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Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums HamburgDie Gerechtigkeit des Imam Ali (a.s.)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Angesichts des Märtyrertodes von Imam Ali (a.s.) möchten wir uns mit dem Thema Gerechtigkeit aus der Sicht des Edelmutigen Imams (a.s.), dieses großartigen Mannes der Geschichte befassen. Die Aspekte seiner Persönlichkeit machen natürlich mehr aus, als wir zu verstehen vermögen. Es heißt schließlich, er habe Eigenschaften, die sich scheinbar widersprechen:
Der fromme, siegreiche, weise und mutige
Der kühne, devote und selbstlose
Er war also zugleich weise und belesen, aber auch ein mutiger Anführer. Er besaß nie viel, doch spendete und schenkte er alles, was er bekam. Er war fromm und devot, doch zeigte er auf dem Schlachtfeld außerordentlichen Mut. All diese Eigenschaften vereinen sich normalerweise nicht in einem Menschen. Es ist nicht üblich, auf einen Menschen zu treffen, der autoritär und fromm, arm und freigiebig, weise und belehrt, und gleichzeitig auch mutig. All diese Eigenschaften waren jedoch in Imam Ali (a.s.) vereint. Ein anderer Poet schrieb über ihn: „In der Nacht verrichtet er den Gottesdienst vor dem Altar und spricht weinend mit seinem Gott, und am Tag zieht er in die Schlacht und lacht in der Strenge des Krieges.“
Was die Gerechtigkeit Imam Alis (a.s.) betrifft, sagte ein christlicher Wissenschaftler Namens George Gordak sagte, Imam Ali sei der menschliche Ruf nach Gerechtigkeit. In seinem Buch: „Imam Ali, die menschliche Stimme der Gerechtigkeit“ schreibt er: „In seinen Schreiben an die verschiedenen Anführer ging es stets um das Thema Gerechtigkeit. Wenn es einen Grund dafür gab, dass sich die Menschen aus nah und fern gegen ihn verbündeten, war es der, dass er ein Maßstab der Gerechtigkeit war. Er leistete sich und den Seinen niemals Vorschub, wehrte sich stets gegen Unterdrückung, und ließ sich von nichts außer der Wahrheit beeinflussen.“[i]
Die Gerechtigkeit gehört zu den erhabensten menschlichen Werten, und stand für die verschiedenen Völker und ihre gesellschaftspolitischen Denker immer im Mittelpunkt. Die Völker liebten gerechte Anführer. Imam Ali (a.s.) war der Überzeugung, dass die Gerechtigkeit eine Gesellschaft erhält und sagte: „Die Gerechtigkeit ist das Leben.“[ii] Durch Gerechtigkeit lassen sich Talente entfalten, sie bringt den Menschen Wohlstand und befreit sie von Armut und Not. Die Gerechtigkeit beseitigt die größten, menschlichen Bedürfnisse[iii] und ist der stärkste Pfeiler einer Gesellschaft.[iv] Sie hält Ordnung und gewährt einer Regierung ihren Fortbestand.[v] Die Schönheit einer Politik gibt sich erst durch gerechte Anführung zu erkennen.[vi] Der Edelmutige nahm die Gerechtigkeit dermaßen ernst, dass man sagt, die Tatsache, dass er vor dem Altar und während des Gebets getötet wurde, zeugt vom Ausmaß seiner Gerechtigkeit.[vii] Darin war er einzigartig und als die Menschen aus Medina, Ägypten und Kufa ihn aufsuchten, um ihm den Treueid zu schwören, lag es daran, dass sie von der Gerechtigkeit Imam Alis (a.s.) überzeugt waren.
Er zog jeden Beamten zur Rechenschaft, der seine Verantwortung nicht ernst nahm und sich am Eigentum des Volkes bereicherte. Er erkämpfte den Besitz des Volkes zurück, einst ließ er auch einen seiner wichtigsten Untergeordneten, Yasid Ibn Hujjia verhaften und einsperren.[viii] Was die genaue Umsetzung der islamischen Anweisungen betraf, war er niemand gegenüber nachlässig und war darin sehr entschlossen.
Von Imam Sadegh (a.s.) wird überliefert: „Drei Dinge brauchen die Menschen am dringendsten: Sicherheit, Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum.“[ix]
Der Begriff „Gerechtigkeit“ wurde verschieden definiert und auf verschiedene Weisen auch angewendet. Dazu gehören Synonyme wie Gleichgewicht, gesellschaftliche Ausgeglichenheit und die Berücksichtigung der Anrechte.
