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Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 17.09.2010 - Die Beziehung zwischen Mensch und Gott
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Redner: Hojjatolislam Masoumi

Die Beziehung zwischen Mensch und Gott

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
 
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Der Islam hat sich nie mit Äusserlichkeiten und mit Taten begnügt, ohne den tieferen Sinn dahinter zu beachten. Jesesmal wenn er etwas vorschreibt, geht es darum, dass der Mensch dadurch entweder direkt eine Verbindung zu Gott herstellt (wie bei Gottesdiensten, z.B.), oder dass ihn diese Taten auf die eine oder andere Art auf Gottes Pfad setzen. Die wahre Bedeutung der Taten ergibt sich also erst dadurch, wie sehr sie zur Beziehung zwischen Mensch und Gott beitragen. Auch Handlungen, die es nicht voraussetzen, die Absicht der Näherung zu Gott zu bekunden zielen darauf, den Menschen an Unbedachtheit zu hindern.
Gott schuf das Universum auf die schönste Art, weil es damit erstens dem schönsten und besten Geschöpf, nämlich dem Menschen dienen sollte, und zweitens weil er damit den Menschen zu sich ziehen und ihn dazu bringen wollte, ihn zu lobpreisen. Es liegt dem Menschen schließlich in der Natur, den Schöpfer schöner Dinge zu loben. Gott schuf diese Welt so schön, damit er den Menschen anzieht und das ist ein Beispiel für den Sinn einer Handlung.
Das bedeutet auch, dass eine Tat, die den Menschen Gott nicht näher bringt, gleich ob direkt oder indirekt, nichtig und wertlos ist. Wir feiern am Ende des Ramadan den Anfang des Schawal, weil wir Gott um einen Monat näher gekommen sind und am Ende dieses Monats, der dem Menschen so viel Segen brachte, sollte man nicht nur feiern. Man hat auch Grund, diesem Monat nachzutrauern. Das Fetr-Fest ist nur dann wirklich ein Fest, wenn der Mensch sein Herzen hat im laufe des Monats Ramadan zu Gott eilen lassen, und wenn er die spirituellen Stufen erklommen hat.
Imam Ali (a.s.) sagte: „Dieser Tag ist für denjenigen ein Fest, dessen Fasten von Gott anerkannt, und dessen Gebet erhört und geschätzt worden ist. Jeder Tag, an dem man nicht ungehorsam ist, ist ein Fest.“[1]
Der Monat Ramadan ist der Monat, in dem der Mensch aus der Hölle der Unbedachtheit flieht. Der Monat Ramadan ist heilig, weil er die Aufmerksamkeit der Menschen auf Gott lenkt. So sind alle menschlichen Beziehungen durch Gott darauf abgerichtet, ihr Bewusstsein über den Ursprung des Daseins zu bewahren. Der Islam verbietet alles, was den Menschen Gott gegenüber unachtsam werden lässt und empfiehlt Beziehungen, die ihm Gott auf direkte oder indirekte Art näher bringen. Sich an diese Anweisungen zu halten ist nichts anderes als Gottesfurcht.
Die Beziehungen der Menschen zu verwalten ist also eines der wichtigsten Themen in einer Religion. Alle Religionen versuchen, diese Beziehungen entsprechend ihrer Kenntnis über den Menschen und über das Dasein zu regeln. Auch der Mensch entwickelte die Medien in diesem Sinne, damit er seine Botschaften so schnell wie möglich kommunizieren kann. Er versuchte, durch die Entwicklung von schnelleren und effektiveren Medien seine Kontakte zu erweitern und zu effektivieren, damit er mehr kommunizieren kann. Mit dem Fortschritt der Telekommunikation schien die Welt immer kleiner zu werden, bis der Begriff des „Globalen Dorfs“ kreiert wurde, der auf darauf anspielt, wie sehr die weltweite Kommunikation erleichtert wurde.
