Mensch mit einer Veranlagung geboren wird, und Imam BÁqir (a.s.) erläuterte dies so, dass jeder Mensch mit einer Kenntnis über Gott als seinen Schöpfer geboren wird. [4]
 
Daraus geht hervor, dass der Mensch zu Beginn seiner Schöpfung diese ihm eigenen Eigenschaften besitzt; inwiefern ihn diese Eigenschaften begleiten oder seine Stellung und Position erkennen lassen, bedarf weiterer Erläuterung. Befasst man sich intensiver mit diesen Themen, kann man die Position und Identität des Menschen weitgehend erkennen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
 

Fußnoten:
[1] Dehkhoda, Moein.
[2] Tabataba`i, Sayyid Muhammad Husayn, Al-Mizan, Bd. 10, Erläuterungen zu Vers 11:51.
[3] Sure ar-Rum, Vers 30.
[4] Kulayni, Muhammad Ibn Yaqub, Kafi, Bd. 2, S. 13.

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