Gerechtigkeit wurde aber auch als Gleichheit definiert, mit der Bedeutung, dass alle Menschen, ob schwach oder stark, ob Hausherr oder befreiter Sklave gleich wert sind. Unter Berücksichtigung dieser Erklärungen möchten wir uns etwas näher mit der Gerechtigkeit aus der Sicht Imam Alis (a.s.) befassen.
Gleichheit vor dem Gesetz
Im Islam sind Schwach und Stark vor dem Gesetz gleich, und jeder der gegen das Gesetz verstößt, muss bestraft werden. So wurde im Qu’an dem hl. Propheten (s.) die Anweisung gegeben: „Wenn du unter ihnen urteilst, mußt du wie immer der Gerechtigkeit entsprechen, denn Gott liebt die Gerechten.“[x] Wenn die Gerechtigkeit bereits beim Urteilen unter Nicht-Muslimen geboten ist, dann sollte sie innerhalb der islamischen Gesellschaft umso mehr beachtet werden. Imam Ali (a.s.) sagt: „Und sie sie alle, egal wie genau Du hinblickst, als gleich, damit die Reichen der Gesellschaft nicht von Dir erwarten, den Bedürftigen Unrecht zu tun, und damit die Schwachen weiter auf Deine Gerechtigkeit hoffen können.“[xi]
Gleichheit des Volkseigentums
Imam Ali (a.s.) vertrat die Ansicht, dass das Volkseigentum, wenn es nicht für einen spezifischen Zweck gebraucht wird, allen Muslimen zur Verfügung stehen soll. Die Gleichheit der Anteile gleicht nämlich die Gesellschaft aus. Als manche also aus nichtigen Gründen einen größeren Anteil verlangten, sagte der Edelmutige: „Niemandem wird was das Volkseigentum betrifft Vorschub geleistet. Wahrlich, es wurde von Gott aufgeteilt. Es ist Gottes Eigentum, und ihr seid Gottes muslimische Diener. Wir glauben an das Buch Gottes und halten entsprechen dieses Buches an unseren islamischen Glauben, und die Gleichheit dieser Anteile ist ein Versprechen, dass wir dem Propheten gaben. Soll also derjenige, der mit seinem Anteil nicht zufrieden ist, tun was er will. Jemand der Gott gehorcht und seine Anweisungen weitergibt, hat nichts zu befürchten.“[xii]
Gesellschaftliche Sicherheit
Sicherheit ist, aus der Sicht Imam Alis (a.s.) das Anrecht eines jeden Bürgers eines islamischen Staates, gleich ob sie Araber sind oder nicht, und ob sie Zarathustraner, Juden oder Christen sind. Diese Einstellung des Imams (a.s.) ist aus seinem Verhalten ersichtlich. Als er erfuhr, dass eine Gruppe aus Damaskus die Vorräte der Stadt geplündert, und sich die wertvollen Gewänder und Juwelen verheirateter, nicht-muslimischer Frauen angeeignet hatten, war er entsetzt und warf dem Volk Kufas vor: „Wenn ein muslimischer Mann von diesem Vorfall hört und vor Trauer und Bestürztheit stirbt, so wäre das richtig, weil er es auch verdient hätte.“[xiii]
Auch was das Anrecht auf Sicherheit betrifft sind also alle Bürger gleich, und dieser Vorzug einer islamischen Gesellschaft sollte allen zu Teil werden. Ein genaues Studium des Verhaltens von Imam Ali (a.s.) lässt feststellen, dass er nichts der Gerechtigkeit vorzog und dass seine höchste Priorität das erhalten wahrhaftiger Gerechtigkeit in allen Dingen war.
[i] George Gordak: „Imam Ali, die menschliche Stimme der Gerechtigkeit“, übersetzt von Seyyed Hadi Khosroshahi, Band 1, S. 120
[ii] Abdulwahid Amedi, Qurar ul hikam, übersetzt und erläutert von Khonsari, Band 1, S. 64
[iii] Ebd., S. 181
[iv] Ebd., S. 216
[v] Ebd., S. 198
[vi] Ebd., Band 3, S. 375
[vii] Mortesa Motahari, „Zwanzig Reden“, S. 3 u. S. 20
[viii] Ali-Akbar Zakeri, „Die Gesichter der Untergebenen Imam Alis (a.s.)“, Band 1, S. 406
[ix] Tuhaf ul oghul, S. 320, „Die Lichtermeere“ Band 75, S. 234
[x] 5:42
[xi] Nahj ul balagha, Brief 27, S.383
[xii] Die Lichtermeere, Band 32, S. 20
[xiii] Nahj ul balagha, Ansprache 27
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