Die unabstreitbaren Wirkungen dieser Verbindungen auf das Denken und Verhalten der Menschheit lenkt sie zu Einheit und Harmonie während Ignoranz diesen Dingen gegenüber dazu führt, dass der Mensch in dieser Flut von Verbindungen von einem der mehreren Ströme erfasst und mitgezerrt wird, wodurch er von seinen menschlichen Zielen entfernt wird und ihm nichts außer Unachtsamkeit Gott gegenüber bleibt. Gerade durch die Medien hat der Mensch stets versucht, jede einzelne Person zu verbinden und ihre Ziele zu ändern. Durch die virtuellen Umgebungen, die er dadurch geschaffen hat, lenkt er selbst die Fantasie in neue Richtungen, damit er die menschliche Wahrheit, die nichts anderes ist als die Wahrheit seiner Handlungen, steuern kann.
Der Islam ist dem Thema der Beziehungen gegenüber sehr empfindlich. Er hat sehr aufmerksam verscht, die Menschen anhand gezielter und geordneter Beziehungen zu höheren Zielen zu führen. In diesen Ansprachen werden wir versuchen, uns mit dem islamischen Bild menschlicher Beziehungen zu befassen. Im Allgemeinen kann man die Beziehungen in vier Arten aufteilen: Zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und Natur und zwischen Mensch und sich selbst.
Die Beziehung zwischen Mensch und Gott
1.                 Gott der Erhabene hat in all seinen Lehren die Menschen soweit es ging zu sich selbst aufgefordert und ihn dazu bewegt, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Dabei sind folgende Methoden zu erkennen:
2.                Gott hat den Menschen in der Schaffung mit Bedürfnissen versehen, die er nur selbst beseitigen kann, damit er vom Menschen aufgesucht wird.
Der Bedarf brachte ihn von der Unachtsamkeit weg und zu uns
Er zog ihn an den Haaren und brachte ihn in unser Haus
„Ich machte euch Menschen von mir abhängig, damit ihr zu mir kommt und eure Verbindung zu mir stärkt.“
3.                Gott machte sich für den Menschen erreichbar. Er erleichterte ihm die Knüpfung eines Kontakts dermaßen einfach, dass sich nichts anderes zwischen Gott und dem Menschen stellen kann.
„Wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen alles, was sein Fleisch ihm zuflüstert; denn Wir sind ihm näher als die Halsader.“[2]
4.                Er bestimmte keine Bedingungen für die Kontaktaufnahme der Menschen. Sie können jederzeit, überall und auf jeder Sprache mit ihm kommunizieren:
„Sprich: "Betet zu Gott, Allah, oder betet zu Gott, dem Barmherzigen! Wie ihr Ihn auch nennt, Ihm gehören die schönsten Namen.“[3]
„Allahs ist der Osten und der Westen; wohin immer ihr also euch wendet, dort ist Allahs Angesicht. Wahrlich, Allah ist freigebig, allwissend.“[4]
5.                Gott sind die schönen, die allerschönsten Beschreibungen eigen, was er auch selbst betont. Alle Schönheiten sind in ihm vereint und da der Mensch von Natur aus zu Schönheiten neigt, neigt er auch zu Gott: „Ich aber rufe euch zu dem Allmächtigen, dem Vergebungsreichen.“[5]
6.                Zuwendung und Wohlwollen dem Menschen gegenüber: Gott hat sehr oft erwähnt, dass er den Menschen mehr liebt als all seine anderen Geschöpfe. Dies in Verbindung mit der menschlichen Natur führen dazu, dass der Mensch auf ihn aufmerksam wird, weil der Mensch von Natur aus zu jemanden angezogen wird, der ihm gegenüber seine Zuneigung ausdrückt und sein Wohlwollen beweist. Es heisst in der berühmten Überlieferung: „Ich begleite den, der sich zu mir gesellt. Dem, der mein Freund ist, bin ich ein Freund. Und ich höre auf den, der mir gehorcht.“
7.                Der Mensch war schon immer neugierig und und suchte nach Antworten auf seine unzähligen Fragen. Findet sich jemand, der seine Fragen beantwortet, schenkt er ihm seine Aufmerksamkeit und ergibt sich ihm. Gott erinnert den Menschen stets daran, dass sein Wissen alles umfasst.
