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Ansprache zum Id-ul-Fitr (Fest des Fastenbrechens) 1430n. H.

Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg


Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen
 

 Das Fest des Fastenbrechens, Id-u-l-Fitr, ist eine der größten islamischen Feierlichkeiten und wird von allen Muslimen geschätzt und respektiert. An diesem Tag erwarten diejenigen, die an diesem großen göttlichen Wettbewerb teilgenommen haben, ihre Belohnungen von Gott. Zweifelsohne bringen dem gläubigen Menschen die Teilnahme an diesem göttlichen Mahl und dessen Verständnis großen Segen und andere Gaben. Dazu gehört die Zuwendung, die dem edlen Propheten (s.a.s.) und seiner Familie (a.s.) zuteil wurde, wie im Bittgebet des Festgebets zum Ausdruck kommt. Darin bitten wir den Herrn, uns vor all dem Übel zu bewahren, vor dem er auch den heiligen Propheten (s.a.s.) und seine Familie (a.s.) bewahrt hat. Ein Mensch, der in diesem Monat seine Pflichten erfüllt hat, muss den Herrn um Tugend und Erbarmen bitten.
 
Dieses Fest wird „Fitr“ genannt, weil sich die Muslime an diesem Tag versammeln und dem Herrn für die Zuwendung, die Er ihnen gewährt hat, danken und Ihn dafür lobpreisen. Gott möchte, dass die Muslime Ihn gemeinsam und offenkundig für Seine unendlichen Gaben lobpreisen. Dieser Tag ist also ein Tag der offenkundigen und gemeinsamen Lobpreisung Gottes durch die Muslime aus Dankbarkeit für Seine Rechtleitung.
 
Von Imam Ali (a.s.) wurde überliefert, dass dieser Tag für diejenigen ein Fest ist, deren Fasten anerkannt wurde, und die dafür dankbar sind, dass sie diese göttliche Pflicht erfüllen konnten. Er sagte auch, dass jeder Tag, an dem ein Muslim keinen Akt der Ungehorsam begeht, ein Fest sein kann, doch damit all dies anerkannt wird, muss es erst vom Imam und Sachwalter der Zeit (aº.) anerkannt werden. So hoffen wir, dass das Herz des Imams der Zeit (aº.) mit uns zufrieden ist, damit seine Gebete uns allen gelten. So ist es auch angebracht, dass an diesem Tag wie an den Feierlichkeiten des Opferfests, des Fest von Ghadir und an jedem Freitag, das Nodbeh-Bittgebet verrichtet wird.
 
Vom edlen Propheten (s.a.s.) wurde überliefert, dass am ersten Tag des Schawwal, also dem Fest des Fastenbrechens, ein Ausrufer die Muslime aufruft, sich ihre Belohnungen zu holen. Er sagte: „Oh Dschabir, die göttlichen Belohnungen unterscheiden sich von denen der Könige und Herrscher. Seine Belohnung an diesem Tag ist wahrhaftig und beinhaltet Seine Zufriedenheit mit den Menschen.“ Für jemanden, der diesen Monat mit Gottesdiensten und Bittgebeten verbracht hat, ist es wichtig, ob Gott am Ende des Monats mit ihm zufrieden ist. Deshalb sagte Ibn Tawus: „Man sollte diesen Tag nicht mit Spielen und Scherzen verbringen, man weiß nämlich nicht, ob die eigenen Taten anerkannt oder abgelehnt wurden. Hofft man darauf, dass sie anerkannt werden, so werden sie von Gott anerkannt. Doch wenn man zu befürchten hat, dass sie nicht anerkannt werden, wird man sehr lange von tiefer Trauer begleitet sein.“ Das Fest des Fastenbrechens ist ein Tag, an dem die Liebevollen belohnt werden und die Übeltäter Verluste einbüßen. Er ähnelt sehr dem Tag der Auferstehung. Deshalb sollten wir unsere Häuser im Namen Gottes verlassen und zu den Gebetshäusern gehen. Gott überbringt den Fastenden allerdings die gute Nachricht, dass Er ihnen die vergangenen Sünden verziehen hat, doch müssen sie sich in Zukunft in Acht nehmen und sich vor Sünden hüten, denn die Sünde bringt den Menschen vom Pfad der göttlichen Essenz und somit vom Pfad der Gottesdienerschaft ab.
 
Beendet der Mensch diesen Wettbewerb erhobenen Hauptes und schmückt sein Herz mit dem göttlichen Licht, wird er von Gott auserwählt, um den Anderen auf die beste Weise zu dienen, sie mit dem erhabenen Herrn zu versöhnen und ihnen ihre Pflichten ans Herz zu legen. Ein solches Verantwortungsgefühl kann die Basis für ein in allen Aspekten gesundes Leben sein. Erst dann werden alle zu Gottesdienern. Eine Gesellschaft, die sich an die göttlichen Regelungen hält und die Gottesdienerschaft als Basis und Fundament ihres Lebens erachtet, wird vollkommene Ordnung genießen und nicht unter Unterdrückung und Ungerechtigkeit leiden. Alles, was man in ihr beobachten kann, werden Anzeichen des Paradieses nach der Auferstehung sein.
 
Vertiefen wir uns in dieses Fest, entdecken wir Beispiele dieser Dienste darin. Die Menschen, die sich im Laufe des Jahres problemlos versorgen können, spenden ungefähr drei Kilogramm der täglichen Nahrung an die Bedürftigen und erachten dies als ihre Pflicht. Dies ist ein Beispiel der göttlichen Erziehung, die einem zuteil geworden ist, nachdem man an diesem göttlichen Gastmahl der Gottesdienerschaft teilgenommen hat. Diese Moral und Mentalität, nämlich dass die Menschen einander helfen sollten, ihre spirituellen und materiellen Probleme gegenseitig zu lösen, und dies gar als eine ihrer wichtigsten Pflichten zu erachten, kann die Atmosphäre der Gesellschaft von Grund auf verändern und sie zur Gerechtigkeitsliebe, oder noch höher, zur Gnade, Großzügigkeit und Opferbereitschaft leiten. Dies lässt sich nicht ohne Gottesdienerschaft und die göttliche Lebensart, oder ohne die Entfaltung der im Menschen verborgenen Veranlagung, verwirklichen.
 
Wir hoffen auf den Tag, an dem die menschliche Gesellschaft den spirituellen Duft des Paradieses genießen kann und alle Menschen der Gesellschaft diesen schönen, lebendigen und fröhlichen Zustand erleben werden.