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Redner: Hojjatolislam Masoumi Die Beziehung zwischen Mensch und GottIm Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Vergangene Woche befassten wir uns mit Beziehungen aus islamischer Sicht, und betrachteten dabei die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Wir sagten auch, dass der Mensch erst durch seine Beziehung zu Gott und der absoluten Vollkommenheit, eine Existenz und Identität bekommt, und dass Gott deswegen den Menschen dazu Befähigt hat, eine Beziehung zu ihm zu erstellen, und ihn vor Unbedachtheit warnt. Diese Woche möchten wir uns mit der Nächsten Art der Beziehung befassen, nämlich der Beziehung zwischen Menschen und Menschen.
Grundsätzlich wird eine Gesellschaft erst dadurch realisiert, dass eine Anzahl von Menschen miteinander Kontakt aufnehmen. Bricht dieser Kontakt ab, entsteht eine Gesellschaft erst gar nicht, die Identiät einer Gesellschaft hängt also von der Beschaffenheit dieser zwischenmenschlichen Beziehungen ab. Führen die zwischenmenschlichen Beziehungen einer Gesellschaft die Vervollkommnung und das Wachstum ihrer Individuen herbei, wird auch die Gesellschaft wachsen und sich vervollkommnen.
Dinge wie soziales Verhalten, zwischenmenschliche Beziehungen und sogar einzelne Identiäten wirken sich inzwischen dermaßen auf die Gesellschaft aus, dass manche die Gesellschaft für den Ursprung der Eigenschaften und Identiäten ihrer Individuen halten.
Aus diesem Grund widmen sich alle Religionen und Denkschulen sehr ausgiebig mit der Regelung zwischenmenschlicher Beziehungen. Beziehungen bekommen durch Kommunikation, was nichts anderes ist als ein Austausch von Botschaften und Informationen, eine Bedeutung. Der Mensch ist zunehmend bemüht, seine Kommunikationsmittel zu erweitern und auf verschiedenste Arten Kontakt mit seinen Mitmenschen aufzunehmen. Er benützt dafür Medien wie Zeitschriften, Tageszeitungen, Bücher, Artikel und Multimedien wie Rundfunk, Internet, Satellitenkommunikation etc.. All diese Mittel sollen dem Zweck dienen, die Gedanken und Herzen von immer mehr Menschen zu beeinflussen.
Genauer auf die Arten der Kommunikation und ihre Beschaffenheiten einzugehen bedarf einer eigenen Diskussion, und wir werden uns in diesen Ansprachen mit der islamischen Ansicht der zwischenmenschlichen Beziehungen und ihrer verschiedenen Arten befassen.
Der Islam ist wie früher schon erwähnt versucht, die Menschen im Rahmen ihrer Beziehung zu Gott zur Vollkommenheit zu leiten und ihr Wachstum zu fördern. Dies gilt auch auf gesellschaftlicher Ebene: der Islam will die Gesellschaft auf Gott aufmerksam machen und sie die absolute Vervollkommnung nicht vergessen lassen. Er befürwortet daher jedes Verhalten und jede Beziehung, die die Aufmerksamkeit der Gesellschaft bzw. einzelner Individuen auf direkte oder indirekte Art auf Gott lenkt, und lehnt solche ab, die die Gesellschaft von Gott entfernt. Dazu wendet der Islam mehrere Methoden an:
Gesellschafts-Aktivitäten
Der Islam hat es durch solide und starke Kommunikationsmethoden geschafft, die Gesellschaften im Laufe des letzten Jahrtausends auf unermüdliche Weise zu Gott aufzurufen, und setzt seine eigenen, kräftigen Botschaften trotz der antagonistischen Strömungen der Medien, gerade durch diese Medien durch. Es ist angebracht, sich einige dieser Methoden anzusehen.
1. Der Islam bekräftigt die Teilnahme am Freitagsgebet, an gemeinsamen Tagesgebeten, Festgebeten und unterstützt den Kampf gegen Aggressoren. Er befürwortet die Gründung von NGOs zur Förderung der islamischen Kultur. Er ruft alle Muslime dazu auf, Gruppen zu bilden und eine zielführende Kommunikation aufrecht zu erhalten.
Auf individueller Ebene bringt der Islam die Menschen zwar dazu, Kontakt mit Gott aufzunehmen indem er sie zu den Tagesgebeten verpflichtet, doch das Besuchen von Moscheen und die Teilnahme an Gemeinschaftsgebeten ist auch eine ernstzunehmende Anweisung des Islams, die der Knüpfung von zahlreicheren und gesünderen Beziehungen dienen. Die Moschee ist also ein Zentrum zur Förderung gesunder, zwischenmenschlicher Beziehungen und daher sollten die Muslime nicht nur aus gewissen Anläßen, sondern öfter und regelmäßiger auf die Moschee gehen. Die Aktivitäten der Moscheen sind entsprechend zu gestalten, damit sie die Menschen auf die göttlichen Regelungen aufmerksam machen, und Dinge wie die Qur'anische Lehre, die Begebenheiten des Tages und das Ergehen anderer Menschen zu vermitteln, und um die Liebe und Einheit zwischen Muslimen und Anderen zu fördern. Der Qur'an schreibt daher jedem Gläubigen das Bebauen und Erhalten von Moscheen vor:
"Gottes Moscheen dürfen nur durch jene gehütet werden, die an Gott und an den Jüngsten Tag glauben, das Gebet verrichten, die Zakât-Abgaben entrichten und nur Gott allein fürchten."[1]
Hier ist mit "Bauen" allerdings nicht die Errichtung einer Moschee gemeint, weil der Glauben der Person auf die Errichtung einer Moschee keinen Einfluß hat. In einem anderen Vers mahnt der Qur'an davor, die Erhaltung von Moscheen Ungläubigen zu Überlassen. Auch damit ist natürlich nicht die bau-technische Erhaltung gemeint, sondern die Aktivitäten und Programme, die die Moschee erhalten:
"Den Götzendienern steht es nicht zu, die Moscheen Allahs zu erhalten, solange sie gegen sich selbst zeugen durch den Unglauben."[2]
2. Das Nützen gewisser Anlässe, und vorher bestimmten Tagen und Nächten zur Förderung gesellschaftlicher Aktivitäten
Die Philosphie der vielen, verschiedenen Anlässe im Islam wird oft außer Acht gelassen. Diese Feierlichkeiten, Trauerfeiern, Feste, der Ramadan, der Anfang und die Mitte jedes Monats, Monate wie Radjab und Scha'ban und ... dienen unter anderem dem Zweck, die Muslime geistig zu vereinen, ihre Entfremdung zu verhindern und ihre islamische Identität zu bewahren. Diese Anlässe tragen dazu bei, dass zwischen den Muslimen umfassende Beziehungen entstehen, welche wiederum die Menschen schützen, sie rechtleiten und ihre Aufmerksamkeit auf Gott richten. Im Rahmen dieser Veranstaltungen werden oft Millionen von Botschaften zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ausgetauscht.