„Der (göttliche) Befehl steigt nieder in ihre Mitte, auf daß ihr erfahret, daß Allah alle Dinge zu tun vermag und daß Allah alle Dinge mit Wissen umfaßt.“[6]
„Wissen sie nicht, daß Allah weiß, was sie verbergen und was sie kundtun?“[7]
Und in einem anderen Qur’anvers heisst es: „Sprich: "Gott kennt eure Geheimnisse, ganz gleich, ob ihr sie verheimlicht oder offenbart. Er weiß, was in den Himmeln und auf Erden ist …"“[8] Gott lehrte dem Menschen aber auch, wie er selbst dem Wissen nachgeht. Er gab ihm den Verstand, damit er selbst die Rätsel der Natur auflöst und sich Wissen aneignet. Es gibt aber auch viele Dinge, die zu verstehen und wahrzunehmen der Mensch nicht imstande ist, daher lehrte Gott ihm den Weg des Wissens und der Kenntnis. Er sagte: „Fürchtet ihr Gott, wird Gott euch belehren.“ Gott nahm die Bildung der Menschheit sogar selbst in die Hände, und alles was der Mensch dazu machen musste, war an seiner Lehre teilzunehmen, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und Gottesfurcht zu bewahren. All dies und viele andere, göttlichen Zuwendungen dienen dem Zweck, dass der Mensch Gott nicht vergisst und immer bemüht ist, seine Beziehung mit Gott zu pflegen. Er schickte ihm sogar den Qur’an als schriftlichen Beweis, damit dem Menschen geholfen wird, zu Gott Kontakt aufzunehmen. Gott hat also dem Menschen durch seine eigene Schrift und durch vieles andere geholfen, die Beziehung mit ihm auszubauen und dies ist vielleicht der Grund, dass bei jeder Tat eine Andacht an Gott erwünscht ist.
Einige erlauben sich aber leider dennoch, den Qur’an zu missachten. Sie haben damit nicht die Muslime beleidigt, sondern Gott. Sie verletzen die Freiheit, den menschlichen Verstand, den Frieden und kurzum alle menschlichen Werte. Dies ist eine Form des Kampfes gegen den Verstand, der schon im Mittelalter am laufen war, und der immer noch die Gedanken mancher Übermächte prägt.
Bedauernswert ist, dass diese Gedanken gerade Menschen abstammen, die behaupten, religiös zu sein. Es sollte eigentlich kein Wunder sein, dass diese in sich eingestürzten Menschen solche Niederträchtigkeiten begehen. Vielmehr sollte es einen wundern, dass diejenigen, die behaupten, gegen den Terrorismus zu kämpfen und die Freiheit der Menschen zu verteidigen, und dabei so viel Mittel aufbringen, nichts gegen den Terror gegen die Werte und Religionen unternehmen, sondern ihn sogar unterstützen. Die Vernichtung reiner Gedanken birgt zweifelsohne eine viel größere Gefahr für die Menschheit. Wir verurteilen diese moderne Barbarei und rufen alle freien Menschen und Regierungen dazu auf, sich offenkundig gegen diesen Affront zu erheben.
Möge uns Gott allen den Erfolg bescheren, den Pfad des Wohls und der Glückseligkeit der Menschheit zu beschreiten und uns Gott anzuvertrauen.


[1] Nahj ul balagha, Aphorismen, 551
[2] 50:16
[3] 17:110
[4] 2:115
[5] 40:42
[6] 65:12
[7] 2:77
[8] 3:29