3. Das Bestimmen spezifischer Orte für die Kommunikation
Der Islam betont die Errichtung von Moscheen, und weist auch auf die Existenz der "verbotenen Moschee", verschiedener, heiliger Schreine und anderer Heiligtümer wie die Arafat Wüste, Masch'ar, Kufa, Kerbela und Quds hin, und hat die Kaaba als einheitliche Gebetsrichtung bestimmt. Dies dient dem Zweck, gewisse Beziehungen innerhalb der islamischen Glaubensgemeinschaft entstehen zu lassen, die, wenn man sie pflegt, die Muslime großräumig miteinander in Verbindung bleiben lassen, was sich fördernd auf die islamische Identität der Muslime auswirkt.
4. Die Darlegung der gesellschaftlichen Regelungen für Muslime
Der Islam bietet gemeinschaftliche Aktivitäten wie die Pilgerfahrt, die Verteidigung, Geheiß des Guten und Untersagung des Unbilligen etc., und hat viele seiner Gebote und Verbote so konzipiert, dass ein jeder Muslim der sie befolgt, auf sinnvolle Art Kontakt mit seinen Mitmenschen aufnimmt. Dadurch entsteht ein System geordneter und zielführender Beziehungen.
Abgaben wie Khums und Zakåt bringt nicht nur die Wohlständigen, sondern jeden, der etwas verdient mit den Bedürftigen in Verbindung. Diese Verbindung basiert dann auf Hilfeleistung, Opferbereitschaft, Mitgefühl und direktem Kontakt zwischen den verschiedenen Schichten einer Gesellschaft.
Der Geheiß des Guten und die Untersagung des Unbilligen gilt als allgemeine Pflicht und ist ein Gebot, welches die Beziehungen zwischen Muslimen auf eine neue Ebene bringt und ihnen das Ziel verleiht, das Abkommen vom richtigen Pfad zu verhindern. Dies gilt sowohl in den größten Gesellschaften, als auch in den kleinsten, nämlich in den Familien. Dies unterscheidet sich immens von einer Denkschule, die nur Desinteresse anderen Gedanken gegenüber vermittelt. Der Islam führt dadurch alle Menschen in ein gut durchdachtes System ein, konfrontiert sie mit einem logischen Argument und macht sie zu Teilnehmern eines gesellschaftlichen Dialogs und lässt eine sich positiv auswirkende Beziehung zwischen ihnen entstehen:
"Die allem zuhören, was gesagt wird und nur dem Besten folgen, das zu Gott führt. Das sind die von Gott Rechtgeleiteten, und sie sind es, die Verstand haben."[3]
Religionsrechtliche Kapitel wie Tausch und Verkauf, Miete, Pachtverträge und auch einseitige Rechtsgeschäfte wie Schenkung etc., viele Gottesdienste wie die Pilgerfahrt, die Zakåt-Abgabe, Vertrauenswürdigkeit und vieles, vieles andere regelt und erweitert die Beziehungen zwischen Muslimen auf sinnvolle und zielführende Weise.
Der Islam verbietet aber auch manche Beziehungen weil sie sich destruktiv oder gar tödlich auf die Menschen auswirken. Es ist verboten zu Lügen und zu beleidigen, es gibt verschiedene Bestimmungen, die die Verwandtschaft bzw. Nichtverwandschaft betreffen, es gibt Regelungen für die Körperbedeckung und auch Dinge wie Übertretungsstrafen und Vergeltung sind geregelt. All dies soll die Entstehung von Beziehungen verhindern, die der Gesellschaft und den Individuen schaden.
Eine Verletzung jeder einzelnen dieser Bestimmungen wird den Fortschritt der Menschen und die zwischenmenschlichen Beziehungen beschädigen. Wo diese Anweisungen nicht mehr befolgt werden, entstehen gänzlich andere Beziehungen und führen schließlich dazu, dass in dieser Gesellschaft vom Islam nichts mehr übrig bleibt, als nur ein Name.
Die Beachtung und das Umsetzen der islamischen Regelungen oder mit anderen Worten Gottesfurcht auf individueller sowie gesellschaftlicher Ebene führt zur Dynamik und zum Fortschritt einer Gesellschaft.
Wir wünschen uns von Gott die Stärkung der Einheit und der konstruktiven Beziehungen zwischen den Muslimen.
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